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Brandenburg/Havel Neue Klänge: Orgelbauer starten Arbeiten in Brandenburger Katharinenkirche
Lokales Brandenburg/Havel Neue Klänge: Orgelbauer starten Arbeiten in Brandenburger Katharinenkirche
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15:23 17.05.2019
Orgelbauer Carsten Müller sitzt in der Brandenburger Katharinenkirche im Pfeifenwerk der Hauptorgel. Er verengt mit einem Intonierdraht die Windbahn einer Orgelpfeife und erzeugt so einen leiseren Ton. Quelle: André Großmann
Brandenburg/H

Hohe, tiefe, laute und leise Töne erklingen aus der Hauptorgel der Brandenburger Katharinenkirche. Orgelbauer Hartmut Rönnecke spielt hier auf der Klaviatur, sucht nach der idealen Lautstärke und Tonhöhe. Währenddessen sitzt sein Kollege Carsten Müller im Pfeifenwerk und bearbeitet mit einem Intonierdraht die Windbahn der Orgelpfeifen, um die Töne anzupassen. „Das ist wie bei einem Frage- und Antwortspiel. Der Frequenzbereich und die Tonvielfalt der Orgel sind beeindruckend. Es ist ein bisschen, wie in Tönen zu baden“, sagt Rönnecke.

Die große Orgel der Katharinenkirche wird aktuell restauriert, anschließend folgt die Chororgel. Orgelbauer überprüfen den Klang Tausender Orgelpfeifen und ihren Zustand. Bis zum späten Herbst sollen die Arbeiten beendet sein.

Größtes Orgelbauprojekt Ostdeutschlands

Für ihn ist es eine Herausforderung, die unterschiedlichen Orgelpfeifen aus verschiedenen Jahrhunderten aufeinander abzustimmen, da jede Epoche ihren individuellen Klangcharakter besitzt. „Das zu bewahren, die Schönheiten der einzelnen Register zu finden und diese zusammenzufügen, ist die Herausforderung, die es zu meistern gilt“, sagt Rönnecke.

Die Restaurierung und Sanierung des Instruments ist laut Kantor Fred Litwinski „zurzeit das größte Orgelbauprojekt Ostdeutschlands“ und wird von Mitarbeitern der Orgelbaufirma Alexander Schuke realisiert. Der Vertrag zum Sanierungsbeginn wurde im November 2018 von Gemeindepfarrer Jonas Börsel und den Orgelbauern Michael, Johannes und Matthias Schuke unterzeichnet.

Vorher warben Mitglieder des Brandenburger Freundeskreises „Orgelprojekt“ um finanzielle Unterstützung. Mehrere Kleinspender leisteten mit ihren Geldern einen Beitrag zur Orgelsanierung. Die Arbeiten an den Orgelanlagen kosten mehr als 900000 Euro und sollen laut Litwinski bis „in den späten Herbst“ andauern. Die Orgelanlage soll offiziell an einem Wochenende vom 12. bis 14. Juni 2020 eingeweiht werden.

Zunächst wird die Hauptorgel restauriert, dazu nehmen die Orgelbauer mehr als 3500 Pfeifen aus dem Instrument, säubern diese und bessern sie aus. Beide Seitenemporen der Katharinenkirche dienen deshalb momentan als großes Pfeifenlager. Ab Juli sollen identische Arbeiten an der Chororgel beginnen, anschließend werden neue Teilbereiche wie das Solo- und das Schwellwerk errichtet. Das sogenannte Auxiliar ergänzt die Hauptorgel als zusätzliches Orgelwerk und wird von unten nahezu unsichtbar, auf der Empore unter dem barocken Orgelgehäuse untergebracht.

Neue Orgelklänge

Dadurch verdoppelt sich die Zahl der Orgelpfeifen auf fast 7500 Exemplare. Das Auxiliar enthält neue romantische Klangfarben, die den bestehenden Instrumenten bisher fehlten. „So lassen sich Klänge vom zarten Piano bis zum raumfüllenden Fortissimo erzeugen“, sagt Fred Litwinski. Das neue Klangbild soll auch die Aufführung von romantischen, modernen angelsächsischen und französischer Orgelliteratur ermöglichen.

Durch einen neuen, fahrbaren Spieltisch ist es erstmals möglich, mit einem großen Orchester und Chor unten in der Kirche zu musizieren, was das Live-Erlebnis der Zuhörer steigern soll. Ein anderer Spieltisch soll an der Hauptorgel fest installiert werden. Beide Exemplare stehen aktuell noch bei der Firma „Otto Heuss“ in Lich bei Frankfurt am Main und sollen im Juli eintreffen.

Kantor lobt neue Innovationen

Obwohl Fred Litwinski seit dem Jahr 1989 Kantor in Brandenburg an der Havel ist, fasziniert ihn die Orgelanlage in der St. Katharinenkirche bis heute. „Nur mit einer Orgel können wir einen Kirchenraum als Einzelperson mit Klang erfüllen, was sonst nur ein Orchester mit 70 Leuten kann“, sagt der 59-Jährige der MAZ. Das geplante Zusammenspiel von Chor- und Hauptorgel sieht er als „bahnbrechende, den Denkmalcharakter wahrende Innovation.“

Für ihn ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. „Nicht mal die Orgelbauer wissen bislang, welche Töne nach den Restaurierungsarbeiten entstehen und das ist doch das Spannende“, sagt Litwinski, der sich auf die neue Klangvielfalt freut.

Auch während der Arbeiten an der Orgelanlage sollen Zuhörer in der Katharinenkirche 20 Minuten Orgelmusik erleben. Bis Ende Juni wird jeden Montag ab 12 Uhr und von Juli bis Oktober täglich ab 12 Uhr gespielt.

Von André Großmann

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