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Brandenburg/Havel Neue Mobilität: Beginn mit Tempo 30
Lokales Brandenburg/Havel Neue Mobilität: Beginn mit Tempo 30
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17:46 04.06.2019
So könnte in einigen Jahren eine Mobilitätsstation in der Innenstadt aussehen. Quelle: Mahoma Niemeyer | inno2grid GmbH
Brandenburg/H

Die Stadt verpasst nicht nur Chancen, sondern lässt auch eine Menge staatliches Fördergeld liegen, wenn sie beim Thema Verkehr nicht umdenkt. 750 Millionen Euro stecken im Förderprogramm des BundesinnenministeriumsSmart City“, das auf zehn Jahre ausgelegt ist und 50 Projekte anschieben will. Das Bundeswirtschaftsministerium stellt bis 2022 jährlich 100 Millionen Euro zur Verfügung, damit Kommunen über so genannte Experimentierklauseln neue Konzepte ausprobieren können, sagt der heimische Mobilitätsexperte Jürgen Peters.

Ausprobieren, ob’s funktioniert

Übersetzt auf Brandenburg an der Havel hieße das beispielsweise, dass man testen könne, ob eine von Verbrenner-Autos befreite Altstadt funktioniert. Denkbar ist beispielsweise auch, die historische Innenstadt mit Dom, Altstadt und Dom zu einem großen Einbahnstraßensystem umzugestalten. Dann gäbe es in jeder Straße nur noch Verkehr in eine Richtung, den gewonnenen Platz auf der Fahrbahn kann man für gesicherte Rad- und breitere Fußwege nutzen. Es ist ja nicht so, dass die Brandenburger keine Erfahrungen mit so etwas hätten: Als vor Jahren beispielsweise die Dominsel nur in eine Richtung befahren werden durfte, jubelten die Anwohner und das Wehklagen der Autofahrer hielt sich in Grenzen.

Welche Wirkungen beispielsweise eine autofreie Steinstraße oder eine Sackgasse hätte, kann man nur ausprobieren. Bis dahin stehen sich Verfechter und Verhinderer weiter unversöhnlich gegenüber.

Stadt schickt „Spione“

Um eine fachliche Diskussion erst einmal anzustoßen hat Peters jüngst eine hochkarätig besetzte Expertenrunde zu einem Mobilitätsforum organisiert. Selbst die Stadt schickte drei Vertreter zum Lauschen: Birgit Hupe von der Stadtplanung, den Fahrradbeauftragten Jens Tober und den Planungsexperten Thomas Lenz.

Zur Diskussion um neue Mobilität in der Havelstadt haben die Grünen in das Interkulturelle Zentrum eingeladen. Die Referenten waren Belinda Rukschcio, Bundesstiftung Baukultur (BSBK), Judith Fiukowski, Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB), Korinna Stephan, Spiekermann GmbH Consulting Engineers, Benedikt Sperling-Zikesch, EasyMile SAS und Frank Hunsicker, Choice GmbH (v.li.). Quelle: Rüdiger Böhme

Corinna Stephan vom renommierten Mobilitätsdienstleister Spiekermann lobt das gute Basisangebot an Öffentlichem Personennahverkehr, nun müsse man daneben auch Platz schaffen für neue Mobilitätsdienstleistungen. Carsharing-Konzepte wie in Berlin mit Stationen oder im „free floating“ Verkehr irgendwo in der Stadt – dafür ist die Havelstadt zu klein. Denkbar wäre aber Carsharing über Autohäuser oder zwischen Privatpersonen. Daneben rechne sich auch der Verleih von Scootern (E-Motorroller) und Kickscootern (E-Tretrollern). „Wenn sie irgendetwas ausprobieren wollen, fangen sie in der Altstadt an. Da wo der Parkdruck am größten ist“, rät die Expertin. Den größten Erfolg versprächen Initiativen, die privat und ehrenamtlich starten. Sind sie erfolgreich, finden sich schnell kommerzielle Anbieter, die aufspringen wollen, so die Schlussfolgerung.

Vorbild New York City

Belinda Rukschcio von der Bundesstiftung Baukultur hat alle Zuhörer begeistert, Grünen-Fraktionschefin Martina Marx will sie im Herbst noch einmal in die Stadt einladen, damit sie vor Stadtentwicklungsausschuss sowie Sanierungsbeirat spricht. Belinda Rukschcio wirkt nur auf den ersten Blick realitätsentrückt, wenn sie ultimativ den „Umbau der autogerechten Stadt zur Kommune der Menschen mit Blickbeziehungen“ fordert. „Wir müssen in erster Linie an die Fußgänger und an die Kinder denken sowie an eine grüne Stadt, dazu zählen Begrünung, Barrierefreiheit und die Existenz von Stadtteilplätzen.“

Beispiele gebe es bereits. So The High Line in New York City. Das ist eine 2,33 Kilometer lange, nicht mehr als solche genutzte Güterzugtrasse im Westen von Manhattan, die von 2006 bis 2014 zu einer Parkanlage, dem High Line Park, umgebaut wurde. Sie ist grün und hat gesicherte und getrennte Wege für Radfahrer und Fußgänger. Erstrebenswert könnte auch das Vorbild der Osloer Innenstadt sein. Die ist nämlich nahezu autofrei. Aber nicht durch Verbote, sondern durch eine eng begrenzte Anzahl von Parkplätzen mit entsprechend hohen Gebühren. „Wenn sie mit dem Verkehrsumbau anfangen wollen, ist die einfachste Maßnahme, flächendeckend Tempo 30 auszuweisen und sich in erster Linie auf den Ausbau der Fußwege zu konzentrieren.“

Erst die Straßen, dann Gebäude

Auch beim Bau neuer Quartiere müsse man dazu kommen, „zuerst die Infrastruktur und erst danach die Bebauung zu denken“. Der Packhof lässt grüßen. Neue Geschäftsfelder in neuer Mobilität seien auch elektrisch betriebene Sammeltaxis und auch gemeinsam genutzte Lieferwagen.

Verkehr in der Steinstraße. Quelle: JACQUELINE STEINER

Von den autonom fahrenden Elektrobussen der Firma Easymile verkehren weltweit bereits 110. Sie dienen verschiedenen Zwecken. Beispielsweise zur inneren Erschließung eines Campus’ oder Quartiers wie der Berliner Charité oder des Europäischen Energieforums Euref in Schöneberg. Denkbar ist auch das Bewältigen der „letzten Meile“, auf der kein ÖPNV mehr fährt. Im bayerischen Bad Birnbach verbinden sie beispielsweise den Bahnhof mit einigen Hotels. Ein ähnliches Projekt soll im Herbst in Wusterhausen/Dosse starten.

Von André Wirsing

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