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Brandenburg/Havel Das Bauwerk aus dem Wunderstoff
Lokales Brandenburg/Havel Das Bauwerk aus dem Wunderstoff
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18:00 15.08.2019
Mit einem Spezialkran wurden die tonnenschweren Teile eines neuen Abwasser-Pumpwerkes etwas abseits der Wilhelmsdorfer Landstraße in den Körper des alten Pumpwerkes eingesetzt. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

65 Tonnen schwer ist das Ungetüm, dass die Brawag nun in den Boden neben der Wilhelmsdorfer Landstraße wuchten ließ – 5,50 Meter tief und sechs Meter im Durchmesser. Es ersetzt ein fast 100 Jahre altes Bauwerk, das nach vielen Reparaturen einfach zum Abriss fällig war.

Bauwerk fürs Mischwasser

Das Bauwerk bewahrt die Anwohner davor, bei starkem Regen „abzusaufen“, es transportiert Regen- und Abwasser zusammen.

Das Einsetzen von bis zu 40 Tonnenschweren Einzelteilen eines Brawag-Pumpwerkes ist Präzisionsarbeit, vor allem für den Kranführer mit dem 200-Tonnen-Koloss. Es klappte alles im ersten Anlauf.

Direkt an der Straße verläuft die 600er-Druckleitung zu den Rieselfeldern Wendgräben. Kommt es zum Starkregen, kann nicht alles Wasser aus der Stadt auf einmal in Richtung Briest abtransportiert werden. Deshalb wird es zwischengeparkt, im Sammelbecken hinter dem alten Straßenbahndepot beziehungsweise auf den Rieselfeldern. Erst wenn sich die Situation entspannt, wird es nach Briest abgeleitet. „Das Mischwasser vom neuen Pumpwerk muss in die Druckleitung gepresst werden, deshalb brauchen wir ziemlich starke Pumpen“, sagt Brawag-Projektchefin Marion Tischer.

300 Kubikmeter in der Stunde

Bauüberwacher Andreas Stein vom Büro Gauff Ingenieure nennt die Zahlen: „Die beiden Regenwetterpumpen haben jeweils 18,5 Kilowatt Leistung, jede fördert 150 Kubikmeter in der Stunde. Die Trockenwetterpumpe hat vier Kilowatt, bewegt aber damit immerhin 80 Kubikmeter in jeder Stunde.“

Die Pumpen stehen direkt nass, es braucht also kein eigenes Pumpenhaus mehr. Lediglich ein kleiner Container beherbergt die Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Die alten Anlagen sind komplett abgebrochen und müssen in speziellen Containern als Sondermüll entsorgt werden.

Wunderstoff Polymerbeton

Genaues Studium der Montagepläne. Quelle: Rüdiger Böhme

Das kann jetzt nicht mehr passieren. Das Besondere an dem neuen Bauwerk ist nämlich, dass es aus Polymerbeton besteht. Der wird hergestellt aus Kiesel, Sand, Quarzsand und Harz. Auf Zement und Wasser wird komplett verzichtet, sagt Mario-Andreas Eckert von der Herstellerfirma Meyer-Polycrete. Diese sitzt in Stendal und beliefert seit 28 Jahren Kanalrohre, Systemschächte und Schachtbauwerke in die ganze Welt. Aktuell laufen Aufträge aus den USA, aus Trinidad-Tobago und aus dem australischen Sydney. „Für skandinavische Länder müssen wir einen Umwelt- und Entsorgungsnachweis liefern, da bekommen wir bestätigt, dass unsere Materialien nach dem Ausbau gebrochen und als Untermaterial für den Straßenbau verwendet werden können.“ Das Pumpwerk ist so konstruiert, dass es sich selbst reinigt (Self Cleaning), es muss nicht in Abständen ausgepült werden wie andere.

Ganz ohne Bewehrungsstahl

Es sei auch kein Gramm Bewehrungsstahl verwendet worden, so fest sei der Baustoff. Wenn in Stendal 1000-Millimeter-Rohre gegossen werden, haben diese bereits nach 17 Minuten Trocknung 80 Prozent ihrer Endfestigkeit erreicht.

Alles Maßanfertigungen

Das 65-Tonnen-Bauwerk in Brandenburg an der Havel sei noch übersichtlich. In zwei Wochen werde eines an die Berliner Wasserbetriebe geliefert, das wiegt 250 Tonnen. Alle Bauwerke sind Maßanfertigungen. Mit zwei Schwertransporten sind die Teile angeliefert worden. 40 Tonnen wiegt die Unterschale, 20 Tonnen das Gehäuse und fünf Tonnen die Deckplatte. „Verleimt“ wurden die Teile mit Polymerbeton aus dem Eimer, gemischt mit Epoxidharz. 100 Jahre Garantie gibt die Firma darauf. Eingehoben wurden die Teile mit einem 200-Tonnen-Mobilkran aus Michendorf. Dafür musste ein Extra-Schwerlaster mit 70 Tonnen Ballast-Gewicht hinterherfahren.

Restarbeiten bis zum Herbst

Bis zum Herbst laufen nun die restlichen Arbeiten. Je ein neuer Pumpen-, Armaturen- und Zulaufschacht werden gebaut, diverse Druckleitungen und Kabel verlegt und ein neuer Container aufgestellt, der die Steuerung des Pumpwerkes aufnimmt. Die Schächte werden umpflastert und das Gelände neu eingezäunt. Dann muss auch das provisorische Pumpwerk wieder ausgebaut werden, das derzeit den Abtransport des Mischwassers sichert. Alles zusammen hat das Projekt 600.000 Euro gekostet, sagt Brawag-Sprecherin Heike Beckmann.

Nächstes Jahr in der Upstallstraße

Im nächsten Jahr soll ein ebenso großes Pumpwerk in der Upstallstraße ausgetauscht werden. Dort ist so wenig Platz, dass der Kran wohl auf dem Nachbargrundstück stehen muss, die Brawag schreibt jetzt schon Briefe, um das nachbarschaftliche Einverständnis zu bekommen.

Von André Wirsing

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