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Brandenburg/Havel Langerwisch will es allen noch mal beweisen
Lokales Brandenburg/Havel Langerwisch will es allen noch mal beweisen
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16:29 14.08.2019
Norbert Langerwisch tritt für die Freien Wähler bei der Landtagswahl an. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Norbert Langerwisch macht, was er kann: „Mehr Polizisten müssen auf die Straße. Innere Sicherheit ist mein Thema. Es wird niemand bestreiten, dass die Brandenburger Polizei nicht optimal aufgestellt ist.“

Der vierstufige Oberbau mit Polizeiabteilung im Innenministerium, Präsidium, Polizeidirektionen und Inspektionen sei viel zu groß und zu schwerfällig, sagt der Polizeidirektor a.D.

Polizei bei Tag und Nacht

„Das wichtigste für mich ist die Schutzpolizei, die Tag und Nacht auf der Straße ist.“ Wenn er sehe, dass die amerikanischen Kollegen in El Paso (Texas) und Dayton (Ohio) innerhalb von Minuten am Ort der schweren Schießereien in der jüngsten Vergangenheit gewesen sind, kommen ihm leise Zweifel daran, ob es die deutschen Kollegen ähnlich schnell schaffen würden.

Das Polizei-Thema ist nicht das einzige, das ihn dazu treibt, mit 68 Jahren und großer kommunalpolitischer Erfahrung den direkten Sprung für die Freien Wähler in den Landtag zu wagen.

„Ich bin in dieser Stadt geboren, habe hier gelernt, bin hier zur Polizei gegangen. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens hier verbracht und bin stolz auf diese Stadt und ihre Entwicklung.“ Es werden voraussichtlich auch die letzten fünf Jahre seines politischen Engagements sein, die Zeit wolle er noch einmal nutzen.

Die Stadt besser vertreten

„Ich möchte Brandenburg an der Havel im Landtag besser vertreten, in den letzten 15 Jahren ist das aus meiner Sicht nicht besonders gut gelungen. Bleibt es bei der SPD, wird sich auch nichts ändern.“

Deutliche Seitenhiebe auf seine Ex-Genossen Ralf Holzschuher und Britta Kornmesser. 2016 hat Langerwisch mit anderen die Partei verlassen, nachdem ein über Monate geführter Telefon-Chat mit üblen Beleidigungen öffentlich wurde. Die Ausgetretenen kamen damit einem Rauswurf zuvor.

Hornochse im Chat

Heute wird Langerwisch bei dem Thema nachdenklich. „Ich war ein Hornochse. Wie kann man sich als erwachsener Mann zu so etwas hinreißen lassen?“ Mit der SPD insgesamt habe er nichts auszumachen, würde sogar mit ihr im Landtag zusammenarbeiten, wenn es passt. Allein zu einzelnen Personen werde es kein Vertrauen mehr geben.

„In Richtung Potsdam gibt es überhaupt keine Verletzungen, die sind allein hier vor Ort entstanden, wo es nur um Posten und Pöstchen geht.“ Riesigen Respekt hat Norbert Langerwisch vor Sozialdemokraten wie Alwin Ziel und Manfred Stolpe, „die waren immer loyal und Vorbilder, sie waren auch der Grund für mich, in die SPD zu gehen.“

Offiziell wurde er überredet

Er sagt zwar, dass er sich nicht mehr beweisen müsse, aber vielleicht treibt ihn auch an, es den Ex-Genossen noch einmal zeigen zu wollen. Offiziell sagt er: „Wir haben hin und her überlegt, wer es machen könnte. Bei 20 aktiven Mitgliedern ist die Auswahl auch nicht so groß, viele sind beruflich stark eingebunden.“

Erst als Landeschef Peter Vida, ihm ins Gesicht sagte, er soll nun kandidieren, habe er sich überreden lassen. Auf der Landesliste steht Langerwisch auf Platz 8. „Das ist zwar der beste unter den Brandenburger Kandidaten, aber bei weitem nicht der erfolgversprechendste.“

Seine Frau Ingrid sei nicht begeistert gewesen, von seinem neusten politischen Coup, nun in die Landespolitik aufsteigen zu wollen. Er habe ihr versprochen, nicht länger als fünf Jahre in den Landtag zu gehen. Danach stünden hoffnungsvolle junge Leute wie Niklas Stieger bereit. Es ist der Sohn von Dirk Stieger, der treibende Kraft hinter der Chat-Affäre gewesen sein soll.

Keine Direktiven aus Potsdam

Warum ausgerechnet die Freien Wähler? Schwächen diese als Sammelbecken von lokalen Initiativen, von Partikular-Interessen und kommunalem Kleinklein nicht das Parteiensystem und letztlich die Demokratie? Langerwisch widerspricht entschieden: „Definitiv nein. Wir sind jetzt vier Jahre da, noch nie hat es aus Potsdam eine Direktive gegeben, die vor Ort umzusetzen ist. Vielmehr lernen wir voneinander.“

Er müsse sich nicht mit dem Windkraft-Thema herumplagen, auch nicht mit Braunkohleausstieg oder Altanschließergebühren. Dafür gebe es Spezialisten im Bündnis. „Wir machen nicht immer alles richtig, aber es geht entschieden einfacher und direkter als bei der SPD.“

Erst verlacht, dann erfolgreich

Das übergreifende Thema des Abschaffens von Straßenausbaubeiträgen landesweit in allen Kommunen, das hätten die Freien Wähler allein geschafft, auch wenn am Ende noch die Fraktionen aufgesprungen seine, die anfangs Peter Vida im Landtag noch laut ausgelacht haben.

Hoffen auf Mut der Bürger

Er hoffe, dass die Freien Wähler bei der anstehenden Landtagswahl Fraktionsstatus erringen, ganz nach dem landesweiten Motto „Sechs Prozent für Liste 6“. Sein persönliches Leitmotiv lautet hingegen: „Mutige Bürger wählen uns. Hier in der Spitze der Stadtverwaltung fehlt es hingegen derzeit an Mut“, sagt er mit Blick auf Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU).

Das sei schade, schließlich hätten die Menschen hier in den vergangenen 30 Jahren Herausragendes geleistet, es sei vieles geschaffen worden im Wohnungsbau, am Hauptbahnhof oder am Klinikum beispielsweise.

Von André Wirsing

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