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Brandenburg/Havel Nun doch: Bauhaus-Stadtbad soll Museum werden
Lokales Brandenburg/Havel Nun doch: Bauhaus-Stadtbad soll Museum werden
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17:03 16.05.2019
Bleibt ein Ort mit Geschichte: Im alten Stadtbad wird sich in Zukunft alles um Vergangenes drehen. Quelle: Tobias Wagner
Brandenburg/H

Eine faustdicke Überraschung hatte am Mittwochabend der Fachbereichsleiter Kultur Tim Freudenberg in petto, als er mit einer Reihe Architekturexperten das alte Stadtbad am Messelplatz besuchte. Er sei, so Freudenberg, von Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) aufgefordert worden, den Umbau des Stadtbades zum Brandenburger Museum vorzubereiten.

Zum 1. Ortsgespräch 2019 besprachen Akteure aus der Denkmalpflege und Architektur den Zustand des Wohlfahrtszentrums.

Bereits vor fast drei Jahren war zwar schon einmal intensiv über die museale Nutzung dieses Teils des Wohlfahrtsforums diskutiert und geschrieben worden. Doch das Projekt geriet ins Stocken, nachdem mit dem Straßenbahndepot ein zweiter möglicher Standort ins Spiel gebracht wurde.

Baldiger Beginn der Vorbereitungen

Nun steht für die Stadtverwaltung fest: Vorbehaltlich der Zustimmung der neuen SVV soll in den nächsten Jahren aus dem Stadtbad das Brandenburger Stadtmuseum werden. „Wir gehen jetzt ganz intensiv in die Vorplanung und werden nach der Sommerpause den neuen Stadtverordneten die ersten Ideen vorlegen.“

Das Brandenburger Stadtbad galt bei seiner Eröffnung im Jahre 1930 als neues Wahrzeichen der Stadt, unzählige Havelstädter haben hier Schwimmen gelernt- Das prägnante Gebäude war innerhalb nur eines Jahres im damals modernen Bauhaus-Stil errichtet worden. Es fristet seit seiner Stilllegung im Februar 2000 ein trauriges Dasein.

Stadtbad mittlerweile eine Ruine

Leerstand, Vandalismus und zunehmender Verfall haben das Gebäude mittlerweile stark zugesetzt. Doch nun könnte dieses architektonische Kunstwerk und Denkmal als neuer Standort des Stadtmuseums wie Phönix aus der Asche steigen. „Es ist mittlerweile fünf nach zwölf für das alte Gebäude“, sagt Investor Florian Grotmann. „Nach dem jahrzehntelangen Verfall ist das Stadtbad eine Ruine, im Inneren muss man äußerst vorsichtig sein.“

Ursprünglich plante der Bauherr nachdem er das Gebäude von der Stadt gekauft hatte, einen Neubau des Bades mit 44 Wohnungen verschiedener Größen. Der Bau in vier Ebenen hätte 24 Wohnungen mit bis zu 130 Quadratmetern Größe vorgesehen.

„Das Wohnkonzept war durch die notwendigen Veränderungen am Gebäude von der Verwaltung nicht favorisiert, aufgrund der Dringlichkeit freundete sich diese jedoch mit den Plänen an.“ Dann kam alles anders: Grotmann bot der Stadt den Altbau samt Anbauten als Museumsstandort an.

Erste Planungsideen für Museumsstandort

Am Mittwoch präsentierte der Investor nun im Rahmen eines architektonischen Ortsgespräches erste Planungsideen des potentiellen zukünftigen Museumsstandortes. Gemeinsam mit Kulturmanager Tim Freudenberg und Katrin Witt vom Denkmalschutz besprach Grotmann vor etwa 40 Gästen im Stadtbad die Sanierung und kommende Nutzung des Gebäudes. Laut Skizze könnten die unteren Etagen demnach das Depot des Heimatmuseums der Stadt Brandenburg bilden, die oberen Etagen wären dann als Museumsräume nutzbar.

Dazu allerdings wird es wahrscheinlich nicht kommen. Die Bauexperten, die den Rundgang begleiteten, machten deutlich: Das alte Gebäude selbst ist das Museum, der Erhalt der alten Substanz stehe an erster Stelle. Man benötige auch „keine Heimatstube“, wie Freudenberg sagt.

Das Museum bedürfe einer klaren Ausrichtung: Denkbar sei es, dort die Industrialisierung und die Stadtentwicklung von Brandenburg an der Havel erlebbar und erkennbar zu machen. Ein Depot müsse nicht mit ins Stadtbad sondern könne wie anderswo auch, in einem modernen Zweckbau am Stadtrand kostengünstig gebaut werden.

Weitere öffentliche Angebote denkbar

Etwa 2500 Quadratmeter benötige man für die Museumsnutzung. Platz sei aber viel mehr da: Und daher könnten er und die Stadtspitze sich durchaus vorstellen, weitere öffentliche Nutzungen in dem Stadtbad unterzubringen. Denkbar sei der Umzug der städtischen Musikschule an den Messelplatz ebenso wie der Volkshochschule.

Die Vorbereitungen, die das Rathaus von der Bürgerschaft begleitet sehen will, würden Zeit brauchen. Der Umbau auch. Aber viel Zeit habe das Gebäude nicht mehr. Anders als von außen, befindet sich die Bausubstanz im Innern in einem üblen Zustand, der sich zunehmend verschlechtert.

Zeuge dessen wurden die Besucher des sogenannten Ortsgespräches. In der gemeinsamen Veranstaltungsreihe des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums, der Brandenburgischen Architektenkammer, der Brandenburgischen Ingenieurkammer und des Verbandes Beratender Ingenieure Berlin-Brandenburg werden jedes Jahr drei bis vier ausgewählte Objekte im Hinblick auf die Denkmalpflege vorgestellt und genauer betrachtet.

Führung durchs Gebäude

Beim ersten Termin des Jahres 2019 im Stadtbad durften die Gäste nicht nur das alte Schwimmbecken in Augenschein nehmen, sondern auch den Saunabereich, die über 80 Badewannen des integrierten Wannenbades und ganz Mutige trauten sich sogar in die stockfinsteren Gänge unter dem großen Schwimmbecken dieses Teils des Wohlfahrtszentrums.

Der mehrteilige Komplex besteht aus dem AOK-Verwaltungsgebäude in der Kanalstraße, in das Grotmann mit seinem Architekturbüro Artetectura einzog, einer Turnhalle sowie dem alten Stadtbad. An der Kanalstraße errichtet Grothmann derzeit einen Neubau mit Wohnungen und vollendet damit von der Kubatur her das in den 20er Jahren erdachte Ensemble.

Von Tobias Wagner und Benno Rougk

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