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Brandenburg/Havel Ohne Masterplan bleibt Kirchmöser zweite Wahl
Lokales Brandenburg/Havel Ohne Masterplan bleibt Kirchmöser zweite Wahl
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19:04 19.09.2018
Das tote Gleis zur nie realisierten Dihag-Gießerei weist auf die Probleme im Industriegebiet Kirchmöser-Süd.
Das tote Gleis zur nie realisierten Dihag-Gießerei weist auf die Probleme im Industriegebiet Kirchmöser-Süd. Quelle: Jürgen Lauterbach
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Kirchmöser

80 Millionen Euro Steuergelder sind im vergangenen Jahrzehnt in die Ertüchtigung der beiden Industriegebiete in Kirchmöser geflossen. Das viele Geld steht in keinem Verhältnis zur anschließend dürftigen Vermarktung. Das ist auch dem Gutachterinstitut nicht entgangen, das im Auftrag der IHK Potsdam das Wirtschaftsprofil von Brandenburg/Havel und deren Gewerbeflächen untersucht hat.

Die Gutachter des Hamburger Instituts Georg Consulting empfehlen der Stadt Brandenburg dringend einen Masterplan für das Industriegebiet Kirchmöser, das im Nordteil 108 Hektar und im Südteil 65 Hektar umfasst. Die Gutachter der IHK Potsdam führen die „geringe Vermarktungsdynamik“ im Falle Kirchmöser auf einen wesentlichen Standortnachteil zurück: die schlechte Erreichbarkeit.

Sieben kleine Verkäufe in zehn Jahren

„Eine leistungsstarke und attraktive Anbindung an die regionalen und überregionalen Verkehrsachsen, die für viele Zielgruppen zentrale Aspekte für die Standortwahl sind, gibt es nicht“, heißt es im 90-seitigen Gutachten. Im Zeitraum von zehn Jahren zwischen 2008 und 2017 habe es nur sieben Verkäufe gegeben mit einem Umfang von 2,3 Hektar.

Erschwerend zur schlechten Erreichbarkeit der beiden Industriegebiete in Kirchmöser komme hinzu, dass einige Flächen bewachsen sind und dadurch artenschutzrechtliche Auflagen greifen.

Der Untergrund ist in Teilbereichen zu weich, um Ansiedlungen zu ermöglichen. Aus diesem Grund war vor rund zehn Jahren bekanntlich die geplante Ansiedlung der Dihag-Gießerei gescheitert.

Noch viel Spielraum

Die Gutachter werfen die Frage auf, wie die Stadt das Industriegebiet Kirchmöser künftig positionieren will. Lapidare Feststellung: „Das aktuell quantitative Flächenangebot von 57,1 Hektar lässt dabei viel Spielraum für Ansiedlungen.

Im Rahmen eines Masterplans für das Industriegebiet Kirchmöser sollte geklärt werden, wie sich der Standort bis zum Jahr 2030 oder 2040 entwickeln könnte. Dabei stelle sich auch die Frage, wie Kirchmöser als Bahnstandort im Wettbewerb mit dem künftigen Bahntechnologie-Campus in Elstal (Landkreis Havelland) eine Rolle spielen kann.

Als Erster reagiert der SPD-Landtagsabgeordnete Ralf Holzschuher auf die Anregungen, denen sich IHK-Hauptgeschäftsführer Mario Tobias anschließt. Holzschuher: „Die neue Studie der IHK bestätigt noch einmal: Das Industriegebiet Kirchmöser braucht die Anbindung an die A2, um aus seinem Dornröschenschlaf zu erwachen.“

Im Landesinteresse

Vor Jahren sei es richtig gewesen, die Priorität auf den Ausbau der B 102 um Schmerzke zu legen. Doch nun sei es an der Zeit, auch für Kirchmöser einen direkten Autobahnzubringer zu schaffen, greift der Politiker die Überlegung der Gutachter auf, das von der Landesregierung beerdigte Projekt B 102n, also Verbindung zur Autobahn, neu zu bewerten.

„Die Erschließung dieser großen ungenutzten Industrie- und Gewerbeflächen ist auch im Landesinteresse“, urteilt Holzschuher. Das Projekt müsse in die Landesplanung aufgenommen und dann mittelfristig realisiert werden.“

Der Landtagsabgeordnete kündigt an, mit Infrastrukturministerin Schneider zu reden, „damit es hier vorangeht“.

Von Jürgen Lauterbach