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Brandenburg/Havel Berlin bootet Brandenburg aus
Lokales Brandenburg/Havel Berlin bootet Brandenburg aus
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01:04 22.02.2018
Die Regattastrecke auf dem Beetzsee ist Gastgeber vieler internationaler Meisterschaften. Quelle: Marcus Alert
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Brandenburg an der Havel

In den Terminkalendern von Hartmut Duif und Karsten Finger steht für Dienstagabend ein Treffen im Potsdamer Seminaris Hotel. Die Chefs der Landesruderverbände (LRV) Brandenburg und Berlin kommen jährlich zum Erfahrungsaustausch zusammen. Am Dienstag wird es allerdings nicht nur um gemeinsame Schulungsmaßnahmen gehen, sondern auch um die gegenseitige Konkurrenz bei den möglichen Olympischen Spielen in Berlin 2024 oder 2028.

Bislang war für die Kanu- und Ruderwettbewerbe der Beetzsee in Brandenburg/Havel vorgesehen. Nun hat sich allerdings der Berliner Ruderverband ins Spiel gebracht: Auf dem Flughafengelände Tegel könnte eine 2400 Meter lange und 200 Meter breite Regattastrecke gebaut werden.

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Beetzsee die modernste Regattastrecke in Deutschland

Hartmut Duif reagierte verwundert über diese Pläne: „Ich habe da ein bisschen Unverständnis, denn 70 Kilometer von Berlin entfernt existiert eine Regattastrecke, die international tauglich ist, sowohl im Ruder- als auch im Kanusport.“ Er sieht keine Notwendigkeit für einen millionenschweren Neubau, „die Anlage auf dem Beetzsee ist die derzeit modernste Regattastrecke in Deutschland“.

Wenn Olympia in Berlin: Regatta-Wettbewerbe in Tegel oder auf dem Beetzsee?

Kommen die Olympischen Sommerspiele 2024 oder 2028 nach Berlin, hätte auch Brandenburg etwas davon: Ursprünglich war geplant, die Regatta-Wettbewerbe auf dem Beetzsee in Brandenburg an der Havel zu starten. Doch jetzt kommt der Berliner Ruderverband mit einer neuen Idee und will Brandenburg im wahrsten Sinne des Wortes ausbooten. Auf dem Flughafengelände Tegel könnte eine 2400 Meter lange und 200 Meter breite Regattastrecke gebaut werden. Das könnte zwischen 35 und 55 Millionen Euro kosten, während am Beetzsee im 70 km entfernten Brandenburg die modernste Regattastrecke Deutschlands steht. mehr >

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Zwei Argumente für Tegel

Die MAZ berichtete schon 2011 von den Plänen für eine Strecke auf dem Flughafengelände. Damals stand allerdings eine Berliner Olympiabewerbung noch nicht so konkret im Raum. Ob die Hauptstadt oder Hamburg den Zuschlag für eine Bewerbung bekommt, soll 2015 entschieden werden. „Das Konzept existierte schon 2011 auf dem Reißbrett und tauchte von Seiten des Senats gar nicht mehr auf. Das hat uns verwundert und auch ein bisschen enttäuscht“, sagt LRV-Berlin-Chef Finger. „Uns hat das Projekt ,Spiele in der Stadt’ interessiert. Und wenn der Senat dort auch noch ein Olympisches Dorf plant, was wäre dann schöner, als wenn eine Wettkampfstrecke gleich dabei wäre?“, zählt er die Vorteile auf. Der Potsdamer Ingenieur Ludwig Obermeyer, der die Tegel-Pläne entwickelt hat, sieht das ähnlich. „Es gibt zwei Argumente, die für Tegel sprechen: Die Nähe und die geringe Windanfälligkeit“, sagt er. Auf dem Flughafen würde die Strecke in der üblichen Windrichtung (West-Ost) liegen, auf dem Beetzsee kann er von der Seite kommen.

Das kann beim Rudern und Kanu entscheidend sein. „Wir wissen, dass der Wind in Brandenburg ein bisschen problematisch sein könnte, aber auf welcher Anlage gibt es diese Schwierigkeiten nicht?“, fragt Duif. Zudem könnten auf dem Beetzsee schwimmende Tribünen und Pontons mit Segeln aufgebaut werden, die den Wind abhalten würden, sagt er.

Kosten in Tegel zwischen 35 und 55 Millionen Euro

Und selbst für Finger hat der Beetzsee einen riesigen Vorteil: die geringen Kosten. „Ich bin natürlich Realist. Unterm Strich wird man in Tegel keine Nachnutzung hinbekommen, die letztlich die Baukosten amortisiert“, sagt er. Zwischen 35 und 55 Millionen Euro soll der Neubau kosten.

Deshalb will er die Pläne auch nicht als Angriff werten. „Ich kann auch mit einer Strecke in Brandenburg leben, auch wenn sie sicherlich für den Sportler nicht optimal ist“, so Finger. Das Verhältnis zwischen beiden Verbänden sei „gut“, erzählt Duif. Dienstagabend können die beiden Ruderverbands-Chefs dafür sorgen, dass es so bleibt.

Kommentar von Stephan Henke

Wirtschaftlich unsinnig

Nachhaltig sollen die Olympischen Spiele in Berlin werden, falls die Hauptstadt den Zuschlag bekommt. Und zu nachhaltigen Spielen passt keine neue Regattastrecke für bis zu 55 Millionen Euro. Manche Experten schätzen sogar das Dreifache an Kosten. Das wäre wirtschaftlich völlig unsinnig, vor allem wenn in unmittelbarer Umgebung am Brandenburger Beetzsee die modernste Regattastrecke Deutschlands steht. Sie hat sich bei vielen internationalen Wettbewerben absolut bewährt. Erst im Sommer fand dort die Kanu-EM statt, in zwei Jahren sind Europas beste Ruderer zu Gast. Würde die Tegel-Strecke gebaut, würden sich künftig die zwei modernen Anlagen um solche internationalen Wettbewerbe balgen. So wäre es noch schwieriger, die Kosten für Berlin einzufahren – das wäre wirtschaftlich nicht zu verantworten.
Sportlich spielt der Wind natürlich eine entscheidende Rolle. Doch ob er an einem Wettkampftag 2024 oder 2028 in Brandenburg oder in Berlin günstiger steht – wer weiß das heute schon?

Von Stephan Henke

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