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Brandenburg/Havel Pflegerin muss nicht für Ehemann büßen
Lokales Brandenburg/Havel Pflegerin muss nicht für Ehemann büßen
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11:55 03.03.2015
Quelle: dpa
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Brandenburg an der Havel

Das Arbeitsverhältnis der jungen Gesundheits- und Krankenpflegerin sollte am 30. September 2014 enden. Doch sechs Wochen vor Vertragsende kündigte der Arbeitgeber seiner Mitarbeiterin fristlos, was ihr Rechtsanwalt Simon Daniel Schmedes bei noch 15 Urlaubstagen von 30 Arbeitstagen als „überzogen und menschenverachtend“ beurteilt.

Das Städtische Klinikum begründete die vorzeitige Kündigung so kurz vor Vertragsende mit zwei Sachverhalten. Wenige Tage vor Ausspruch der Kündigung hatte der vorgesetzte Stationsleiter eine Foto-Mitteilung auf seiner Facebook-Seite vorgefunden. Zu lesen war der Spruch: „Immer daran denken! Die, die dich fallen sehen wollen, sind die, die mit ihrer Fresse schon längst im Dreck liegen!“ Davon habe sich der Stationsleiter stark angegriffen gefühlt, ein krasses Fehlverhalten, sagt Klinikum-Personalchef Bert Stresow vor Gericht.

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Für die Gegenseite weist Anwalt Schmedes darauf hin, dass seine Mandantin die Nachricht gar nicht gesendet habe. Vielmehr habe ihr Ehemann „überreagiert“, weil er gesehen habe, „wie seine Frau leidet“. Als die betreffende Krankenschwester vom Fehltritt ihres Gatten erfahren habe, sei sie vor Scham im Boden versunken und habe sich umgehend beim Stationsleiter entschuldigt – eine Version der Geschichte, die Stresow nicht glaubt.

Als zweiten Kündigungsgrund führte er den erschütterten Beweiswert bezogen auf eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung der Krankenschwester an. Sie habe vorher angekündigt, krank zu machen, weil sie an dem Tag auf einer anderen Station arbeiten sollte.

Anwalt Schmedes widerspricht erneut und verweist darauf, dass nach den Regeln des Klinikums am ersten Krankheitstag keine Bescheinigung gefordert sei, weil es sogenannte KO-Tage (KO=Krank ohne Krankenschein) gebe.

„Ehefrauen haften nicht für ihre Männer“ sagte die vorsitzende Richterin Müller-Land und fügte hinzu, dass das gleiche auch umgekehrt gelte. Sie unterstellt, dass die Arbeitnehmerin die hässliche Nachricht an den Stationsleiter nicht selbst geschickt hat.

Ausschlaggebende Gründe dafür, dass die Kammer der Klägerin voll umfänglich recht gegeben hat und ihr die geforderten Gehalts- und Urlaubsansprüche zusprach, sind: 1. Der Arbeitgeber habe sie vorher nicht, was erforderlich gewesen wäre, abgemahnt. 2. Das Arbeitsverhältnis hätte ohnehin nur noch kurze Zeit angedauert.

Von Jürgen Lauterbach

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