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Brandenburg/Havel Polizei ermittelt gegen Tatverdächtigen
Lokales Brandenburg/Havel Polizei ermittelt gegen Tatverdächtigen
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17:05 05.01.2018
Feuerwehrleute vor dem Mietshaus in Damsdorf, in dem es in der Nacht zu Donnerstag gebrannt hat.
Feuerwehrleute vor dem Mietshaus in Damsdorf, in dem es in der Nacht zu Donnerstag gebrannt hat. Quelle: Julian Stähle
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Damsdorf

Die Polizei hat im Fall der Serie von offenbar vorsätzlichen Brandstiftungen in Damsdorf nach Hinweisen einen Tatverdächtigen ermittelt. Das teilte Polizeisprecherin Juliane Mutschischk am Freitag auf MAZ-Anfrage mit. „Wir können keine Details zur Person bekannt geben, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.“ Der Tatverdächtige befindet sich weiterhin auf freiem Fuß. „Es gab keine Festnahme“, so Juliane Mutschischk. Die Kripo ermittelte auf Hochtouren, zudem seien seit Dezember vermehrt Polizeistreifen in Damsdorf unterwegs.

Derweil liegen die Nerven vieler Damsdorfer nach der Serie von sieben Brandstiftungen binnen weniger Wochen blank. Allein vier Mal hat es mittlerweile nachts in zwei Mehrfamilienhäusern in der Göhlsdorfer Straße gebrannt. Zuletzt zündete der Täter einen Kellerraum in einem Gebäude an mit 18 Wohnungen. In dem Haus leben auch Familien mit Kindern.

Das Damsdorfer Brandhaus in der Göhlsdorfer Straße. Quelle: Marion von Imhoff

Vorsätzliche Brandstiftung zählt zu den Delikten der Schwerkriminalität. Eine Brandstiftung, bei der ein Täter ein Wohngebäude ansteckt, gilt als Verbrechen und wird mit Gefängnis nicht unter einem Jahr bestraft. Geraten dabei Menschen in Lebensgefahr wandert der Täter sogar für mindestens fünf Jahre hinter Gitter. Weil Feuer unberechenbar und die gesetzte Gefahr nicht mehr kontrollierbar ist, gilt die Tat als gemeingefährlich.

„Wir sind hier alle in Angst“, sagt ein Anwohner. Mindestens eine Familie denkt daran wegzuziehen. Nach jeder Brandstiftung konnten sich bisher alle Anwohner rechtzeitig ins Freie retten. Ein Nachbar soll sie herausgeklingelt haben.

Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner lebt in Damsdorf. „Es ist sehr besorgniserregend, jeder muss hier mit dem Risiko leben, dass er, seine Familie und seine Sachgüter zu Schaden kommen könnten“, sagt er. „Wer kann sagen, dass der Täter nicht auch weiter und an anderen Orten Brandstiftungen verübt“, so der gelernte Polizist. „Für die Betroffenen ist die Belastung enorm.“ Bei jedem Alarm seien auch die Männer der Freiwilligen Feuerwehr hoch angespannt, weil sie befürchten müssten, im schlimmsten Fall ein Haus in Vollbrand vorzufinden, so Brückner. „Das ist eine extreme Einsatzbelastung.“ In der Göhlsdorfer Straße brodelt derweil die Gerüchteküche.

Das Mietshaus, in dem in der Nacht zu Donnerstag ein Kellerverschlag brannte, liegt gegenüber der Kita. Es sticht heraus mit seiner hellgelben Fassade. Das Gebäude riecht nach Ruß. Im Treppenhaus mischt sich dieser Geruch mit dem von Waschmittel aus der Gemeinschaftswaschküche. Im Keller stehen schwarz verqualmte Kinderräder. Ein polizeiliches Siegel an einer Kellertür wurde beschädigt. Das Haus mit adrett arrangierten Gardinen macht einen gepflegten Eindruck, Nachbarblöcke sind nicht so saniert. Es gelten strenge Regeln: In jedem Aufgang prangt das Schild: „Rauchverbot im gesamten Gebäude.“ Am Tag nach dem Feuer versuchen die Bewohner, irgendwie wieder in eine Normalität zu finden.

Von Marion von Imhoff