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Brandenburg/Havel Preisexplosion beim Schulessen sorgt noch immer für Ärger
Lokales Brandenburg/Havel Preisexplosion beim Schulessen sorgt noch immer für Ärger
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12:01 04.02.2020
Schüler beim Mittagessen. Quelle: Franziska Kraufmann/dpa
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Brandenburg/H

Nach wie vor sorgt das neue Essensangebot für Ärger in Brandenburgs Schulen. „Zu teuer und zu kleine Portionen“, bemängeln Eltern und Lehrer, wie die MAZ kürzlich berichtete. Auf der MAZ-Facebookseite häuften sich im Anschluss die Kommentare. Auch der Geschmack und das Bestellsystem sorgen derweil für Unmut. „Mit dem Anbieterwechsel hat sich die Stadt keinen Gefallen getan. Die Kinder meckern nur“, heißt es zusammengefasst von einem Vater.

Angesichts dieser Unzufriedenheit beschäftigte der Anbieterwechsel in der vergangenen Woche auch die Stadtverordnetenversammlung. Die Fraktion Die Linke hatte zur Schulspeisung diverse Fragen gestellt. Hintergrund des Ärgers ist, dass bei der diesjährigen Ausschreibung zwei Firmen den bisherigen Lieferanten „Top Catering“ ablösten. Vier Einrichtungen werden nun von „Menüpartner“ beliefert.

Hohe Ansprüche sorgen für einen hohen Preis

Die Leipziger Firma RWS Cateringservice hat derweil die Ausschreibung für acht städtische Grundschulen, zwei Förderschulen und vier Oberschulen gewonnen. Sie gerät vorrangig in die Kritik. Denn an den Oberschulen, der Pestalozzi- sowie der Havelschule wird für das Mittagessen am meisten fällig. 4,93 Euro kostet das Gericht in der Primär-, 5,03 Euro in der Sekundarstufe.

Dieser hohe Preis, erläutert Viola Cohnen, Fachbereichsleitung Organisation, Personal, Schule und Sport, auf die Anfrage, resultiert auch aus der Qualität, die von den Schulen gewünscht wurde. „Hier waren unter anderem Merkmale wie regionale und saisonale Produkte, Bioprodukte, glutenhaltige Getreide, Fisch, Diät- oder Allergikeressen Bestandteil“, sagt Cohnen. Oder wie es Oberbürgermeister Steffen Scheller in der SVV ausdrückte: Es wurden die höchsten Ansprüche angemeldet.

Neben den qualitativen haben noch andere Faktoren Einfluss auf den Abnahmepreis, führt Cohnen aus. Dazu zählen die Anzahl der Portionen, die Erhöhung der Betriebskosten, die Lebensmittelpreise und der gestiegene Mindestlohn. Diese Elemente der Preisgestaltung finden sich auch in einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zur Schulverpflegung wieder. Der Tenor dort: „Aus der Literatur ist bekannt, dass viele Eltern die Kosten der Schulverpflegung unterschätzen und nicht selten nur die Wareneinstandskosten wahrnehmen“. Das passiert auch, weil Schulträger das Essen häufig bezuschussen und eine Diskrepanz zum wirklichen Preis entsteht.

333 Esser weniger

Die DEG gibt daher die Empfehlung aus: „Um eine Preisakzeptanz zu schaffen, ist es sinnvoll, die Kalkulation transparent zu machen und auch darzulegen, was zum Beispiel das Angebot von Bio-Lebensmitteln kostet“. Dieser Handlungsbedarf scheint in Brandenburg zwingend nötig. Denn die Anzahl der Essensteilnehmer ist in den meisten Schulen im Vergleich zum Vorjahr deutlich geschrumpft. Während 2019 im Schnitt 1 289 Schüler und Lehrer Mittag bestellten, sind es zu Beginn des Jahres 2020 nur noch 956 Teilnehmer. Das sind 333 weniger.

Für Christina Behrendt, Leiterin der Havelschule, ist diese Entwicklung nicht nur im Sinne einer gesunden Ernährung kritisch. „Das gemeinsame Mittagessen ist ein ganz wichtiger Punkt in der Schularbeit“, äußerte sie auf der SVV.

„Erfahrungsgemäß beobachten die Eltern zu Beginn eines Wechsels, welche Angebote der neue Anbieter präsentiert und wie schmackhaft das Essen ist“, kommentiert Fachbereichsleiterin Cohnen den Trend. „Die Anzahl der Essensteilnehmer war zu Beginn des Vertrages mit dem vorherigen Versorger auch geringer. Ein Anstieg konnte erst zu einem späteren Zeitpunkt erzielt werden.“

Vertrag ist bindend bis 2022

Die aktuelle Situation und die Beschwerden würden jedoch ernst genommen. „Mit den Essensanbietern erfolgt ein ständiger Austausch. Beide Versorger nehmen die Hinweise und Anregungen auf und setzen diese – soweit umsetzbar – um“, sagt sie. Außerdem würden die Anbieter sich beim Tag der offenen Tür in den Schulen vorstellen und hätten auch schon ihre Teilnahme an den Schulkonferenzen zugesichert.

„Ziel dieser Gespräche ist natürlich die Gewährleistung einer qualitativ ansprechenden Mittagsversorgung in unseren Schulen“, betont Cohnen. Am Vertrag mit den Caterern ist jedoch nichts zu machen, gibt sie Auskunft. „Er ist bindend. Die Möglichkeit einer Nachjustierung des Vertrages für die Schülerspeisen- und Trinkmilchversorgung für die Jahre 2020 bis 2022 besteht nicht.“

Von Antje Preuschoff

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