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Brandenburg/Havel Der Havelradweg: So idyllisch ist die Tour von Brandenburg nach Werder
Lokales Brandenburg/Havel Der Havelradweg: So idyllisch ist die Tour von Brandenburg nach Werder
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10:52 01.10.2019
Immer entlang dem blauen Band der Havel: Der Havelradweg verbindet auf 40 Kilometern Länge die Städte Brandenburg und Werder. Quelle: Tobias Wagner
Brandenburg/H

Zubetonierte Großparkplätze, überfüllte Strandbäder und der fetttriefende Mief des Imbisses von Gegenüber – um dem urbanen Stress mit all seiner Hektik zu entfliehen, hilft manchmal nur noch die Flucht in die Natur.

Um dieser so nah wie möglich zu sein und trotzdem möglichst viel zu sehen, empfiehlt sich dem Flüchtenden vor allem eines: der Ritt auf dem Drahtesel. Immerhin existieren im Land Brandenburg insgesamt 7000 Kilometer ausgebauter Radwege.

371 Kilometer Fahrradweg

Einer von ihnen ist der Havelradweg, der auf einer Länge von 371 Kilometern die Havelquelle südlich des mecklenburgischen Ankershagen mit der Havelmündung in die Elbe in Gnevsdorf im Landkreis Prignitz verbindet und durch die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt verläuft. Er gehört zu den jüngsten der großen Flussradwege der Republik. Erst vor vier Jahren durchgehend markiert, folgt der Havelradweg dem weiten Halbkreis, den die Havel von der Müritz bis zur Mündung bei Havelberg macht.

Mit dem Rad entlang der landschaftlich reizvollen Strecke an der Havel.

Wem 371 Kilometer für einen Ausflug jedoch zu lang sind, dem empfiehlt die MAZ den Streckenabschnitt zwischen Brandenburg an der Havel und Werder. Auf insgesamt rund 40 Kilometern finden sich hier verträumte Seen, teils unangetastete Natur und das stets präsente blaue Band der Havel.

Weiterlesen: Das sind Brandenburgs schönste Badeseen

Start in Brandenburg/Havel

Für Radler, die nicht in der Nähe wohnen, bietet sich die Anreise mit dem Zug an, denn sowohl der Hauptbahnhof in Brandenburg an der Havel als auch der Bahnhof in Werder liegen an der Bahnstrecke Berlin-Magdeburg. Nach dem Start am Hauptbahnhof der Havelstadt führt die Strecke zuerst entlang der B1 nach Westen in Richtung Schmerzke.

Der Radweg ist dabei auf der gesamten Länge stets gut ausgeschildert und erkennbar an dem quadratischen, dunkelblauen Schild mit dem orangefarbenen Fahrrad und einem hellblauen geschwungenen Band.

Die Karte zeigt die im Text beschriebenen Stopps. Quelle: google maps

Aufgrund des Straßenlärms der Bundesstraße lässt die Stille der Natur hier noch etwas auf sich warten. Dies ändert sich jedoch ab Gollwitz, rund sieben Kilometer westlich der Havelstadt gelegen. Hier befindet sich zudem die einzige direkt an der Strecke befindliche Pension, die sich auf die Belange der Radfahrer spezialisiert hat.

In der „HavelRADstätte“ an der Schlossallee, geführt von Andras Heldt, lassen sich nicht nur kurzfristig Zimmer buchen, sondern der Inhaber hilft auch gerne bei Problemen wie einem platten Reifen mit Flickzeug aus. Dass Brandenburg wie kein anderes Land in den Ausbau des Radwegenetzes investiert hat, macht sich bereits hier bemerkbar. „Als ich mich letzten Herrentag mit einem Grill vor die Pension gesetzt habe, kamen hier rund 700 Radfahrer vorbei“, so Heldt.

Gleich in der Nähe befindet sich zudem die spätgotische Dorfkirche sowie das Schloss Gollwitz, welches in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde und sich bis 1946 im Privatbesitz der Familie von Rochow befand. Seit 2009 beherbergt das Gebäude eineBegegnungsstätte für jüdische und nichtjüdische Menschen. Tipp: Besonders der Schlosspark lädt zu einer kleinen Verschnaufpause ein.

Grüßen ist Pflicht

Ab Gollwitz beginnt der wohl schönste Abschnitt der Tour. Auf dem eigens für Radler ausgebauten Haveldamm kommt man dem Fluss ganz nah. Der Belag ist durchweg gut, und so trifft man auf der Strecke, die sowohl für ungeübte als auch erfahrene Radfahrer geeignet ist, kleinere und größere Ausflugsgruppen. Alle paar Meter zieht ein Mountainbiker oder gar Inlineskater vorbei.

Vom nach Luft schnappenden Hobby-Biker bis zum Musterathleten in hautenger Kluft mit stromlinienförmigen Helm - ist man auf dem Rad unterwegs, egal welchen Typs, dann zeigt ein leises „Hallo“ oder ein leichtes Nicken im Vorbeifahren die geteilte Erfahrung des Gefühls von Freiheit.

Entsprechend grüßend und nickend zieht man vorbei an schwer beladenen, havelaufwärts ziehenden Frachtern, grazilen Segelbooten und klotzigen Hausbooten auf der linken Seite, und sich bis zum Horizont erstreckende Wiesen mit grasenden Pferden, rastenden Störchen, Reihern und Dammwild auf der rechten Wegseite.

Die höchste Erhebung der Strecke

Nach rund 14 Kilometern trifft der Radler dann auf die erste und einzige fordernde Anhöhe der Strecke: nördlich von Groß Kreutz, inmitten des Landschaftsschutzgebietes der Brandenburger Osthavelniederung, ist der Götzer Berg mit 108,6 Metern die höchste Erhebung der Gegend.

Hier steht seit 2012 ein 42 Meter hoher Aussichtsturm. Obwohl die Auffahrt auf einem Plattenweg etwas beschwerlich ist, wird der Ausflügler bei gutem Wetter nach dem Erklimmen der 144 Stufen mit einer grandiosen Rundum- und Weitsicht über das Havelland belohnt.

Vorbei an den Deetzer Erdelöchern

Nach dem Abstieg und bei der Weiterfahrt nach Werder taucht man daraufhin in ein unübersichtliches Netz von Altarmen der Havel ein, zwischen denen die Deetzer Erdelöcher liegen, alte Tongruben, aus denen bis 1963 Ton für die umliegenden Ziegeleien abgebaut wurde. Heute sind sie voll Wasser gelaufen und sowohl beliebte Angel- als auch Badegewässer.

Folgt man jedoch der bisher verlässlichen Bitumenbahn, auf der man dahinrollt, dann erreicht man nach rund 18 Kilometern, etwa der Hälfte der Strecke, das Havelstübchen in Deetz. Das Ausflugslokal bietet hungrigen Radfahrern Kuchen für den kleinen Hunger und eine rollende Speisekarte für den großen Hunger.

Die Karte wird täglich frisch gekocht. Ganz besonders zu empfehlen ist die hausgemachte Limonade, die man am besten unter der Weide im Hof genießt. Hier kommt man in gemütlicher Atmosphäre schnell mit anderen Zweiradfreunden ins Gespräch.

Menschenleere Strände

15 Minuten Radfahrzeit vom Havelstübchen entfernt, vorbei an der Bauschuttdeponie Deetz und durch himmelweite Getreidefelder hindurch, führt der Havelradweg an den Trebelsee nördlich von Groß Kreutz. An den teilweise menschenleeren Stränden kann man ungestört baden und bei Bedarf auch ein Lager für die Nacht aufschlagen.

Die nächsten 13 Kilometer führt der Haveldeich vorbei an der Fähre nach Ketzin, zurück an die Havel in Phöben. Die ehemals selbstständige Gemeinde ist seit der Eingemeindung in die Stadt am 31. Dezember 2001 ein Ortsteil von Werder und kündigt sich schon von weitem mit ihrem charakteristischen A-Turm an. Diese Türme der Deutschen Post der DDR wurden Ende der 1950er Jahre erbaut und dienten der Sicherstellung der Nachrichtenverbindungen im Spannungsfall.

In Phöben, zehn Kilometer und somit kurz vor dem Ziel Werder, kann sich der Radfahrer im Fischergarten an der Hauptstraße mit einem frischen Fischbrötchen und einen fabelhaften Blick auf die Havel belohnen. Für einen Unkostenbeitrag von 1 Euro darf man hier zudem seine Trinkwasservorräte auffüllen.

Ankunft im Zielort Werder

Der Ausblick sollte genossen werden, denn auf den letzten Kilometern ist es dann vorbei mit der Natur. Die Ausläufer der Stadt Werder mit ihren Einkaufszentren, Spielhallen sowie Ein- und Mehrfamilienhäusern begrüßen den Ausflügler bei der Ankunft im staatlich anerkannten Erholungsort, der vor allem durch das frühjährliche Baumblütenfest bekannt ist, eines der größten Volksfeste Deutschlands.

Doch der Weg zum Bahnhof ist nicht weit. Zudem ermöglicht die halbstündige Zugverbindung einen schnellen Weg zurück nach Brandenburg an der Havel. Hat der Radfahrer sein Gefährt erst einmal im entsprechenden Abteil untergebracht hat, kann er sich entspannt zurücklehnen, während vorm Fenster ebenjene Landschaft vorbeizieht, die er ein paar Stunden zuvor noch radelnd durchquerte. Und in die er sich, zwischen all die Pendler gequetscht, in diesem Moment so sehr zurücksehnt.

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Von Tobias Wagner

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