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Brandenburg/Havel Rathaus Kirchmöser wird Villa für zwölf Familien
Lokales Brandenburg/Havel Rathaus Kirchmöser wird Villa für zwölf Familien
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12:38 02.07.2019
René Große hat das alte Rathaus in Kirchmöser umgebaut, saniert und darin zwölf Wohnungen geschaffen. Quelle: JACQUELINE STEINER
Kirchmöser

Wer in diesen Tagen das ehemalige Rathaus von Kirchmöser betritt und seinen Blick schweifen lässt, erkennt vieles wieder. Andererseits hat sich mindestens ebenso viel verändert. Urheber der sanften Verwandlung ist René Große.

René Große aus Wusterwitz hat das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1924 saniert, vorsichtig umgebaut und mit modernem Komfort wohnlich gemacht.

Der Unternehmer aus Wusterwitz hatte das stattliche, denkmalgeschützte Haus der Weimarer Zeit vor etwa vier Jahren gekauft. Mit hohem Aufwand und reichlich Liebe zum Detail hat er das einst öffentliche Gebäude in der Rathausstraße 14 umgebaut zu einem Wohnhaus, in dem Familien ebenso glücklich werden können wie Alleinstehende.

Mit schönen alten Dingen kennt René Große sich aus. Beruflich bereitet er mit seinem Team in Wusterwitz kostbare Oldtimer-Fahrzeuge auf, repariert sie oder baut sie nach.

Liebe zum Erhalt

Seine Erfahrungen im Umgang mit in die Jahre gekommenen Schönheiten war im Nachbarort Kirchmöser sehr hilfreich. Denn ohne Liebe zum Erhalt kommt man weder bei alten Autos noch bei alten Häusern sehr weit.

Für den Aufwand, den Oldtimer aus Blech und aus Stein verlangen, gilt gleichermaßen: „Ein Drittel sieht man, zwei Drittel kommen hinzu während der Arbeit am Objekt“, berichtet der Hauseigentümer. In seinem Heimatort hatte er sich schon einmal an ein historisches Gebäude gewagt, die Villa Daheim.

Handwerkliche Herausforderung

Verborgene, angefaulte Balken, auf die er während der Sanierung gestoßen ist, haben René Große daher so wenig erschreckt wie die mehrfach mit DDR-Linoleum überklebten Dielen, die freigelegt und neu geölt werden mussten.

„Ich habe diese Dinge als handwerkliche Herausforderung angenommen“, erzählt der gelernte auf Karosserien spezialisierte Kfz-Mechaniker.

Das Treppenhaus mit den bleiverglasten Fenstern. Quelle: JACQUELINE STEINER

René Große hat die Grundrisse im Haus massiv verändert, sie zu Wohnzwecken „angenehm modern gestaltet, ohne den Charakter des alten Rathauses zu beeinträchtigen, das in früheren Jahrzehnten öffentlich war, aber auch schon privat genutzte Wohnungen beherbergte.

In konstruktiver und freundlicher Abstimmung mit der städtischen Denkmalschützerin Anja Castens hat der Hausherr die Besonderheiten des Rathauses bewahrt, dessen Grundstein am 1. November 1924 gelegt worden war.

Zu den Schmuckstücken des repräsentativen Gebäudes, das zu DDR-Zeiten ein graues Aschenputtel-Dasein fristete, gehört das Treppenhaus mit dem schmiedeeisernen Geländer un den bleiverglasten Fenstern.

Wohnungen barrierearm

Zwölf barrierearme Mietwohnungen hat der Eigentümer in den zurückliegenden Jahren geschaffen mit Größen zwischen 40 und 92 Quadratmetern. Zehn davon sind bereits vermietet, die beiden anderen sind fast fertig gebaut. Alle Geschosse sind mit dem neu eingebauten Fahrstuhl zu erreichen.

Hinter den massiven Holztüren hat der Eigentümer für seine Mieter zeitgemäße Grundrisse geschaffen, moderne Bäder, ebenerdige Duschen, teilweise auch Fußbodenheizungen. Nicht jede alte Tür führt in ein Wohnreich.

Selbst angepackt

René Große hat alte Türen eingepasst, die keinem anderen Zweck dienen, als den ursprünglichen Zustand zu bewahren. Sie sind Attrappen, gleich dahinter ist Wand. Damit diese Dummys täuschend gut aussehen, war ästhetisches und handwerkliches Geschick gefragt.

Der Eigentümer hat nicht nur bauen lassen, sondern auch selbst mit angepackt. „Den zerstörten Fries zu ergänzen und die Malerei im genau richtigen Farbton per Hand zu wiederherzustellen, damit habe ich so manchen Samstagnachmittag verbracht“, erzählt er mit einem Augenzwinkern.

Im Oktober 2008 fand eine der letzten standesamtlichen Eheschließungen im Saal des Rathauses von Kirchmöser statt. Quelle: Privat

Noch keine endgültige Verwendung hat René Große gefunden für den Ratsaal im Erdgeschoss. Dort fällt der Blick auf drei repräsentative Fenster mit eingearbeiteten Zunftzeichen.

Der Bedeutung des Saales mit einigen originalen Einrichtungsgegenständen ist sich der Eigentümer bewusst, wenn er sagt: „Jeder Dritte aus Kirchmöser hat dort geheiratet.“

Während die Frontseite des Rathauses wohl bekannt ist und sich manch einer auch noch an die Sparkasse dort erinnert, dürften längst nicht jeder wissen, wie es hinterm Haus aussieht. Formidabel. Im Hinterhof blüht ein herrschaftlich anmutender Garten mit schicken Sitzecken für die Mieter.

Bau war Ergebnis des Wirtschaftsaufschwungs in Kirchmöser

Kirchmöser entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg wirtschaftlich rasant. Die Einwohnerzahl stieg. Die damaligen Politiker wollten dieser Entwicklung mit einem repräsentativen Rathaus Rechnung tragen.

Die Pläne für das Rathaus im neobarocken Stil hieß Rehning. Am 1. November 1924 war Baubeginn. Am 19. Dezember 1925 tagte erstmals der Gemeinderat im neuen Gebäude.

Seit dem Jahr 2008 hatte die Kommune vergeblich versucht, das leer stehende Ensemble an einen Käufer zu bringen. Noch im Jahr 2011 sollte das Gebäude 345.000 Euro kosten.

Zwar besichtigten viele Interessenten das Gebäudes, nahmen dann aber vom Kauf Abstand. Vornehmlich wegen des Gebäudezuschnitts und des bestehenden Denkmalschutzes, der sich nicht nur auf die Gebäudehülle erstreckt.

Im September 2015 stimmte der städtische Hauptausschuss dem Verkauf des städtischen Sorgenkindes für 110.000 Euro zu. Der neue Besitzer investierte in etwa eine Million Euro in Umbau und Sanierung.

Von Jürgen Lauterbach

Er ist in Brandenburg an der Havel geboren und würde niemals wegziehen: Aus Liebe zu seiner Stadt hat Ronny Czermin vor vier Jahren eine Facebook-Gruppe gegründet. Und hat reichlich Zulauf.

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