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Brandenburg/Havel Rauswurf nach nur einem Tag Arbeit: Küchenhelfer zündet Wohnung an
Lokales Brandenburg/Havel Rauswurf nach nur einem Tag Arbeit: Küchenhelfer zündet Wohnung an
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10:43 11.07.2019
Zu dem Wohnungsbrand an der Ecke Bäckerstraße/Großstraße in Treuenbrietzen war die Feuerwehr am Morgen des 13. September 2018 ausgerückt. Acht Menschen wurden aus ihren Wohnungen geholt. Quelle: Feuerwehr Treuenbrietzen
Brandenburg/H

Wut und Rache scheinen das Motiv des Mannes gewesen zu sein, der am 13. September des vergangenen Jahres in Treuenbrietzen sein Zimmer angezündet hat.

Seit dieser Woche steht der 38 Jahre alte Grieche als Angeklagter vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Potsdam wirft ihm vorsätzliche Brandstiftung vor.

Nikolaos A. lebt eigenen Angaben zufolge seit Oktober 2013 überwiegend in Deutschland, wo er in den Küchen verschiedener griechischer Lokale gearbeitet hat. Allerdings ist er selten eine längere Zeit an einem Ort geblieben.

Job mit eigenem Zimmer

Seine Jobs unter anderem in Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Frankfurt/Main, Hannover und Berlin endeten zumeist schon nach wenigen Monaten. In einem Restaurant habe er sich immerhin elf Monate gehalten, berichtet der Küchenhelfer, der keine Berufsausbildung absolviert hat.

Im vergangenen September suchte der Angeklagte erneut einen Job in der Gastronomie. Über einen Vermittler im Internet wird er in Treuenbrietzen fündig. Der Inhaber des griechischen Restaurants holt ihn sogar abends vom Busbahnhof in Berlin ab.

Schlafen darf er in einem eigenen Zimmer im zweiten Obergeschoss des Hauses in der Großstraße, in dem sich auch das Restaurant befindet. Am nächsten Morgen beginnt die neue Arbeit in der Küche.

Streit in der Küche

Einen sonderlich guten Eindruck scheint der neue Küchenhelfer an seinem ersten Arbeitstag nicht hinterlassen zu haben. Er hat gleich eine Auseinandersetzung mit den anderen vier Leuten in der Küche.

Der Chef lässt ihn am Ende des Tages wissen, dass kein Arbeitsverhältnis zustande kommen wird und er nach dem einen Probearbeitstag schon wieder gehen muss. Die nächste Nacht darf er das Zimmer aber noch nutzen. Entsprechend übellaunig zieht sich der Mann in seine Kammer in der zweiten Etage zurück.

Dort geht der Streit weiter. Die Arbeitskollegin im Raum nebenan telefoniert für seine Begriffe viel zu laut. In seinem Ärger reißt er deren Telefonkabel aus dem Stecker. Daraufhin ruft sie den Chef.

Brennendes Papier auf Jacke geworfen

Am nächsten Morgen steht Nikolaos A. frustriert in seinem Zimmer, das er bald verlassen soll. Sein Rollkoffer ist gepackt. Der Küchenhelfer ist stocksauer. „Ich konnte mich nicht beruhigen, fünf Jahre lang geht das jetzt schon so“, erklärt der Angeklagte dem Gericht die Gefühle jenes Morgens.

Schließlich nimmt er einen Schwung Papier, Umschläge der Krankenversicherung, und zündet sie mit seinem Feuerzeug an. Das brennende Papier wirft er sodann in den Koffer, der geöffnet am Bettrand steht. Die Fleece-Jacke fängt sofort Feuer. Die Flammen springen wenig später über auf Kissen, Laken und Bettdecke.

Tür zu und raus

Nikolaos A. sieht aus nächster Nähe, dass es brennt. „Ich habe dann die Zimmertür zugeschmissen und bin raus“, berichtet er. Um die anderen zehn Bewohner im Haus, darunter zwei Kinder, kümmert er sich in dem Moment nicht. Auch nicht, als er draußen vor der Tür den Qualm aus seinem Fenster steigen sieht.

>>Lesen Sie den Bericht über den Brand am 13. September hier.

Der Küchenhelfer: „Ich hatte Angst und bin daher abgehauen.“ Immer und immer versichert er der Richterin, dass er aber niemandem etwas Böses habe antun wollen.

Warum er dann den Brand gelegt habe?, möchte die Richterin wissen. Die Antwort des Angeklagten: „Weil meine Anstrengung nirgendwo funktioniert hat. Dabei habe ich mich bemüht, mit den Chefs und Kollegen gut auszukommen.“ Darüber nachgedacht, was hätte passieren können, das habe er nicht.

Ein Bewohner schläft ganz fest

Während sich der entlassene Küchenhelfer aus dem Staub macht, entdeckt eine Passantin den schwarzen Qualm aus dem Fenster. Sie informiert die Frau des Lokalchefs, die gerade Stühle nach draußen stellt.

Die 34 Jahre alte Frau stürmt mit einem Angestellten ins Haus, schnappt sich den Generalschlüssel für die Wohnung mit den drei Angestelltenzimmern oben, klopft alle anwesenden Bewohner aus ihren Betten und scheitert zunächst nur bei dem Zimmernachbarn des Brandstifters. Der schläft so fest, dass er lange Zeit nichts mitbekommt.

Die Feuerwehr trifft schließlich ein, beendet die Löschversuche der Betreiber, bekämpft den Brand, der sich auf den Fußboden ausgedehnt hat, und bringt acht anwesende Bewohner in Sicherheit.

Sich selbst der Polizei gestellt

Der Angeklagte wendet sich bald nach seiner Tat an einen Rechtsanwalt, der ihm empfiehlt, sich der Polizei zu stellen. Tatsächlich meldet er sich am Abend jenes Donnerstages noch beim Landeskriminalamt in Berlin und gesteht die Tat.

Auch im aktuellen Prozess räumt der Angeklagte die Brandstiftung ein. Ehe das Schöffengericht Brandenburg jedoch ein Urteil fällen kann, muss es am nächsten Verhandlungstag noch weitere Zeugen hören.

Der Angeklagte sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Von Jürgen Lauterbach

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