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Brandenburg/Havel „Keine Experimente“ ist verboten
Lokales Brandenburg/Havel „Keine Experimente“ ist verboten
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19:08 18.04.2019
Ein oder zwei autonome Busse sollten in der Havelstadt auf einer Teststrecke rollen. Quelle: promo
Brandenburg/H

In dieser Woche hat man es wieder einmal glasklar gesehen: Während sonst der Verkehr leidlich rollt, reicht eine Störung wie der gesperrte Mühlendamm, um den Infarkt herbeizuführen.

Wir leben in einer mittelalterlichen Stadt, in der meist eine ebensolche Politik gemacht wird. Zumindest beim Verkehr. Vorfahrt für die Kutschen, alles andere ist egal!

Der Mobilitätsforscher Jürgen Peters und der Stadtplanungsexperte Ralf Krombholz haben nicht nur gute Ideen für den Packhof entwickelt, sondern hatten auch ein Mobilitätsevent vorbereitet. Sie haben sich Partner gesucht, bei ZF, bei den Verkehrsbetrieben, bei den Stadtwerken – überall sind sie offene Türen eingerannt, die Ansprechpartner waren begeistert. Mehr Elektromobilität, verschiedene Carsharing-Modelle, selbstfahrende Kleinbusse auf einer Teststrecke vom Wiesenweg hin zum Nahverkehrsnetz – all diese Ideen geisterten schon ziemlich konkret durch die Diskussionen. Doch dann trat man im Rathaus ruckartig auf die Bremse. Dann hagelte es Absagen: Michaela Hohlmann von ZF teilte mit, Peters solle sich wieder melden, wenn es einen neuen Projektstand gebe, Stadtwerkechef Uwe Müller ließ per Mail wissen, dass Teile der Kommunalpolitik das Event kritisch sähen und die Stadtwerke sich mithin nicht in die Stadtpolitik einmische.

Rathauschef Steffen Scheller (CDU) sagt nun, er sei nicht direkt von Peters gefragt worden und dessen Projekte seien ihm nicht konkret genug. Vielleicht hätte er sich doch einmal Zeit nehmen sollen. Peters hat sehr wohl ein konkretes Papier erarbeitet, in dem die Stadt zum Reallabor wird. Nämlich ein Experimentierfeld für eine moderne Stadtentwicklung. Damit wäre Brandenburg auch nicht allein: Seit drei Jahren gibt es ähnliches in Stuttgart zum Thema Mobilitätskultur, in Bielefeld-Sennstadt unter dem Titel „MobiliSta“ –alles vobn Bund und Land großzügig gefördert.

Für die Havelstadt wären denkbare Experimentierfelder die Verkehrsberuhigung der Altstadt, kostenloser Nahverkehr am Wochenende, Mobilitätsstationen mit elektrischen Autos, Fahrrädern, Rollern, die Verkehrsführung in der Neustadt, Neugestaltung des Wiesenweges. Alles nicht konkret genug? Mit Staatsgeld könnte sich die Stadt Experten einkaufen, an der Technischen Hochschule könnte die Plattform für alle „Labore“ eingerichtet werden, die lokalen Player ZF, StWB und VBBr stehen erklärtermaßen bereit.

Vor allem würden alte Argumente wie „Geht nicht!“ oder „Haben wir kein Geld dafür“ ausgehebelt, weil nämlich in den Reallaboren zeitlich und räumlich andere Regeln wie Experimentierklauseln und Ausnahmegenehmigungen gelten. Die freie Wirtschaft arbeitet seit langem schon mit den Praxislaboren, Rückschläge sind eingepreist. Aber noch viel wichtige, die Erfolge. Die Zeiten von „Keine Experimente“ sollten auch in Brandenburg vorbei sein. Wir leben schließlich nicht mehr im Mittelalter.

Von André Wirsing

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