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Brandenburg/Havel Rentner zahlt fürs Fernsehen im Klinikum fast 300 Euro
Lokales Brandenburg/Havel Rentner zahlt fürs Fernsehen im Klinikum fast 300 Euro
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10:41 22.08.2018
Klaus Zagermann (68) guckt und ärgert sich. Denn bei seinen langen Klinikaufenthalten wird das Fernsehen teuer. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

 Klaus und Doris Zagermann aus Ziesar ärgern sich über das städtische Klinikum in Brandenburg/Havel. Nicht etwa über die Behandlung oder die Pflege. Vielmehr sieht das Ehepaar nicht ein, für jeden Tag im Stationszimmer 3,50 Euro fürs Fernsehgucken zu bezahlen.

Wegen seiner Krankheit muss Klaus Zagermann (68) relativ häufig ins Krankenhaus. Deshalb summieren sich bei ihm die Gebühren für den Fernseher an seinem Krankenbett. „Allein in diesem Jahr hat das Klinikum schon fast 300 Euro nur dafür in Rechnung gestellt.“ Die Gebühr für den Fernseher daheim zahlt die Familie natürlich außerdem.

Das Paar aus Ziesar hat sich bei der Klinikleitung beschwert. „In keinem anderen Krankenhaus musste ich Gebühren für die Benutzung eines Fernsehers bezahlen“, schreibt der Rentner aus Ziesar, der sich „abgezockt“ fühlt.

Klinikum legt Grundgebühr nur um

Dass in den 3,50 Euro Tagesgebühr auch die Telefonnutzung eingeschlossen ist, besänftigt Klaus Zagermann nicht. Das Telefon der Klinik benötige er nicht, denn er habe ein privates Handy.

Geschäftsführerin Gabriele Wolter weist den Patienten in ihrem Antwortschreiben darauf hin, dass sich das Patientensystem für Telefon und Fernsehen nicht im Klinikeigentum befinde, sondern von der Firma Siemens kostenpflichtig zur Verfügung gestellt werde. Das Klinikum lege nur die Grundgebühren auf die Patienten um, „damit sich die Instandhaltungskosten refinanzieren können“.

Olaf String, Leiter der allgemeinen Verwaltung, erklärt das Patienten-Entertainmentsystem im Klinikum. Der Patient schließt demnach mit der Firma Telba GmbH einen Vertrag zu dessen Nutzung mit Telefon (Flat Deutschland), TV (einschließlich Sky Bundesliga), Radio, Internet und WLAN.

Patient entscheidet freiwillig

String: „Der Abschluss eines solchen Vertrages ist eine rein freiwillige Entscheidung durch den Patienten.“ Das Klinikum gestatte nur die Aufstellung eines solchen Systems. Leider stünden einem Krankenhaus nur sehr begrenzte Investitionsmittel zur Verfügung, sodass bei jeder Investition zwischen Medizintechnik, Infrastruktur des Hauses (EDV) oder für Bau abgewogen werden muss.

In diesem Fall habe das Krankenhaus sich entschieden, den frühere Gestattungsvertrag nach Austausch der gesamten Technik fortzuführen. Zu berücksichtigen sei, dass die Investition in ein solches Patienten-Entertainmentsystems mit mehr als 1,2 Millionen Euro zu veranschlagen wäre. Die Alternative wäre nur gewesen, auf neue Medizintechnik zu verzichten.

Die Geschäftsführerin betont, dass die Grundgebühren für Telefon und Fernseher „in keinster Weise eine willentliche finanzielle Belastung für unsere Patienten“ sein sollen.

Viel Geld bei kleiner Rente

Klaus und Doris Zagermann sind nicht zufrieden mit der Antwort aus der Hochstraße, vor allem nicht damit, dass das Klinikum „alle Schuld von sich weist“. Denn für Zagermanns ist das Klinikum und nicht die Firma Siemens Ansprechpartner. Sie würden sich bei einer möglichen Beschwerde über ein Schnitzel auch nicht den Erzeuger wenden, sondern an den Supermarkt, der es verkauft hat.

105 Euro bei 30 Tagen Krankenhaus, das sei bei einer kleinen Rente schon sehr viel Geld, betont der Patient, der sich entmündigt fühlt von der Gebühr, die im Vorhinein fällig werde. Er fände es fairer, am Ende das zu bezahlen, was er tatsächlich genutzt hat.

Olaf String zufolge erreichen das Klinikum ein bis drei schriftliche Beschwerden zum Telefon pro Jahr. Nachfragen in vergleichbaren Krankenhäusern, dem Ernst-von-Bergmann-Klinikum (EvB) und den Ruppiner Kliniken hätten ergeben, „dass die Preise in unserem Haus marktüblich und nicht überteuert sind“.

Wie es andere Kliniken machen

Das EvB Potsdam bietet für 4,95 Euro am Tag ein ähnliches Modell an wie Brandenburg/Havel – mit einem eigenen Bildschirm an jedem Bett, berichtet EvB-Sprecherin Damaris Hunsmann. Dagegen entrichten Patienten in der Klinik Bad Belzig keine Gebühr für das Fernsehschauen – mit einem TV-Gerät pro Zimmer, das die Patienten sich teilen.

Das Johanniter-Krankenhaus in Treuenbrietzen und die Asklepios-Fachkliniken in Brandenburg/Havel und Birkenwerder berechnen keine Gebühr fürs Fernsehen. „Die Kosten sind Teil unserer Betriebsaufwände“, teilt Asklepios-Sprecher Rune Hoffmann mit.

Von Jürgen Lauterbach

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