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Brandenburg/Havel Riesen-Ärger um Bürgerservice in Kirchmöser
Lokales Brandenburg/Havel Riesen-Ärger um Bürgerservice in Kirchmöser
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07:51 24.10.2017
Fast völlig verwaist: Bürgerservice unter den Platanen.
Fast völlig verwaist: Bürgerservice unter den Platanen. Quelle: Stadtverwaltung
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Brandenburg/H

Sie war die letzte und einzige Ortsteilverwaltung, die regelmäßig von der Verwaltung als Außenstelle des Bürgerservices offen gehalten wurde – die Ortsteilverwaltung für Kirchmöser und Plaue unter den Platanen 2.

Doch das ist nun auch vorbei. Seit dem 12. Oktober gibt es nur noch einmal pro Woche eine Mini-Öffnungszeit dienstags von 16.00 bis 17.30 Uhr – und das auch nur, wenn der zuständige Revierpolizist vor Ort ist. So lautete eine der letzten Dienstverfügungen, die Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) vor ihrer Demission unterschrieben hat.

„Wie alle Verwaltungen haben wir ein Leitbild. Nach diesem wollen wir eine offene und transparente, zum Bürger hin orientierte Verwaltung sein. Er baut auf einen gewissen Anspruch, wir müssen uns ständig reflektieren und überprüfen, ob wir dem gerecht werden können“, sagt der für Ordnung und Sicherheit zuständige Beigeordnete Michael Brandt (CDU).

Die für die Ortsteilverwaltung zuständige Mitarbeiterin, die in der Regel mutterseelenallein in der Außenstelle arbeitete, sah sinch in der Vergangenheit mehrfach verbalen und auch tätlichen Angriffen ausgesetzt. In einem Fall kam es auch zu einer Verurteilung vor dem Amtsgericht gegen einen Mann, der die Frau beleidigt hatte. Für die anderen Tatvorwürfe wie etwa Nötigung reichten die Beweise wohl nicht.

Weil die Sitten und der Ton auch in anderen Dienststellen wie im zentralen Bürgerservice am Nicolaiplatz 30 oder in der Ausländerbehörde immer rauher werden, hat Brandt in seinem Ressort eine Gefährdungsbeurteilung vornehmen lassen. Außerdem eine so genannte Gefährdungsprognose – wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Mitarbeiter noch häufiger in solche und auch in gefährlichere Situationen kommen?

„Die verbale Gewalt geht von deutschen wie von nichtdeutschen Bürgern aus, da erleben wir kaum Unterschiede“, sagt Brandt.

Öffnungszeiten

Der Bürgerservice am Nicolaiplatz 30 ist an folgenden Tagen geöffnet:

Montag und Donnerstag: 9 Uhr bis 11:30 Uhr und 13 Uhr bis 15 Uhr

Dienstag: 9 Uhr bis 11:30 Uhr und 14 Uhr bis 18 Uhr

Mittwoch: geschlossen

Freitag: 8 Uhr bis 12 Uhr

Jeden zweiten und vierten Samstag: 8 Uhr bis 12 Uhr

Im Personalrat und beim restlichen Leitungsteam sei er auf kein überragendes Interesse zum Thema „Eigensicherung und Schutz der Mitarbeiter“ gestoßen. Dort lege man derzeit mehr Wert auf Themen wie „Arbeitsschutz“ und „Raumtemperatur“. Karl-Heinz-Erler als Stabschef von Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) habe Brandt beschieden, solcherart Gefährdungsbeurteilungen seien immer nur Einzelfallbeurteilungen.

Andere Institutionen mit ebenfalls hohem Publikumsverkehr sehen das offensichtlich anders: In der Arbeitsagentur gibt es ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept, auch das städtische Klinikum setzt Wachschutz auf der Rettungsstelle gegen aggressive Patienten ein.

Auch in städtischen Behörden wie in der Wiener Straße 1 mit Sozial- und Jugendamt soll es unschöne Vorfälle gegeben haben.

Brandt jedenfalls hat reagiert für seinen Bereich. Die Mitarbeiterin aus der Außenstelle verstärkt ab sofort den zentralen Bürgerservice, fährt nur am Dienstagnachmittag nach Kirchmöser, wenn der Polizist da ist. Im Bürgerservice am Nicolaiplatz gibt es das Prinzip der offenen Verbindungstüren zwischen den Büros, damit die Mitarbeiter auch mitbekommen, was nebenan los ist. An den offenen Sonnabenden sind nur zwei Mitarbeiterinnen da, sie werden durch einen Wachschutz behütet, der nicht nur Einlassdienst macht, sondern auch Flure, Wartezimmer und Büros im Blick hat. Und in der Ausländerbehörde wurde ein Sicherheitssystem installiert.

Von André Wirsing

27.10.2017
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