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Brandenburg/Havel Eine Madonna auf wackeligen Füßen
Lokales Brandenburg/Havel Eine Madonna auf wackeligen Füßen
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15:18 21.11.2014
Die Madonna vorm Verpacken. Quelle: privat
Brandenburg an der Havel

Es kann sein, dass es eine kleine Sensation gibt: Nämlich dann, wenn die Madonna über die Jahrhunderte in ihrer Urfassung bewahrt wurde. Das würde bedeuten, Farben und Materialien wären unverfälscht und original. Bis zu diesem Befund sind aber noch viele Schritte nötig. So lange die Madonna ruht, widmet sich Lühnsdorf der Theoriearbeit. Ist sie dann schrittweise ausgepackt, wird dokumentiert. Der Restaurator fotografiert die Skulptur und ihre Details aus allen Winkeln und zeichnet eine Schadenskarte. „Dann überlege ich mir die einzelnen Schritte der Konservierung. Ich will schließlich die Oberfläche erhalten und gleichzeitig die Stabilität verbessern.“ In diesen Worten steckt Überzeugung – es geht um das Bewahren des Ist-Zustandes. „Wollte ich die Skulptur herstellen, wie ich denke, dass sie einmal ausgesehen haben könnte, dann müsste ich sie scannen, ein 3-D-Modell fertigen und sie dann bemalen.“ Er akzeptiere aber, dass bei seiner Restaurierung der Betrachter nur die frühere Pracht erahnen könne. Gleichwohl soll die Madonna wieder „erlebbar“ werden.

Die eigentlichen Probleme sind nur schwer sichtbar. Die Figur ist aus einem massiven Eichenstamm geschnitzt, nicht aus verleimten Brettern. Auch wenn sie ausgehöhlt wurde, ist sie doch immer noch rund 35 Kilogramm schwer. Das Gewicht drückt natürlich über die Jahrhunderte. Gerade im unteren Drittel geht es um „holzfestigende Maßnahmen“. Lühnsdorf tränkt die geschwächten Holzzellen mit einem aufgelösten Kunststoff auf Zellulosebasis. Das stabilisiert die Zellwände, wenn sich das organische Lösungsmittel (Acetat) verflüchtigt hat. Die Zellwände können trotzdem noch „atmen“ und Feuchtigkeit transportieren.

Im Auftrag von Joop

Ron-Ericson Lühnsdorf (49) studierte Restaurierung in Potsdam bei Professor Hans Michaelsen, erwarb Ende der 90er Jahre sein Diplom.
In Potsdam arbeitete er die Möbelsammlung des Designers Wolfgang Joop auf, die dieser unter anderem aus New York, Paris und Monte Carlo mitgebracht hatte. Zudem kümmerte er sich um die Sammlung mit Skulpturen von Alexander Noll.
In Sankt Katharinen kümmerte er sich um das Sichern der Gemäldesammlung.
Viele Aufträge bekommt Lühnsdorf von Privatleuten, beispielsweise restaurierte er eine Art-Déco-Wandmalerei in einem Haus am Packhof.

In einem zweiten Schritt widmet sich der Restaurator den sich ablösenden Farbschichten. Die werden punktuell erwärmt und millimeterweise angedrückt. Dann müssen diese noch mit Bindemitteln hinterfüllt werden. „Das Richtige müssen wir noch herausfinden. Manche haben beispielsweise Eigelb verwendet. Wer jemals angetrocknetes Eigelb am Frühstücksteller hatte, weiß, wie sehr das klebt“. Bis zum Frühjahr hat sich Lühnsdorf Zeit gegeben, will lieber behutsam vorgehen.

Im April kommt die Madonna zurück ins Heimatmuseum. Für das Restaurieren hat der Historische Verein Brandenburg an der Havel die erste Patenschaft übernommen. Er gilt als der Vater des Museums, denn er begann den Sammlungsaufbau mit seiner Gründung im Jahre 1868. Als feststand, dass die Finanzierung gesichert ist, recherchierten Museums-Volontärinnen bei Restauratoren der Region. Lühnsdorfs Angebot erhielt den Zuschlag.

In seiner Arbeit unterscheidet er nicht nach Kriterien wie „Skulpturen“ oder „Möbel“, „sakral“ oder „profan“: „Jedes alte Stück verdient Beachtung, jedes erzählt unsere Historie.“

Von André Wirsing

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