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Brandenburg/Havel Der Direktkandidat, der alle in die Mangel nimmt
Lokales Brandenburg/Havel Der Direktkandidat, der alle in die Mangel nimmt
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11:32 28.08.2019
Roskows Bürgermeister Thomas Schulz will für die BVB/Freie Wähler als Direktkandidat in den Landtag einziehen. Im Umland ist der gebürtige Brandenburger für seinen Getränkehandel und Wäscheservice bekannt. Auf seinem eigenen Hof betreibt er eine Heißmangel. Quelle: Frank Bürstenbinder
Roskow

Thomas Schulz ackert an der Bügelmaschine und schleppt alten Leuten das Mineralwasser in den fünften Stock. Sollte es der Roskower Familienvater am 1. September in den Landtag schaffen, könnte er im Podium aus dem Nähkästchen plaudern, wie man sich als selbstständiger Gewerbetreibender in Brandenburg über Wasser hält. Ohne Fördermittel, Strukturhilfen und Ministerbesuche.

Zweiter Anlauf

Unter der Flagge der Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen/Freie Wähler nimmt Schulz zum zweiten Mal Anlauf, um als Direktkandidat ins Parlament einzuziehen. Es gibt kaum ein Dorf, wo sein bärtiges Konterfei nicht präsent ist. Sohn Jakob und dessen Freunde haben kräftig beim Plakatieren geholfen. Im Amt Wusterwitz opferten Mitstreiter von den Freien Wählern ihre Freizeit, um den Bewerber aus dem Wahlkreis 16 zu unterstützen.

Es wird schwer

2015 hat es nicht geklappt. Auf unter zwei Prozent kamen damals BVB/Freie Wähler zwischen Pritzerbe und Ziesar. Auch in diesem Jahr wird er es gegen die Konkurrenz aus den etablierten Parteien schwer haben. Selbst wenn sich die Stimmenanzahl verdoppeln sollte, wie es Meinungsforscher vorhersagen, kann Schulz nicht auf einen Direkteinzug bauen. Auch sein hinterer Listenplatz spricht eher gegen einen Sitz im Landtag.

Zum Bürgermeister gewählt

Für den Roskower kein Problem: „Ich mache den Wählern ein Angebot, um die Sicht der kleinen Leute in der großen Politik wieder mehr Gehör zu verschaffen.“ Der gebürtige Brandenburger engagiert sich seit seinem Umzug nach Roskow Mitte der 1990er-Jahre in der Kommunalpolitik. Bei der Kommunalwahl im Mai wurde Schulz zum Bürgermeister der Gemeinde Roskow gewählt.

Wäsche und Getränke

Bei den Freien Wählen sei er gelandet, weil er ein politisch interessierter Mensch sei, sich aber keinen parteipolitischen Belangen unterordnen wolle. Sollte er es in den Landtag schaffen, würde sich der gelernte Melker und Agraringenieurökonom gern solchen Themen widmen wie Natur, Umwelt und Soziales. Sein Gewerbe als Betreiber eines Wäscheservice und Getränkehandels würde der 57-Jährige nicht aufgeben. „Gewählt wird man nur für fünf Jahre. In der Zeit würde ich alle meine Kunden verlieren“, so Schulz.

Wäschereinigung gekauft

Gerade erst hat der Selbstständige eine wichtige unternehmerische Entscheidung getroffen. Neben der Heißmangel auf dem heimischen Hof hat sich Schulz eines weiteres Standbein für blütenreine Wäsche zugelegt. Vor wenigen Tagen erwarb er die Sankt-Annen-Reinigung in Brandenburg und kann damit die gesamte technologische Kette der Wäschereinigung aus einer Hand anbieten. Die drei Mitarbeiterinnen sind jetzt bei dem Direktkandidaten beschäftigt, von dem sie sich nur eines wünschen: „Lassen Sie uns nicht im Stich.“

Stammkunden in Brandenburg

Daran denkt Schulz keine Sekunde. Etwas umorganisieren müsste er seinen Alltag im Falle eines Wahlsieges schon. Immerhin ist der Roskower zweimal in der Woche auf Tour, um seine Getränkekunden zu beliefern. Viele seiner Stammkunden wohnen in Brandenburg Nord oder auf der Scholle, wo sein Name auch wegen der Annahmestellen für den Wäscheservice bekannt ist. „Ich werde durchweg positiv auf meine Kandidatur angesprochen. Leider gehören Nord und die Scholle nicht zu meinem Wahlkreis“, bedauert Schulz. Die Stadtteile Plaue und Görden dagegen schon.

Für Schule und mehr Busse

Was Schulz als Roskower Bürgermeister umtreibt, würde er auch gern in den Landtag tragen. So plädiert der Direktkandidat für einen Ausbau des Nahverkehrs. Sein Vorschlag ist unter anderem eine kreisübergreifende und direkte Busverbindung von Brandenburg nach Wustermark zur S-Bahn, damit Pendler auf diesem Weg den Norden Berlins erreichen können. Ein straßenbegleitender Radweg von Roskow in Richtung Zachow habe für ihn Priorität, deshalb müsse im Landeshaushalt mehr Geld für diese Infrastruktur bereitgestellt werden, so Schulz, der ebenso vehement für den Erhalt des Schulstandortes Roskow eintritt. Sorgen bereiten ihm die Ausbreitung der Spargelanbauflächen rund um den Beetzsee mit ihrer künstlichen Bewässerung und deren mögliche Folgen für den Grundwasserspiegel.

Von Frank Bürstenbinder

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