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Brandenburg/Havel SPD-Direktkandidat schließt Koalition mit AfD nicht aus
Lokales Brandenburg/Havel SPD-Direktkandidat schließt Koalition mit AfD nicht aus
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16:36 01.08.2019
Udo Wernitz, SPD-Direktkandidat im Wahlkreis 16 bei den Landtagswahlen am 1. September 2019, in seinem Lehniner Garten mit Spielhaus und künstlicher Wasserlandschaft. Quelle: Marion von Imhoff
Lehnin

 Der SPD-Direktkandidat Udo Wernitz aus Lehnin schließt eine Koalition mit der AfD im Landtag nicht aus. Dies könne dazu führen, die rechtspopulistische Partei zu entzaubern.

Auf die Frage der MAZ, mit wem sich Udo Wernitz auf Landesebene eine Koalition vorstellen könne, sagte der Lehniner: „Mit den Linken klar, mit den Grünen, Rot-Rot-Grün wäre eine Superkoalition. Mit der CDU im äußersten Notfall. AfD wäre für mich“, Wernitz hielt kurz inne, um fortzusetzen: „20 Prozent der Bevölkerung darf man nicht vernachlässigen. Vielleicht muss man auch mal über eine Koalition mit der AfD nachdenken. Ich weiß nicht, wie der Landesvorstand darüber nachdenkt. Wenn man sie in die Pflicht nimmt, ok, ihr habt euch groß angekündigt, jetzt ran an die Arbeit. Es ist einfach aus der zweiten Reihe zu rufen, wenn man vorne sitzt, sieht die Welt schon anders aus.“

Brandenburg ist nicht rechtsextrem“

Wernitz tritt im Wahlkreis 16 an. Brandenburg sei nicht rechtsextrem, sagt Wernitz. „Es gibt natürlich Regionen, in denen die AfD sehr stark ist und dort ist nachweislich der Rechtsextremismus stärker als anderswo. Ich finde persönlich ganz schlimm angesichts der Verbrechen, die Nationalsozialisten begangen haben, dass solche Gedanken wieder aufkommen. Die Welt ist bunt und jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden.“ Er könne nicht begreifen, wie man dieses Gedankengut haben könne. „Das sind für mich Ängste, die sich dadurch manifestieren, dass man Kraft und Stärke zeigt in der Gruppe und versucht, sich mit Gewalt dort durchzusetzen.“

Der 51-Jährige, der auf SPD-Listenplatz 21 steht, sagt: „Die Leute finden die AfD gut, weil sie das Gefühl haben, sei seien abgehängt und nicht ernst genommen worden.“ Er suche den Dialog, sagt Wernitz: „Wenn man sich für sie engagiert, haben sie auch wieder Vertrauen.“ Mit den Wählern der AfD diskutiere er. „Es ist bei einigen wie eine Protesthaltung bei einem kleinen Kind.“

Wernitz für mehr Berufsfeuerwehren

Wernitz weist auf die Höhen und Tiefen der SPD-Landespolitik, auf das „unrühmliche Blatt der Kreisgebietsreform. Wichtig ist, dass sie von der Landesregierung wieder zurückgenommen wurde“. Ein Erfolg der rot-roten Landesregierung sei die Kitabetragsbefreiung im letzten Betreuungsjahr gewesen. Wernitz plädiert für Entlastung ehrenamtlicher Retter: Freiwillige Feuerwehren müssten unterstützt werden: „Stützpunktfeuerwehren entlang der Autobahnen zur Entlastung der Freiwilligen Feuerwehren werden kommen. Da bin ich ganz sicher. Die Ehrenamtlichen sind an ihrer Belastungsgrenze.“

Als langjähriger Vorsitzender der Schulkonferenz und des Schul- und Sozialausschusses in der Gemeindevertretung möchte sich der gelernte Bäckermeister und Vertriebsmitarbeiter in der Bildungspolitik profilieren. Udo Wernitz, dreifacher Vater, spricht sich gegen Experimente in der Schulpolitik aus.

Campusidee soll Schule machen

Bildungspolitik sei Ländersache, aber es müsse zwischen den Ländern einheitlicher geregelt werden. Wernitz hofft, dass der Lehniner Schulcampus, an dem die Kinder von der ersten bis zur 13 Klasse bleiben und das Abitur an einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe ablegen können, landesweit einen Trend setzt. „Die Campusidee ist toll, die Schüler sind lange zusammen, miteinander vertraut und können sich auf das Lernen konzentrieren.“

Digitalisierung müsse weiter vorangetrieben werden. „Die Industrie braucht top ausgebildete Fachkräfte, die sich mit Internet und Medien bestens auskennen. Deutschland kann nur noch durch super Fachkräfte auf dem Gebiet punkten.“ Mittelfristig werde es die papierlose Schule geben, ohne Schulbücher, ohne Hefte, dafür aber mit Computern für jedes Kind: „Der digitale Ausbau wird kommen. Das der wichtig ist, haben jetzt alle gemerkt, nicht nur für die Wirtschaft, sondern für alle Bürger.“

Funklöcher im Fläming

Der Wahlkreis 16 entspricht dem westlichen Teil Potsdam-Mittelmarks mit Brandenburg-Görden und Plaue, den Gemeinden Kloster Lehnin und Groß Kreutz (Havel) und den Ämtern Wusterwitz, Ziesar und Beetzsee. In seinem Wahlkampf tourt er durch fast 50 Dörfer. Als Außendienstmitarbeiter fährt er jährlich mehr als 100.000 Kilometer. Udo Wernitz berät Bäckereien in acht Bundesländern, informiert über Produkte und gestaltet Werbekampagnen mit den Kunden. Die schlimmsten Funklöcher? „Waren in den Dörfern im Fläming“.

Wenn ihn jemand „Kümmerer“ nennt, sieht sich Wernitz korrekt beschrieben. Er ist Mitglied in 13 Vereinen. Seit 2014 sitzt für die SPD im Kloster Lehniner Gemeinderat. Nun für den Landtag zu kandidieren, ist für Wernitz konsequent. „Das nächste Auto ist auch immer etwas größer als das vorherige.“

Kuhnerts Nachfolger als Direktkandidat

Seine weiteren Ziele? Rente müsse 30 Jahre nach der Wende „einfach mal angeglichen werden. Dafür müssen sich die Länderchefs einsetzen. Altersarmut ist ein Riesenthema. Die wird uns einholen, sonst haben wir in fünf bis zehn Jahren den nächsten Scherbenhaufen.“ Daneben sozialer Wohnungsbau und bezahlbare Mieten. „In Berlin und Potsdam nehmen die Mieten erschreckende Ausmaße an“.

Andreas Kuhnert (SPD) hat im Wahlkreis 16 bei der jüngsten Landtagswahl das Direktmandat gewonnen. Wernitz ist als Direktkandidat sein Nachfolger. Wie sieht er seine Chancen? „Jeder Direktkandidat hofft, aber die Situation ist undurchsichtig, die Chancen sind in diesem Jahr schwer abzusehen, da muss ich ehrlich sein. Wer da sagt, er gehe da durch und marschiere, das ist Schwachsinn. Ich denke, dass die SPD immer noch gut angesehen ist.“

Wernitz ist in Lehnin aufgewachsen, hat Mittlere Reife, lernte Bäckermeister und arbeitet nun in seit 27 Jahren im Außendienst. „Ich habe täglich Kontakt zu Arbeitern und Geschäftsführer.“ Er kenne die Themen, die die Menschen beschäftigten: „Lebensmittelrechtliche Auflagen sind manchmal für eine kleine Bäckerei schwer zu finanzieren. Deswegen schließen viele Dorfbäcker.

Von Marion von Imhoff

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