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Brandenburg/Havel Sagenheld aus Sandstein: Brandenburger Roland ist 545 Jahre alt
Lokales Brandenburg/Havel Sagenheld aus Sandstein: Brandenburger Roland ist 545 Jahre alt
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17:25 26.12.2019
Der Potsdamer Metallrestaurator Helmut Franke montierte am Mitte 2007 das erneuerte Schwert der Rolandstatue in Brandenburg/Havel. Quelle: Ronny Heim
Brandenburg/H

Den letzten deutschen Kaiser hat er gesehen, die Kapp-Putschisten gingen vor seinen Füßen mit einer Kanone in Stellung, den Ratskeller kennt er als belebte Gaststätte: Brandenburgs Roland hätte viel zu erzählen, wenn er nicht aus Sandstein wäre. Im Jahre 1474 ist die 5,34 Meter hohe Statue auf dem Neustädtischen Markt aufgestellt worden – Grund genug, an Rolands 545. Geburtstag zu erinnern.

Von 1716 bis 1941 stand der Roland vor dem Neustädtischen Rathaus. Bilder aus der Zeit, als er noch um die Ecke auf dem Marktplatz stand, sind nicht bekannt.

So präsent der Koloss ist, so unbekannt ist der Anlass, ihn in der Neuen Stadt Brandenburg zu errichten. Die Roland-Forschung gleicht auf weiten Strecken einem Indizienprozess. Manche meinen, der Roland sei Ausdruck des Marktrechtes und Handelsfreiheit.

Andere sind überzeugt, der Ritter mit dem Schwert stehe für das Selbstbewusstsein der Stadt, die sich nur Gott und dem Kaiser verpflichtet fühle. Dass zwischen dem Kaiser und der Stadt noch der Markgraf sitzt, war den Brandenburger einerlei – wenn man dieser Betrachtungsweise folgt.

Tatsächlich reicht die Aufstellung in eine Zeit zurück, in der die Markgrafen die Geschicke in der Mark eher schleien ließen. Nach dem Tode des letzten askanischen Markgrafen Waldemar 1319 und dem Machtantritt des ersten Hohenzollern im Brandenburgischen im Jahre 1412, entwickelten sich im Lande neue Kräfteverhältnisse.

Frisches Selbstbewusstsein

Die Adelsfamilien legten sich ins Zeug. Aber auch zahlreiche Städte schöpften Mut und frisches Selbstbewusstsein. So ist es durchaus möglich, dass es den Brandenburger wirklich egal war, wer gerade den Kurhut trug – solange ihnen niemand in die Quere kam.

Urkundlich belegt ist, dass die Neustadt bereits 1402 einen hölzernen Roland besaß. Wahrscheinlich ist also, dass diese Statue schon im 14. Jahrhundert das Stadtbild zierte.

Was aber sagenhaft bleiben wird, ist die Annahme, Kaiser Karl der Große (742-819) höchstpersönlich habe den Roland nach Brandenburg gebracht und aufstellen lassen. Dass es dafür keinen Beleg gibt, schert die Sagenerzähler natürlich nicht.

Der erste Ritter

Wenn an dieser Sage aber etwas Wahres dran sein soll, dann dieses: Roland gilt als der erste Ritter, soll ein Neffe Karls des Großen gewesen und im Kampf gegen die Sarazenen in den Pyrenäen ums Leben gekommen sein. Kaiser Karl IV. (1316-1378), Herrscher auch über Brandenburg, verglich sich gern mit seinem großen Namensvetter.

Just in seine Regierungszeit fällt an einigen Orten die Aufstellung von Roland-Statuen, etwa in Calbe an der Saale und Halberstadt (beide 1381), Hamburg (1342) und Bremen (vor 1366). Und eben auch in der Neuen Stadt Brandenburg.

Im Krieg versteckt

Drei Dutzend dieser Statuen gibt es weltweit noch, die meisten in Nord- und Ostdeutschland. Viele sind verschwunden, etwa in Berlin. Der Recke am Märkischen Museum ist eine Kopie des Brandenburger Rolands, aufgestellt 1905.

Der Brandenburger Roland hat den Zweiten Weltkrieg dank weitsichtiger Stadtverwalter überstanden – auf dem Gut Wendgräben. Wäre er stehen geblieben, wäre er wahrscheinlich mit dem Neustädtischen Rathaus 1945 untergegangen.

Sagen um den Brandenburger Roland

In der Sagenwelt hat der Roland einen festen Platz. In der Sage um Räuberhauptmann Habakuk Schmauch ist es die Roland-Statue, die zur Enttarnung des Räuberlagers im Gränertwald führt. An dieser Statue nach verrät das von Halunken geraubte Mädchen, wo sich das Lager befindet. Der Räuberhauptmann hatte dem Mädchen zwar den Eid abgenommen, niemals einem lebenden Wesen etwas über den Räuber zu verraten. Da aber der Roland ein lebloser Stein sei, durfte er alles hören. Diese Tat bezeichnet die Sagenforschung als „Eideslist“.

Eine Mär erzählt, dass die Neustädter den hölzernen Roland (1402 urkundlich erwähnt) aus der Alten Stadt geraubt und nachts heimlich über die Havel getragen haben.

Beim 12. Schlage der Glocke an der Rathausuhr dreht sich der Roland einmal um die eigene Achse, heißt es in einer Sage. Sehen können das aber nur Sonntagskinder, Leute, die sonntags oder an einem anderen kirchlich wichtigen Tag geboren wurden.

Das Donnerkraut, das auf dem Haupt der Statue prächtig gedeiht (auch nach dem supertrockenen Sommer), sei aus Weisung Karls des Großen gepflanzt worden, hört man in einer anderen Geschichte. Das Dickblattgewächs, auch Fetthenne genannt, schütze nämlich vor Blitzeinschlag.

Von Heiko Hesse

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