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Brandenburg/Havel So wird der Reformationstag in Brandenburg an der Havel gefeiert
Lokales Brandenburg/Havel So wird der Reformationstag in Brandenburg an der Havel gefeiert
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14:17 31.10.2019
Bertram Althausen feierte mit 250 Brandenburgern den Gottesdienst in der Gotthardtkirche. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Bertram Althausen hat vor 30 Jahren die Menschen in die Kirche gebracht, jetzt gelingt ihm das wieder: 250 Brandenburger feierten mit ihm am Reformationstag den Gottesdienst zu „30 Jahre friedliche Revolution“ in der Sankt-Gotthardt-Kirche.

Der ehemalige Kreisjugendpfarrer hatte in der Wendezeit gemeinsam mit dem Krankenpfleger Jan Hermann und anderen das Neue Forum in der Stadt gegründet. Schon im Herbst 1988, als viele Menschen sich mit dem Gedanken an eine Ausreise aus der DDR trugen, organisierte er eine Art Gottesdienst im Wichernhaus, überschrieb ihn „Das Menschenrecht und Gottes Wille“.

„Ich probierte eine etwas andere Auslegung, wählte keinen ganzen Bibeltext, zu dem ich ein paar kluge Sätze hätte sagen können. Vielmehr nahm ich nur ein Wort, dass die Menschen sofort anpacken, ergreifen sollte.“ So zitierte er nur aus dem Johannes-Evangelium als Jesus seine Jünger fragte: „Wollt ihr auch weggehen?“

Das schnelle Verklären der DDR

Schlagartig sei es ganz still geworden – klar, wollten Menschen weg, doch sie waren hier geboren, ließen Familie und Freunde zurück, blickten in eine ungewisse Zukunft. Gedanklich gerieten sie in eine Ausweglosigkeit. „So wollte ich die Menschen nicht gehen lassen, sondern zitierte aus dem Psalter 65 ,Gott du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen’.“ Da hätten alle befreit gelacht. „Humor ist ein wichtiger Bruder des Glaubens. Gottseidank war uns 1988/89 das Lachen noch nicht vergangen.“

Am 9. Oktober 1989 seien die Leipziger Innenstadtkirchen Ausgangspunkt für den Zug der 70.000 Menschen als offizieller Beginn der friedlichen Revolution gewesen. Althausen zitiert den ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin Heinrich Albertz: „Da stand die Kirche erstmals auf der richtigen Seite, bei den Unterdrückten.“ Es sei ein Wunder gewesen, dass die Menschen nur mit der Botschaft der Bergpredigt und Kerzen die friedliche Revolution erzwungen haben.

>> Lesen Sie dazu auch: „30 Jahre friedliche Revolution“ in der Havelstadt

Fremdenhass aus den Köpfen kriegen

Althausen findet auch mahnende Worte, die bis in die Gegenwart reichen. Schnell hätten sich nach dem Mauerfall wieder Vorurteile, Gedächtnislücken und Vergangenheitsverklärung Raum geschaffen. „Viele haben ihre Situation heruntergejammert, und ich stelle bei einigen fest, dass die DDR immer verklärter wird, je länger sie Geschichte ist. Das gilt auch für manche Menschen im Westen, die der Wirtschaftswunderzeit nachtrauern.“

Er frage sich aktuell, ob es gelingen wird, Rassismus und Fremdenhass aus den Köpfen zu kriegen, ob das Soziale wieder an die Marktwirtschaft anzudocken ist und ob es den Menschen gelingt, die vermeintliche von der tatsächlichen Benachteiligung zu unterscheiden.

Patchwork rockt die Kirche

Der ungewöhnliche Gottesdienst, den der heute in Delmenhorst tätige Kreispfarrer (vergleichbar mit dem Posten des Superintendenten) mit „Liebe friedliche Revolutionsgemeinde“ eröffnet hatte, wurde begleitet von der Band Patchwork.

Die gibt es faktisch seit 1982, gab sich fünf Jahre später den Namen und spielte nicht nur zu den Jugendabenden der Kirche, sondern auch bei diversen Jugendtreffen in Berlin, Burg oder an der Ostsee. Am Donnerstag spielten sie unter anderem „Du, lass dich nicht verhärten“ von Wolf Biermann.

Die Band Patchwork begleitete musikalisch den Gottesdienst, unter anderem mit Songs von Wolf Biermann. Quelle: JACQUELINE STEINER

Von André Wirsing

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