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Brandenburg/Havel 19 Prozent für heiß-kaltes Vergnügen
Lokales Brandenburg/Havel 19 Prozent für heiß-kaltes Vergnügen
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10:56 29.09.2014
Saunieren ist gesund. Auch wenn die Mehrwertsteuer für Saunabesuche auf 19 Prozent steigt. Quelle: Gertrud Ott

Bislang nämlich galt das heiß-kalte Vergnügen dem Gesetzgeber als gesundheitsförderlich und wurde mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent belegt. Im kommenden Jahr dagegen soll der volle Steuersatz von 19 Prozent erhoben werden, weil die Sauna neuerdings in die Kategorie „Wellness“ fällt. Private und öffentliche Saunabetreiber müssten sich den Fehlbetrag wohl größtenteils von ihren Gästen wiederholen. Zurzeit kostet ein zwei- oder dreistündiger Saunabesuch bei den Einrichtungen in Westbrandenburg zwischen acht und 17 Euro für einen Erwachsenen. Ein plötzlicher Preisanstieg von zwölf Prozent dürfte viele Besucher verärgern, wenn nicht gar nicht abschrecken.

Der Deutsche Sauna-Bund (DSB) rechnet durch die Steuererhöhung mit Verlusten von 200 Millionen Euro für die bundesweit mehr als 2100 Betreiber. In Brandenburg an der Havel wird das Thema sogar zum Politikum. Wie in Rathenow oder Bad Belzig auch befindet sich der größte Saunabetreiber, das Marienbad, in städtischer Hand. Hinzu kommt: Das Marienbad wurde erst im Juli neu eröffnet, nach einer aufwändigen Sanierung und Erweiterung des Saunabereichs. In diesem Zusammenhang wurden auch die Preise erhöht. Bisher ist nicht ausgemacht, dass die zusätzlichen zwölf Prozent Mehrwertsteuer komplett auf den Eintrittspreis aufgeschlagen werden. Das müsse erst in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert werden, so Kämmerer Steffen Scheller zur MAZ.

Sonderlich optimistisch gibt er sich allerdings nicht: „Durch die Erweiterung des Saunabereiches rechnen wir zwar mit einem Besucherplus, aber ich glaube nicht, dass sich das wirklich auf die höhere Mehrwertsteuer auswirkt.“ Die neue Kostenrechnung werde noch bis Ende des Jahres Zeit brauchen. Kämmerer Scheller hält das Angebot einer öffentlichen Sauna für einen Teil der staatlichen Daseinsvorsorge. Die Steuererhöhung sieht er darum kritisch: „Schaut man sich die wirtschaftlichen Auswirkungen durch Krankheitsfälle an, finde ich es unverständlich, dass die Sauna plötzlich als Luxus gilt.“ Auch in den öffentlichen Saunen der Nachbarstädte reagiert man mit Unverständnis auf die Neuregelung: „Ich bedauere es sehr, dass nun Bürger be straft werden, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen“, so Christian Kirchner, Geschäftsführer der Bad Belziger Steintherme, die im vergangenen Jahr rund 150000 Besucher zählte.

Ermäßigt seit 1968

Seit 1968 galt für Saunabesuche der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent
Im Mai 2005 erklärte der Bundesfinanzhof (BFH) den ermäßigten Steuersatz für unzulässig. Im konkreten Fall ging es um ein Fitness-Studio: Der angeschlossene Saunabesuch dort galt dem BFH lediglich als wohltuend, nicht aber als Heilbehandlung.
Die Länderfinanzminister gaben allerdings einen „Nichtanwendungserlass“ an die Finanzämter aus. Nun aber folgen die Ministerien dem BFH und verlangen den vollen Steuersatz. küp

„Die Besucherzahlen werden wohl nicht darunter leiden, aber es wird auf jeden Fall Unmut geben.“ Günter Rall von der Rathenower Schwimmhalle findet die Entscheidung „ärgerlich, der Nutzen des Saunagangs ist doch wissenschaftlich belegt.“ Für die städtischen Betreiber ist die Steuererhöhung ärgerlich, aber für private Anbieter kann sie sogar existenzbedrohend werden. „95 Prozent unserer Besucher sind zwar Stammgäste, aber von denen werden sicher viele wegbleiben“, sagt Sven Schönberg, der in Rathenow das Hotel „Sonn’Idyll“ mit Saunabetrieb und zwölf Angestellten hat. „Ich bin sicher, dass es mit der Steuererhöhung zu einem Saunensterben kommt.“ Noch freilich ist die Steuererhöhung nicht endgültig beschlossen. Mit eifriger Lobbyarbeit versucht der Deutsche Sauna-Bund bis zum Schluss, die Finanzministerien von Bund und Ländern zum Einlenken zu bewegen. Die Steuererhöhung gilt nämlich erst, wenn sie im Bundessteuerblatt veröffentlicht wird und das ist bisher nicht geschehen. „Sonderlich optimistisch bin ich aber nicht“, sagt DSB-Pressesprecher Hans-Jürgen Gansow. Allein freuen dürften sich wohl die Hersteller von Saunen für den Heimbetrieb. Deren Auftragsbücher dürften sich pünktlich zu Weihnachten füllen – aber nicht jeder hat Platz für die eigene Sauna im Keller.

Von Martin Küper

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