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Brandenburg/Havel Schmergower sind gegen eine Hähnchenmast
Lokales Brandenburg/Havel Schmergower sind gegen eine Hähnchenmast
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18:17 15.10.2014
Quelle: dpa
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Schmergow

„Jetzt fehlt uns nur eine Müllverbrennungsanlage.“ Mit Galgenhumor reagieren die Schmergower auf eine im Außenbereich geplante Hähnchenmastanlage. Die ironisch gemeinten Zwischenrufe auf der Ortsbeiratssitzung am Dienstag sind ein Spiegelbild der aktuellen Stimmungslage. Das 850-Seelen-Dorf an der Havel hat eine Bauschuttdeponie als Nachbarn und muss mit einer Kompostieranlage und einer Biogasanlage vor der Nase leben. Dazu kommen Rinderhaltung und Schweinezucht. Am meisten stöhnen die Schmergower jedoch unter dem Lkw-Verkehr.

„Wir haben genug Emissionsprobleme. Deshalb lehnen wir das Projekt ab“, stellte Ortsbeiratsmitglied Reinhard Keding klar. So sehen es auch Ortsvorsteherin Dana Nowack und der dritte Mitstreiter im Ortsbeirat, Stefan Langenstraß. Fazit ihrer öffentlichen Sitzung im voll besetzten Gemeindehaus: In einer Stellungnahme an die Gemeindevertretung von Groß Kreutz (Havel) lehnt Schmergow die Pläne zur Errichtung einer Hähnchenmastanlage mit 160 000 Tierplätzen ab – wie schon im September 2011 nach einer Informationsveranstaltung im Rahmen einer behördlichen Vorprüfung.

Ob sich die Abgeordneten der Großgemeinde Groß Kreutz (Havel) dem Votum anschließen, wird sich kommenden Dienstag bei einer öffentlichen Sitzung des Gremiums zeigen. Über eine Genehmigung entscheidet unabhängig von politischen Wünschen das Landesumweltamt. „Wir werden uns eine Meinung bilden. Aber ich sehe wenig Chancen für eine erfolgreiche Ablehnung“, prophezeite Gemeindebürgermeister Reth Kalsow im Vorfeld. Die Hähnchenmast-Gegner in Schmergow wollen deshalb den öffentlichen Druck erhöhen. Von einer Unterschriftensammlung ist die Rede. Für Axel Scholz vom Verein „Genussregion Havelseen“ passt die Massentierhaltung nicht in eine Region, die den Tourismus und die Herstellung heimischer Produkte voranbringen will. Starke Bedenken äußert auch die ortsansässige RBB Rinderproduktion, die weltweit Bullensperma exportiert. „Aus seuchenhygienischen Gründen sind wir gegen die Hähnchenmast. Sollte es zum Seuchenfall kommen, bliebe unser Unternehmen von einem Sperrgebiet wohl nicht verschont“, befürchtete Stationstierarzt Jan-Hendrik Osmers.

Acht Durchgänge im Jahr

Laut Antrag sollen drei Ställe mit einer Kapazität von je 55 000 Tierplätzen errichtet werden. Dazu kommen Nebenanlagen und ein Besucherraum.
Die Haltungsperiode der Hähnchen beträgt 35 Tage. Acht Durchgänge im Jahr sind geplant. Dabei fallen insgesamt 1650 Tonnen Hähnchenmist an.

Landwirt und Investor Heinrich Terhorst verteidigte sein Vorhaben, das gerade ein Genehmigungsverfahren beim Landesumweltamt durchläuft. Er bemühe sich um größtmögliche Akzeptanz bei der Bevölkerung, sagte Terhorst auf der Ortsbeiratssitzung. Als Landwirt habe er auch die Zukunft des Unternehmens im Blick. „Angesichts einer sich ändernden Förderpolitik müssen wir überlegen, wie wir auch in 10 oder 15 Jahren Geld verdienen“, so Terhorst. Seine Familie betreibt seit 2009 zwei landwirtschaftliche Betriebe in Schmergow. Dazu gehört eine Biogasanlage. Mit der terhorst agrar Gmbh & Co. KG will der Bauer nun in die Hähnchenmast einsteigen. „An meinem Antrag halte ich fest“, sagte Terhorst der MAZ nach der Ortsbeiratssitzung.

Von Frank Bürstenbinder

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