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Brandenburg/Havel Schräge Töne aus einem versunkenen Schiff
Lokales Brandenburg/Havel Schräge Töne aus einem versunkenen Schiff
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00:18 14.02.2018
Das Ensemble Mare Balticum bestreitet am 10. Februar 2018 das Archaeomusica-Konzert mit sehr alten Instrumenten. Darunter sind Nachbauten von Naturtrompeten des untergegangenen Schiffes Kronan.  Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

 Irritation. Kaum hatte das Konzert im Archäologischen Landesmuseum auf prähistorischen Instrumenten begonnen, da dröhnten aufheulende Motoren von schweren Motorrädern.

Merkwürdig, denn eigentlich ist das Paulikloster gut schallisoliert. Des Rätsels Lösung: Schwirrhölzer, auch Brummer genannt, verursachten diese Motorengeräusche, mit denen sich heutige Jugendliche gern einmal übertrumpfen.

Das Prinzip ist einfach: ein flaches Holz wird an einer Schnur kräftig im Kreis gewirbelt. „Diese Instrumente gab es eigentlich schon immer, sie sind uralt“, sagt die schwedische Musikerin Miriam Andersén, die viel über prähistorische Musik der Wikinger zu erzählen hat. Übrigens sollen von jeher besonders Jugendliche gern mit diesen Schwirrhölzern Klänge erzeugt haben. Witzig die Vorstellung, dass es in tiefster Vergangenheit nicht anders klang als heute, wenn sich Jugendliche getroffen haben.

Vor jedem Mitglied des „Ensembles Mare Balticum“ lieht jeweils auf einem schwarzen Tuch eine kleine Auswahl prähistorischer Instrumente. Klappern aus Zähnen, Rasseln, Trommeln, Schraper, Kuhhörner, Flöten aus Horn, Schwirrhölzer und einiges mehr.

Beeindruckend ist die Klangvielfalt, die die Musiker damit erzeugen können. Sie imitieren verschiedene Vogelstimmen, Froschquaken, Krötenschnarren, Windgeräusche, das Knarren von Bäumen, die aneinander reiben – als Zuhörer konnte man sich in einem artenreichen Wald wähnen. Sehr beeindruckend.

Der erste Teil des Konzerts, das im Begleitprogramm zur derzeitigen Ausstellung „Archäomusica – 40 000 Jahre Musikgeschichte Europas“ stattfindet, ist der Musik der Steinzeit und der Wikinger gewidmet. „Ob die Musik so oder ähnlich geklungen hat, das weiß man nicht , die Melodien wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Das war Tradition, denn Noten kannte man damals noch nicht“, erklärt Miriam Anders.

Vor allem in Island wurden so die alten Weisen bewahrt. Andersén singt einige Lieder in alt-nordischer Sprache. Die Texte seien ungemein schwer im Gedächtnis zu behalten, erzählt die Künstlerin. Viel schwerer als in jeder anderen Sprache.

Der zweite Teil des Konzerts des Ensembles Mare Balticum ist musikalisch einem besonderen historischen Ereignis gewidmet: Dem Untergang des stolzen schwedischen Kriegsschiffes „Kronan“ am 1. Juni 1676 vor der Insel Öland.

Dieses Unglück, bei dem von 842 Menschen an Bord nur 42 überlebt haben, erweist sich 300 Jahre später als Glücksfall für die Musikgeschichte. Erst im August 1980 konnte das Wrack vor der Ostküste Ölands geortet werden. Sofort begann man mit archäologischen Untersuchungen der Funde rings um das und im Schiff, darunter eine erstaunliche Vielfalt und Fülle zeitgenössischer Musikinstrumente. Der Fundort der Kronan wird als „Pompeji der Ostsee“ bezeichnet.

Das Ensemble Mare Balticum spielt ausschließlich auf Nachbauten von Instrumenten, die im Wrack der Kronan gefunden wurden. Darunter sind Flöten, Barockviolinen, Viola da Gamba, Barockposaune, Naturtrompete, Schalmeien, Barockgitarre und Schlaginstrumente. Die schwedische Musikarchäologin Cajsa S. Lund kommentiert auf Deutsch am Beispiel der Kronan das reichhaltige Musikleben in der Marine und die Aufführungspraxis der frühbarocken Werke.

Begeisterter Applaus brandet auf nach dem kurzweiligen zweistündigen Konzert, das ausverkauft war.

Von Ann Brünink

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