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Brandenburg/Havel Mann terrorisiert seinen Wohnort – jetzt steht er vor Gericht
Lokales Brandenburg/Havel Mann terrorisiert seinen Wohnort – jetzt steht er vor Gericht
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18:07 21.10.2019
So schön Pritzerbe liegt, ein Bewohner stört andauernd den Frieden im Ort. Quelle: Dirk Fröhlich
Brandenburg/H

Ziemlich viel Betrieb vor dem Gerichtssaal. Die Richterin hat jede Menge Zeugen geladen. Die Leute aus Pritzerbe sollen aussagen über das Verhalten ihres Mitbürgers, auf den an diesem Tag im Amtsgericht Brandenburg sechs Strafprozesse warten. Die sind aber nur der Anfang.

In Pritzerbe kennt den 35 Jahre alten, nicht sehr großen Mann offenbar fast jeder. Er ist Stadtgespräch, aber die meisten Bewohner sind nicht gut auf ihn zu sprechen, wechseln die Straßenseite, wenn sie ihm begegnen.

Er terrorisiert

Auch Havelsee-Bürgermeister Günter Noack und Ortsbürgermeister Klaus Meyer ist der Schrecken von Pritzerbe bekannt. „Er terrorisiert in regelmäßigen Abständen unsere Bürger“, berichtet Noack.

Bevorzugt hat er es auf wehrlose Menschen abgesehen, Kinder, Alte, Behinderte. Selbst wer keine Angst vor ihm hat, sorgt sich um Frau und Kinder. Denn er scheint unberechenbar.

Polizei scheint weitgehend machtlos

Die Polizei äußert sich allerdings nicht zu dem Mann, vor dem die ganze erweiterte Nachbarschaft Schutz sucht und nicht recht findet. Die Polizei beruft sich bezogen auf den Angstmacher auf laufende Ermittlungen oder auf Daten- und Persönlichkeitsschutz.

Frauen und Männer, die schon mit dem schwierigen Bewohner zu tun hatten, erzählen, dass die meisten Anzeigen folgenlos geblieben seien.

Manchmal nur Kleinigkeiten

Manchmal sind die Vorfälle für sich genommen relativ geringfügig, etwa wenn er seine Zigarettenkippe gegen den Anorak eines ihm entgegen kommenden Passanten schnipst oder sich einem Rollstuhlfahrer in den Weg stellt oder einfach fremde Grundstücke betritt, um sich dort breit zu machen.

Als eher zu vernachlässigen lässt sich auch abtun, wenn der Mann nur schimpft, Parolen brüllt oder jemandem im Vorbeigehen den Stinkefinger zeigt. „Viele haben sich ihm schon ausgeliefert gesehen“, erzählt der Bürgermeister. Es müsse etwas passieren.

Hund auf Menschen gehetzt

Ein Anfang ist gemacht. Der Mann aus Pritzerbe, der vor einigen Jahren zurückgekehrt ist in sein Dorf und sein Elternhaus, hat vorerst seinen Mischlingshund verloren. Im Grunde kein böses Tier, doch dazu benutzt, Schrecken zu verbreiten. Das Ordnungsamt hat Hund und Herrchen deshalb vor einigen Wochen getrennt.

Einige Vorwürfe gegen den ledigen und kinderlosen Mann sind inzwischen angeklagt und vor Gericht gekommen. In der vergangenen Woche sollten vor dem Amtsgericht gleich sechs Prozesse stattfinden. Die fielen aus, weil die Richterin dem Angeklagten zunächst einen Pflichtverteidiger beiordnen will.

Sechs Anklagen

Die Staatsanwältin wirft dem Mann, der zuletzt als Turmdrehkranführer gearbeitet haben will, aktuell unter anderem Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung, Heil-Hitler-Rufe und Sozialbetrug vor, begangen zwischen 2017 und 2019.

Nicht nur Bürger aus Pritzerbe, sondern auch Polizisten mussten sich den Anklagen zufolge von ihm übel beschimpfen und attackieren lassen.

In einem Fall soll er mit seinem Hund gedroht haben, in einem anderen das Tier mit dem Ausruf: „Fass!“ auf eine vorbeiradelnde Mutter mit Tochter gehetzt haben, „dass der Hund sie beißt und verletzt“, wie die Staatsanwältin in der Anklage schreibt.

79-Jährigen angegriffen

Auch die Arbeitsagentur ist mit von der Partie. Der Behörde soll er seinen sozialversicherungspflichtigen Job verschwiegen und zugleich weiter staatliche Unterstützung kassiert haben.

Bis die Fälle verhandelt werden, könnten weitere hinzukommen, die womöglich strafrechtlich gravierender sind. Am 22. Juni hat der 35-Jährige nach Polizeierkenntnissen einen mehr als doppelt so alten Mann auf der Havelbrücke der B 102 zwischen Fohrde und Pritzerbe angegriffen und verletzt.

Dem damaligen Polizeibericht zufolge bat der 79 Jahre alte Mann den Jüngeren, doch seinen Hund anzuleinen. Der folgende Streit mündete in Gewalt.

Auch die eigene Familie

Der Jüngere schubste den Älteren, so die Polizei, gegen die Leitplanke und boxte ihn ins Gesicht. Danach versucht er, seinen Hund auf den auf dem Boden liegenden Verletzten zu hetzen.

Ein mögliches Gerichtsverfahren könnte allerdings etwas schwierig werden. Nach MAZ-Informationen lebt das Opfer nicht mehr.

Auch vor der eigenen Familie scheint der im Ort Gemiedene nicht halt zu machen. In der Kleingartenanlage an der Weme gab es am Freitag vor Pfingsten, soweit bekannt, Stress mit dem Vater und Nachbarn.

Filmreife Szenen

Von denen sollen einige sogar Szenen des Zusammentreffens gefilmt haben, Die Ermittlungen gegen den stadtbekannten 35-Jährigen dazu dauern an, teilt Markus Nolte mit, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam. Die Vorwürfe lauten: Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung.

Auch wenn die ersten Strafverfahren gegen ihn erst einmal unterbrochen wurden, hat der Angeklagte auch ohne Verteidiger schon einmal das Wort ergriffen im Amtsgericht Brandenburg.

Die Sicht des Angeklagten

Die Vorwürfe bezeichnet er als den „allergrößten Mist“, die Zeugen als gegen ihn „eingeschworene Gemeinschaft“. „Die Bewohner in dem kleinen Pissdorf wollen keine Ausländer, die sind Nazis“, schimpft er vor Gericht.

Obwohl ein Urteil noch gar nicht ansteht, versichert er der Richterin: „Ich zahle keinen Cent.“

Immerhin spricht er einen Satz aus, der Freude in Pritzerbe auslösen dürfte, falls er stimmt. Er lautet: „Ich bin aus dem Dorf ausgezogen.“ Die Leute glauben nur noch nicht richtig dran.

Von Jürgen Lauterbach

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