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Brandenburg/Havel Schuften bei 36 Grad: So gehen Brandenburger mit der Hitze um
Lokales Brandenburg/Havel Schuften bei 36 Grad: So gehen Brandenburger mit der Hitze um
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13:20 26.06.2019
Möchte ihren Job trotzdem nicht tauschen: Susann Rieschner betreibt auch bei heißen Temperaturen ihre Gulaschkanone. Quelle: Tobias Wagner
Brandenburg/H

Sonne, Strand und kühles Nass – die Sommerferien nehmen für die Kleinen in Brandenburg an der Havel mittlerweile langsam an Fahrt auf. Die Temperaturen tun ihr Übriges: Das Thermometer zeigt am Mittwoch teilweise 36 Grad an und die Wetterexperten sagen auch für das Wochenende hohe Temperaturen vorher. Da hilft zur Abkühlung nur ein Sprung in die Gewässer der Havelstadt. Wenn man denn die Zeit dafür hat.

Doch wie sieht es für die Menschen aus, die keine Ferien haben? Wie gehen Beschäftigte mit der Hitze an ihrem Arbeitsplatz um und welche Tipps haben sie? Die MAZ fragte nach.

Gulasch bei flirrender Hitze

Mittag auf dem Neustädtischen Markt, normalerweise ist jetzt die beste Zeit, hier einen Imbiss zu betreiben. Schließlich müssen die Angestellten der Innenstadt ja in ihrer Mittagspause etwas zu sich nehmen. Doch nicht an diesem Mittwoch. Im Zentrum des Platzes, inmitten des Flirrens des aufgeheizten Kopfsteinpflasters, sitzt Susann Rieschner an ihrer Gulaschkanone und bietet Bockwürste, süß-saure Eier und Gulasch an. Heiß, natürlich.

„Ich mache das gerne“, sagt die 53-Jährige unter ihrem Sonnenschirm, der zumindest etwas Schutz vor der Sonne bietet. Ihr Tag beginnt um 5.30 Uhr, dann steht Susann Rieschner in ihrer Küche im Stadtteil Görden und bereitet das Speiseangebot vor. „Bereits zu diesem Zeitpunkt herrscht dort eine Temperatur von 40 Grad,“ sagt die Verkäuferin.

Zu heiß für draußen

Die aktuelle Wetter macht sich selbstverständlich bemerkbar, es sei einfach zu heiß: „Es sind kaum Menschen unterwegs, aber so ein Tag geht auch vorbei.“ Nach dem Feierabend geht es in den Pool am Haus in Brielow. „Gott sei Dank“, so Rieschner.

Bis es soweit ist, nutzt sie das bisschen Schatten, welcher ihr zur Verfügung steht. „Dazu trinke ich viel Wasser, esse ab und an mal ein Stück Melone und trinke einen Schluck Cola für den Zuckerhaushalt“, empfiehlt die Verkäuferin.

Schwitzen trotz Klimananlage

Die Landfleischerei in der Hauptstraße verkauft zwar auch heiße Hausmannskost, hier bietet jedoch eine Klimaanlage eine willkommene Abhilfe bei den Temperaturen. Die Arbeit ist dennoch beschwerlich: „Am Heißtresen ist es schwierig und auch in der Küche können Temperaturen von bis zu 40 Grad auftreten“, sagt Sylvia Teuchert.

Zur Abkühlung gehts für Sylvia Teuchert auch mal kurzzeitig in die Kühlkammer der Landfleischerei in der Hauptstraße. Quelle: Tobias Wagner

Die Verkäuferin steht seit 15 Jahren hinterm Tresen der Fleischerei, auch hier merke man die Auswirkungen der aktuellen Hitze auf die Besucherzahlen: „Man weiß ja, was man selber isst, das ist einfach was anderes bei diesen Temperaturen.“

Viel Wasser und ein Gang in den Kühlraum

Neben dem Trinken von viel Wasser haben die Angestellten des Imbisses zudem eine ganz besondere Methode der Abkühlung: „Wenn es zu doll wird, dann stellen wir uns einfach für eine Minute in den Kühlraum“, so Teuchert. „Allerdings sollte man dort nicht zu lange drin bleiben, sonst erkältet man sich.“

Eine Erkältung liegt für die Verkäufer des Orient-Grills in der Steinstraße hingegen in weiter Ferne. „An den Dönerspießen kann es schon mal zwischen 45 und 50 Grad heiß werden,“ so Achmed Kajak. „Die fünf Mitarbeiter hier wechseln sich ständig ab, sonst wird es schwer, die Temperaturen auszuhalten.“

51 Grad? Kein Problem!

Seit 40 Jahren lebt Achmed Kajak in Deutschland, er stammt aus Ostanatolien in der Türkei. „Dort kann es bis zu 51 Grad heiß werden, als Südländer ist man somit an solche Temperaturen gewohnt“, sagt der Imbissverkäufer, der nächstes Jahr in Rente geht. Er hat einen ganz besonderen Tipp, um mit den heißen Temperaturen umzugehen: „Bei uns in der Türkei trinken wir viel Tee, Heißgetränke helfen tatsächlich“, rät Kajak.

Eis als beliebte Abkühlung

Wer jedoch in der Havelstadt auf das traditionelle Eis zur Abkühlung nicht verzichten möchte, der besucht beispielsweise das Eiscafé unter der Jahrtausendbrücke. Hinter der Eistheke finden die beiden angehenden Studentinnen Melina Mattig und Leonie Schultheiß Zuflucht vor der Hitze.

„Die Arbeit hier ist trotzdem anstrengend“, sagt Mattig, die seit zwei Monaten im Café angestellt ist. „Schließlich geben wir nicht nur Eis aus, sondern müssen auch alles vorbereiten, sauber halten und so weiter.“

Entweder raus oder Verbarrikadieren

Selbst der Eisverkauf sei bei den aktuellen Temperaturen schwierig: „So um die 28 Grad Außentemperatur sind ideal“, erklärt Schultheiß. „Aber 35 Grad sind für die Leute einfach zu viel.“

Leonie Schultheiß (links) und Melina Mattig finden ihre Abkühlung bei der Arbeit an der Eistheke. Quelle: Tobias Wagner

Da nützt auch der tolle Ausblick auf die Havel wenig. Nach dem Feierabend behelfen sich die beiden Abiturientinnen auf unterschiedliche Weise: „Entweder es geht an den See oder man bleibt gleich drinnen und verbarrikadiert sich“, empfiehlt Mattig.

Auch Stefano Cani, Inhaber des Eiscafés Venezia in der Steinstraße, bestätigt, dass nicht einmal Eis die Leute momentan wirklich vor die Tür locken kann. „Wir als Eisverkäufer haben zwar immer gut zu tun, aber es kommen tatsächlich weniger.“

Mal ist es zu heiß, mal zu kalt

In seinem Eiscafé ist es natürlich schön frisch, aber für Cani als geborenen Italiener seien die Temperaturen generell kein Problem. „Mich wundert die Aufregung hierzulande etwas“, gesteht der Eisverkäufer schmunzelnd. Schließlich sind diese Temperaturen im Mittelmeerraum an der Tagesordnung. „Und wenn es hier wieder kalt ist, dann meckern wieder alle.“

Von Tobias Wagner

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