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Brandenburg/Havel Wie ein Schwertransporter auf der B1 strandete
Lokales Brandenburg/Havel Wie ein Schwertransporter auf der B1 strandete
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17:28 31.07.2019
Unfall mit Schwertransport auf der B1: Die Betonbinder rutschten in der Nacht auf die Straße. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Karl Weskamp kann eigentlich nichts aus der Ruhe bringen: Seit 40 Jahren transportiert er riesige Betonteile quer durch die Republik. Seit vier Jahren ist er Rentner, doch in der Ferienzeit springt er immer wieder bei der Spedition Universal Paderborn ein.

Nur 20 Minuten Fahrt geschafft

Was ihm Dienstagnacht um 22.20 Uhr auf der Bundesstraße 1 zwischen Brandenburg und Plaue in Höhe des alten Flugplatzes Briest passierte, hat er noch nie erlebt.

Unfall Schwertransport auf der B1 Quelle: JACQUELINE STEINER

Hinter sich auf seinem Riesen-Lkw Scania hat er zwei jeweils 27 Meter lange Dachbinder aus Beton, zusammen 50 Tonnen schwer. Sie sind für ein Hallendach im westfälischen Marl bestimmt. Um 22 Uhr ist der Schwertransport gestartet am BWB Betonwerke Berlin-Brandenburg, das Team der BWB-Verladung hatte für eine ordnungsgemäße Ladungssicherung gesorgt, bestätigt BWB-Chef Ralf Jörg Rißling.

Unheil im Brems-Druckschlauch

Doch das Unheil lauert anderswo. Am so genannten Nachläufer, wo die Betonteile hinten aufliegen, hatte sich ein Druckschlauch des Bremssystems gelöst. Dadurch wurde automatisch eine elektrische Bremse ausgelöst.

Da bewegt sich so schnell nichts mehr. Selbst wenn die abgestürzten Betonteile irgendwann mal wieder aufgeladen und abtransportiert werden, ist fraglich, welche Schäden auf der Fahrbahn bleiben.

Der Nachläufer verlangsamte, die Zugmaschine fuhr mit Tempo 40 weiter, die hinteren Betonbinder-Enden knallten auf die Straße. Der Stoß setzte sich nach vorn fort und der Fahrer wurde mit dem Kopf gegen das Kabinendach katapultiert. Nach 30 Metern kam das Unglücksgefährt zum Stehen.

Es fehlt am Hebezeug

Weiterfahrt unmöglich, die 50 Tonnen Beton hingen noch an der Zugmaschine, die Enden hatten sich in die Straße gegraben. Ein großer mobiler Kran musste her. Noch in der Nacht reparierten der Fahrer und der Mann aus dem Begleitfahrzeug den Schaden, setzen den Druckschlauch mit neuer Schelle wieder auf. Allein am Hebezeug fehlte es.

Kranfirma verweigert Hilfe

Verhandelt wurde mit einer Firma aus dem Umland, die weigerte sich aber, einen Kran zu schicken. Universal hätte angeblich vor Jahren eine Rechnung nicht bezahlt. Auch eine schriftliche Erklärung zur Kostenübernahme aus Paderborn habe kein Umdenken bewirkt.

So blieb das gestrandete Riesengespann mitten auf der Bundesstraße stehen. Am Morgen regelte die Polizei den Verkehr, bis irgendwann eine Baustellenampel aufgestellt wurde – Stau gab es trotzdem auf beiden Seiten. Derweil hektische Suche nach einem Kran. Auch wenn nur 50 Tonnen zu heben sind, benötigt man ein Gerät mit 100 oder 200 Tonnen Hubkraft, wegen der Winkel und der Enge.

BMK-Profis helfen sofort

Dann eiste die heimische Firma BMK einen Kran von einem anderen Einsatz los. Unter Vollsperrung begann kurz nach 13 Uhr das Unternehmen Wiederaufladen. „Das sind echte Profis. In nur zehn Minuten hatten sie alles aufgeladen und mich rückwärts in die Flugplatz-Zufahrt dirigiert. So bin ich wenigstens weg von der Bundesstraße“, lobt Karl Weskamp. Die war 15 Stunden lang blockiert, weil so lange kein Kran gefunden war.

Behörden sind uneinig

Die Polizei hatte ihm versprochen, ihn zurück ins Werk zu lotsen, schließlich ist die Ladung Bruch und darf nicht mehr eingebaut werden. Und unbegleitet darf kein Schwertransport fahren. Gegen 15 Uhr erreicht ihn der Anruf, die Behörden würden sich nicht einig, vor Donnerstag gebe es keine neue Genehmigung. Zuvor hatte Polizeisprecher Oliver Bergsdorf noch bestätigt, dass es eine neue Verfügung des Landesbetriebes Straßenwesen gebe, diese aber noch nicht in seiner Behörde gelandet sei.

Kein Fahrfehler, sondern Pech

Weskamp hat keine Minute geschlafen, jetzt muss er noch eine Nacht in Brandenburg verbringen. „Das bin ich gewöhnt.“ Dann erzählt er, dass die abgestürzten Binder ja nur „kleines Zeug“ seien, sonst fahre er welche, die noch zehn Meter länger sind.

„Ich habe ja schon alles erlebt, bin mal in den Straßengraben gerutscht, habe mal eine Laterne gekratzt oder eine Ampel geknutscht. Aber so etwas noch nicht. Es war ja auch kein Fahrfehler, sondern ein ganz seltenes Versagen der Technik.“

Von André Wirsing

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