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Brandenburg/Havel Sechstklässer lernen Erste Hilfe im Unterricht
Lokales Brandenburg/Havel Sechstklässer lernen Erste Hilfe im Unterricht
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13:45 12.05.2017
Paul Lemke (l.) unterzeichnet die zwischen Schulleiterin Manuela Braatz und DRK-Ausbildungsleiter Torsten Messer abgeschlossene Vereinbarung. Quelle: Bür
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Pritzerbe

Es kann überall passieren: Zuhause, auf dem Weg zur Schule, in der Pause, an der Badestelle oder beim Fußball. Damit er weiß, was bei Verletzungen oder Unfällen zu tun ist, macht Paul Lemke (11) bei einem Erste-Hilfe-Projekt der Pritzerber Goethe-Grundschule mit. Wie seine 22 Klassenkameraden setzte der Junge aus Fohrde am Freitag in einem symbolischen Akt seine Unterschrift unter eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Schule und dem DRK-Kreisverband Brandenburg. „Ich freue mich auf praktische Übungen, um anderen Menschen helfen zu können. Bisher habe ich so etwas nur im Fernsehen gesehen“, sagt Paul. Auch Banknachbar Leonidas Merkouris (12) aus Briest findet es gut für Notfälle etwas dazuzulernen. Für „ganz wichtig“ hält auch Hermine Schleue (12) aus Pritzerbe Erste-Hilfe-Kenntnisse: „Wenn auf dem Schulhof etwas passiert, ist es gut wenn ich helfen kann, statt nur zuzuschauen.“

Ziel der Vereinbarung ist es, den Mädchen und Jungen der 6. Klasse Grundlagen der Ersten Hilfe zu vermitteln. Dafür stehen im Juni zwölf Unterrichtsstunden zur Verfügung. Im September sind die nächsten Sechstklässler an der Reihe. „Die Kosten der Ausbildung übernimmt der Bund“, sagte Torsten Messer, der im DRK-Kreisverband für die Aus- und Weiterbildung verantwortlich ist. Der Inhalt der Unterrichtseinheiten ist durchaus anspruchsvoll. Die Kinder werden zum Beispiel lernen die Bewusstlosigkeit eines Menschen festzustellen, eine Wunde zu versorgen und einen Druckverband anzulegen. Sie lernen die stabile Seitenlage kennen, und wie man einem verunglückten Motorradfahrer den Helm abnimmt. „Rund 90 Prozent der Ausbildung besteht aus praktischen Anwendungen“, berichtet Messer, der für ein Pflichtfach Erste Hilfe an den Schulen plädiert.

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Torsten Messer vom DRK-Kreisverband erklärt in der 6. Klasse den Sinn des Erste-Hilfe-Kurses im Juni. Quelle: Frank Bürstenbinder

Doch soweit ist die Bildungspolitik noch lange nicht. Schulleiterin Michaela Braatz ist schon froh, wenn sich aus der Kooperationsvereinbarung für die Sechstklässler einmal eine Schul-AG im Rahmen der Ganztagsbetreuung entwickeln würde. „Erste Hilfe passt gut in unsere Präventionsprojekte, die wir mit der Polizei und der Feuerwehr durchführen“, so Braatz. So gibt es an der Pritzerber Grundschule eine aktive Gruppe von Schülerlotsen. DRK-Ausbildungschef Messer hält den Ansatz für richtig Kindern schon in jungen Jahren Grundregeln der Ersten Hilfe beizubringen: „Schon ein richtig abgesetzter Notruf oder eine Wundversorgung nach einer Verletzung sind viel wert.“

In der Schule selbst halten sich Erste-Hilfe-Fälle in Grenzen. „Es gibt mal die eine oder andere Schürfwunde. Da kann jeder meiner Kollegen helfen, denn wir sind alle ausgebildete Ersthelfer. Das ist zum Beispiel auf Klassenfahrten wichtig. Nur bei akuten Erkrankungen stoßen wir an unsere Grenzen. Dann wird natürlich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen“, berichtet Schulleiterin Braatz.

Problematisch ist die laufende Fortbildung der erwachsenen Ersthelfer. Die Unfallkasse der Berufsgenossenschaft übernimmt die Kosten dafür nach einem Personalschlüssel. Das ist für die Pritzerber Schule gerade mal ein Pädagoge. Die anderen Kollegen müssen ihre Weiterbildung in Erster Hilfe privat finanzieren.

Von Frank Bürstenbinder

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