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Brandenburg/Havel Seemannsgarn und Schiffstouren: Hafenfest in Brandenburg an der Havel
Lokales Brandenburg/Havel Seemannsgarn und Schiffstouren: Hafenfest in Brandenburg an der Havel
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11:25 02.05.2019
Die Mitstreiter des Historischen Hafenvereins luden zum 8. Hafenfest in den Historischen Hafen am Packhof ein.
Die Mitstreiter des Historischen Hafenvereins luden zum 8. Hafenfest in den Historischen Hafen am Packhof ein. Quelle: Heike Schulze
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Brandenburg/H

Peter Gröwe (77) steht mit Vereins-T-Shirt und Kapitänsmütze auf der Jahrtausendbrücke in Brandenburg an der Havel und lädt Vorübergehende persönlich zum Hafenfest ein. Dessen offizieller Name ist 8. Wiemannfest, es dauert am Maifeiertag von 10 bis etwa 17 Uhr.

Gäste können mit historischen Schiffen fahren, sie besichtigen, gut essen und trinken und mit anderen Gästen und Vereinsmitgliedern fachsimpeln oder Erinnerungen –Seemannsgarn – austauschen. Das tun sie. Oft sind es Leute, die früher selbst auf der Wiemannwerft, später der Thälmannwerft, gearbeitet haben oder eine Zeit lang zur See gefahren sind.

Gröwe war von 1965 bis 1969 Seemann. Jedesmal fühlte er sich leicht und frei, wenn er mit seiner Mannschaft die DDR-Häfen verlassen hatte, technische Überprüfungen und Personenkontrollen überstanden waren und er durchatmen konnte. Dann war er Wochen oder Monate auf den

Peter Gröwe (77) mit Vereins-T-Shirt und Kapitänsmütze. Quelle: Heike Schulze

Weltmeeren unterwegs. Manchmal hatte er heimlich Wodka dabei, der sich gerade bei den Schweden gut verkaufen ließ. „Wir hatten eine Zeichensprache.“, erzählt er. Den Hals unterm rechten Ohr reiben, bedeutete, dass Alkohol zu haben ist.

Während des Landgangs zupften die Kunden dann unauffällig an den Ärmeln. Das Geschäft lief. Vor dem Einlaufen in den Heimathafen mussten Gröwe und die anderen seiner Mannschaft ihre mitgebrachten Westzeitungen ins Wasser werfen – Einfuhr verboten.

„Und wir haben die dann wieder rausgefischt,“ meldete sich eine Stimme vom Nebentisch. Wolfgang Panitzky (79) steuert bei, dass er von 1959 bis 1962 bei der Volksmarine arbeitete und vor der Insel Poel solche Druckerzeugnisse dann wieder aus dem Wasser fischen musste, „damit sie ja nicht am Strand angeschwemmt und gelesen werden.“ Das hat er mit seinen Kollegen lieber selbst gemacht, bevor die zerfledderten und getrockneten Zeitschriften vernichtet wurden.

Der Tag vergeht schnell bei solchen Gesprächen. Vereinsvorsitzender Wolfgang Unger und sein Schatzmeister Torsten Kirchhoff wünschen sich Zuwachs für ihren Verein. „Jede und Jeder, der gern schraubt und Schiffe selbst fahren mag, wird sich bei uns wohlfühlen.“, wirbt er ein bisschen. Und Arbeit an der frischen Luft sei ja sowieso was Gutes.

Hafenverein beteiligt sich an mehreren Festen

In diesem Jahr stehen noch das Museumsfest und der Tag des offenen Denkmals, der Fischerjacobi und das Fontane-Fest im Plauer Schlosspark an, an denen sich der Hafenverein beteiligt. Außerdem werden jeden Samstag Schleusenfahrten angeboten. Auch individuelle Fahrten sind möglich.

Aber schon an diesem Tag hat der Verein ungefähr 800 Gäste. Für die gibt es ein neues Souvenir: „Klarer Wiemann“ heißt der seemannstaugliche Kümmel, der in 0,02 l Fläschchen in limitierter Auflage verkauft wird. Ein „Süßer Wiemann“ und ein „Kräutertropfen“ werden folgen. Damit auch die Damen der Schifffahrt etwas mehr abgewinnen können.

Von Heike Schulze