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Brandenburg/Havel Sex im Solebecken: Bademeister unternimmt nichts
Lokales Brandenburg/Havel Sex im Solebecken: Bademeister unternimmt nichts
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22:21 04.03.2019
Die Steintherme in Bad Belzig. Quelle: Dirk Froehlich
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Bad Belzig/Brandenburg/H

 „Werfen Sie die Last des Alltags ab und schweben in eine andere Welt!“ Diese Aufforderung der Steintherme in Bad Belzig hatten zwei junge Gäste offenbar missverstanden. Denn was sie taten, war kein Liebesgeflüster mehr im Licht-Klang-Raum.

Badegäste, die dort Entspannung in der 34 Grad warmen Heilsole suchten, wurden von ziemlich eindeutigen Geräuschen aufgeschreckt. Obwohl auch zwei Kinder mit im Becken waren, trieb besagtes Pärchen sein Liebesspiel an jenem Samstagabend im Februar sowohl hör- als auch sichtbar.

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Die beiden Verliebten vergnügten sich mit lautem Stöhnen, berichten Ohren- und Augenzeugen. Eindeutige Bewegungen ließen keinen Zweifel aufkommen über das Geschehen in der öffentlichen Badeanstalt.

Beim Bademeister beschwert

Der Vater eines Mädchens hielt seine Tochter im Becken beständig davon ab, in die Nähe des Paares zu gleiten, berichtet eine Brandenburgerin, die den Sex in der Heilsole so abstoßend fand wie ihre Begleiter.

Die Familien Knappe, Brudler und Adam aus Brandenburg/Havel ließen es mit der eigenen Abscheu nicht sein Bewenden haben. Einer von ihnen ging zum Bademeister.

Wann die Liebe baden geht

Sex im Schwimmbad kann eine Straftat sein. Das bekamen vor wenigen Jahren zwei Heranwachsende zu spüren, die sich in der Erlebnisgrotte der Titania-Therme Neusäß vergnügt hatten. Ein Jugendrichter am Amtsgericht Augsburg verhängte zwei Wochen Dauerarrest gegen den 19-Jährigen sowie Freizeitarrest und 32 Sozialstunden gegen die 19-Jährige.

Erregung öffentlichen Ärgernisses nennt sich der Tatbestand nach Paragraf 183a Strafgesetzbuch. Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt.

Öffentlichkeit heißt dabei: Personen, die nicht in persönlicher Beziehung zum Täter stehen, müssen das Geschehen örtlich wahrnehmen können und zumindest eine Person muss es auch tatsächlich wahrnehmen. So jedenfalls erklärt Christian Günther von anwalt.de den Sachverhalt.

Exhibitionistische Handlungen werden ebenfalls bestraft, sind aber ein anderer Straftatbestand.

„Nachdem ich ihm den Vorfall schilderte und ihm das Pärchen über den Monitor zeigte, wollte er sich sofort darum kümmern“, berichtet der Besucher.

Doch geschehen sei nichts. Den Besuchern aus der Havelstadt „verging daher die Badelaune“. Auch die nochmalige Beschwerde an der Rezeption habe keine andere Reaktion hervorgebracht als Desinteresse.

Sex im Schwimmbad ist nicht die Regel

Ganz auf sich beruhen lassen wollten die enttäuschten Brandenburger Steintherme-Gäste die Sache gleichwohl nicht, zumal sie auch auf Schmutz im Umkleideraum gestoßen waren. Am folgenden Tag erreichte die Geschäftsführung der Bad Belzig Kur GmbH eine kritische E-Mail.

Prokuristin Ina Fink bestätigt den Eingang dieser Mail und erklärt die erst knapp drei Wochen später erfolgte Antwort mit personellen Gründen.

„Der Vorfall im Solebeckenbereich ist keinesfalls die Regel“, versichert die Prokuristin. Weil er schon so lange zurückliege, sei es nicht gelungen, im Detail nachzuvollziehen, was geschehen ist und wie die Mitarbeiter auf die Beschwerden reagiert haben.

Ina Fink entschuldigt sich

Die Angestellten sind laut Geschäftsführung angehalten, bei Beschwerden zu reagieren. Ina Fink entschuldigt sich im Namen des Teams, wenn die Gäste „einen anderen Eindruck hatten“.

Die Prokuristin versichert der MAZ, dass sie den Vorfall erst mit der zuständigen Teamleiterin besprochen habe und diese dann im Team die Verhaltensregeln vertieft habe. „Natürlich hätte reagiert werden müssen“, sagt Ina Fink.

Gleich einen Hausverweis zu erteilen oder Anzeige zu erstatten, das würde sie aber für überzogen halten. „Das wäre nicht meine erste Option, ich würde erst einmal mit den betreffenden Gästen reden“, erklärt die Frau, die im April die Geschäftsführung des Unternehmens übernimmt.

Einzelfall oder ständige Übung?

Der mutmaßliche Geschlechtsverkehr im Pool stellt aus Sicht der Geschäftsführung einen Einzelfall dar, so etwas geschehe nicht öfter.

Die Gäste aus Brandenburg/Havel haben andere Erkenntnisse: Die Freundin einer Nachbarin habe im vergangenen Jahr ähnliches erlebt, sei allerdings nicht eingeschritten. Das Solebad im Licht-Klang-Raum werde sogar scherzhaft als „Befruchtungsbecken“ bezeichnet.

Von Jürgen Lauterbach