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Brandenburg/Havel Sieben Seen: Das hat die Radtour rund um Brandenburg an der Havel zu bieten
Lokales Brandenburg/Havel Sieben Seen: Das hat die Radtour rund um Brandenburg an der Havel zu bieten
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11:26 07.10.2019
Die Sieben-Seen-Radtour führt auf einer Länge von 35 Kilometern um die Westliche Havelseenplatte.
Die Sieben-Seen-Radtour führt auf einer Länge von 35 Kilometern um die Westliche Havelseenplatte. Quelle: Tobias Wagner
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Brandenburg/Havel

 In Brandenburg laden 7000 Kilometer ausgebaute Radwege zum Erkunden ein – vorbei an unberührten Flussauen, durch grüne Wiesen und Wälder zu geheimen Badestellen und idyllisch gelegenen Ausflugslokalen. Die MAZ-Redaktion empfiehlt ausgewählte Routen.

Auf der Sieben-Seen-Tour können Radler auf einer Gesamtstrecke von rund 35 Kilometern nicht nur an unzähligen Stränden entspannen. und in gemütlichen Gasthäusern einkehren, sie passieren auch geschichtsträchtige Orte zwischen Brandenburg/Havel, Wilhelmsdorf, Kirchmöser und Plaue.

Auf 35 Kilometern entfaltet sich die Schönheit der Brandenburger Seenlandschaft.

Start und Ziel

Los geht die Tour in Brandenburg an der Havel in Richtung des westlich gelegenen Wilhelmsdorf. Die Havelstadt ist gleichzeitig auch Zielpunkt des Fahrradausflugs. Ein Vorteil des Startpunktes in der mit rund 72.000 Einwohnern drittgrößten und gemessen an der Fläche der größten kreisfreien Stadt des Bundeslandes Brandenburg ist zudem die gute Erreichbarkeit mit dem Zug: stündlich verbindet die Bahn unter anderem Berlin und Magdeburg mit dem Hauptbahnhof der Havelstadt. Dementsprechend ist die Fahrradstrecke auch für weiter entfernt wohnende Ausflügler eine (Zug-)Reise wert.

Vom Steintorturm, einen von insgesamt noch vier verbliebenen Tortürmen einer mittelalterlichen Wehranlage aus dem frühen 15. Jahrhundert, führt die Jacobstraße links vorbei an der Jacobskapelle. Das im Volksmund „Verrückte Kapelle“ genannte Bauwerk wurde im Jahre 1892 in einem Stück um 11 Meter aus der Straßenfront der Jacobstraße nach Westen geschoben.

Vorsicht: Hindernisse!

Nach ein paar hundert Metern erreicht der Radler nun das erste Hindernis der Strecke, die Kreuzung zwischen Wilhelmsdorfer Straße und der Bundesstraße 1. Auf das Grün der Ampel wartend, scheint dem Radausflügler hier zwischen vorbeirauschenden Brummis und PKWs der Weg in die malerische Seenlandschaft noch in weiter Ferne.

Der Rundweg der Sieben-Seen-Tour verbindet auf einer Länge von rund 35 Kilometern Brandenburg/Havel, Wilhelmsdorf, Kirchmöser und Plaue. Quelle: Tourismusverband Havelland e.V.

Auf der Fahrt Richtung Wilhelmsdorf folgt nach etwa 1,5 Kilometern die nächste Hürde- beim Bahnübergang der Zugstrecke zwischen Brandenburg Hauptbahnhof und Magdeburg sollte der Radfahrer beim Seitenwechsel des Radweges besonders auf den Autoverkehr achten. Von nun an verläuft die Strecke jedoch deutlich entspannter.

Zwischen der Siedlung Eigene Scholle und Wilhelmsdorf kann der Ausflügler zudem das erste Mal eine kleine Vesperpause auf der Försterbrücke einlegen. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Natur des Krugparks. Sollte der Radler genügend Zeit im Gepäck haben, empfiehlt sich ein Abstecher in das Naturschutzzentrum mit seinem drei Kilometer langen Natur- und Erlebnispfad.

Kurz nach dem Ortseingangsschild Wilhelmsdorf führt der gänzlich gut ausgeschilderte Rundweg auf dem Schmöllner Weg zum Buhnenhaus. Das dortige Restaurant bietet sich für eine längere Pause an. Hier kann der Gast deutsche Küche unter den Kastanien des Biergartens genießen.

Verstecktes Kleinod mit ausgefallener Karte

Wer es jedoch etwas ausgefallener und intimer mag, dem empfiehlt sich das Gartencafé „Imbiss am Wald“ nur wenige hundert Meter vor dem Buhnenhaus. Leicht versteckt kann sich der Ausflügler am Imbiss unter anderem mit Soljanka und Bigos, einen deftigen Krauttopf mit Schweinefleisch, stärken. Wer den Rest der Strecke zu Fuß gehen möchte, sollte zudem vom Zitroneneis mit Wodka und den leckeren Cocktails kosten.

Von nun an verläuft die Strecke auf dem gut ausgebauten Radweg zum Freizeitparadies Malge. Hier trifft man Ausflügler jeder Art: Rennradfahrer, Mountainbikeenthusiasten und Skater allen Alters rauschen in großen und kleinen Gruppen sowie einzeln vorbei. Während sich links der dichte Brandenburgische Mischwald erstreckt, lädt rechts des Weges außerdem der Breitlingsee mit zahlreichen kleinen und großen Badestränden zu einer Abkühlung ein.

Ruhige Insel im geschäftigen Treiben

Kleiner Tipp: zwischen dem Gasthaus Malge und dem dortigen Zeltplatz kann der Radler am Anleger der Niederhavelfähren entspannt das geschäftige Treiben auf der Terrasse des Gasthauses sowie dem Breitlingsee betrachten. Vor allem im Sommer kann es hier eng werden: unzählige Restaurantgäste genießen bei einem kühlen Getränk den Ausblick auf die Bucht, auf der sich Boote aller Art tummeln.

Zwischen Malge und dem Brandenburger Ortsteil Kirchmöser folgt der Radweg dann rund sechs Kilometer dem Ufer des Breitlingsees. Hier haben Radrennfahrer allerdings weniger Spaß. Wurzeln, die sich durch den Belag drücken, verwandeln die Fahrt in eine Schüttelpartie. Um den Großen Wusterwitzer See zu erblicken, nutzen Ausflügler bei der Einfahrt in Kirchmöser ein kleines Stück der Historischen-Stadtkern-Route in Richtung Wusterwitz.

Im Bereich des östlich liegenden Heiligen Sees stoßen Radler wieder auf den vorgegebenen Weg. Vor allem auf dessen „Industrieroute“ genannten Abschnitt lässt sich eine Menge aus der Geschichte Kirchmösers erblicken. Der Industrielehrpfad durch die Ortschaft zeigt Wissenswertes über die Entwicklung des Bauern- und Fischerdorfs Möser hin zum Industriestandort Kirchmöser. Der Schwerpunkt der Erläuterungen am Weg betrifft die Zeit ab dem 1. Weltkrieg.

In jener Zeit entstanden die bis heute weitestgehend erhalten gebliebenen Industrieanlagen und Wohngebiete, die Kirchmöser sein einzigartiges Gesicht geben. Dazu gehören die Badeanstalt, welche 1929 für die Beschäftigten der Kirchmöseraner Pulverfabrik errichtet wurde, sowie das Verwaltungsgebäude der Fabrik, das 1916 repräsentativ gestaltet wurde, um einen Akzent zwischen den einheitlichen Hallenbauten der Fabrik zu setzen. Dem gegenüber verläuft der Radweg entlang des charakteristischen Obelisken, der ab 1915 den Platz vor dem Nordtor der Pulverfabrik architektonisch aufwerten sollte.

Malerischer Schlosspark voller Historie

Nur ein paar Meter weiter verbindet eine Brücke Kirchmöser mit dem Brandenburger Ortsteil Plaue. Hier treffen sich der Wendsee und der Plauer See. Hat der Radfahrer diese Brücke überquert, dann führt die Sieben-Seen-Tour direkt durch den Plauer Schlossgarten, der sich heute auf noch etwa 19 Hektar erstreckt. Der Radweg im Schlosspark ist unbefestigt, hier sollte man vor allem zu dunklen Tagesstunden und zur Nachtzeit vorsichtig fahren.

Der Weg belohnt den Ausflügler jedoch unter anderem mit einem Fontane-Denkmal, von dem man einen schönen Ausblick auf die Kirche sowie einer Seeterrasse hat, die etwa 1860 vom Grafen Königsmarck aus den Steinen der eigenen Ziegelei am Südende des Parks erbaut wurde. Ab 1900 diente die Terrasse zudem als Tontaubenschießstand.

Etwas abseits des Weges findet der Radfahrer außerdem kleine Zugänge zum Plauer See, in denen heißgeradelte Füße eine wohlige Abkühlung erwartet. Herzstück des Parks ist das Plauer Schloss, erbaut zu Beginn des 18. Jahrhunderts an der Stelle einer mittelalterlichen Burganlage.

Direkt neben dem Schloss befindet sich das Schlosscafé. Dessen Karte lockt den Vorbeiradelnden nicht nur mit Kaffee und Kuchen, sondern auch mit Herzhaftem. Hier kann man im gemütlichen Innern oder auf der Terrasse alle Fünfe am Plauer See gerade sein lassen, der sich hier wieder zur Havel verjüngt, um unter der alten und dahinter der neuen Plauer Brücke weiter den Weg nach Norden anzutreten.

Sandstrand und Palmen

Wem allerdings ein kühles Getränk zur Rast reicht, der sollte die Beachbar direkt am Schlosscafé besuchen. Bei einem Radler kann selbiger zwischen Palmen (ja, richtig gelesen) die nackten Füße im extra aufgeschütteten Sand des Havelufers entspannen, bevor es über die alte Plauer Brücke zurück in die Havelstadt geht.

Die historische Stahlbrücke wurde von 1903 bis 1904 erbaut, hat eine Länge von 130 Metern und ist seit 2002 eine Radfahrer- und Fußgängerbrücke. Eine Sanierung des mittlerweile vor sich hin rostenden Bauwerks wird momentan noch diskutiert, die Finanzierung ist noch offen. Zu hoffen ist, dass die Wiederherstellung zügig geklärt wird, schließlich hat man von der Brücke einen wunderschönen Blick unter anderem auf das Plauer Schloss.

Nach Überquerung der Brücke folgt der Radler dann auf den letzten Kilometern der Bundesstraße 1 in Richtung Stadt Brandenburg. Steter Begleiter des Fahrradweges ist hier wiederum der Straßenverkehr, der einem auf dem Weg über den Stadtteil Quenz in die Innenstadt nicht mehr von der Seite weicht.

Glücklicherweise kann sich der Fahrradfahrer nach erfolgreichem Abschluss der Tour an einem der vielen ruhigen Plätze im Zentrum der Havelstadt noch einmal zurücklehnen und auf das Erreichte zurückblicken. Am Ufer der Havel, sei es beispielsweise am Heineufer oder am Packhof, ist der donnernde Lärm der Straße schnell vergessen und die Erinnerung an die Natur, die man vor ein paar Stunden durchquerte, ist schnell wieder gegenwärtig. Dann geht es wieder los, das Seele-Baumeln-Lassen.

Von Tobias Wagner

Brandenburg an der Havel - Der ganze Marienberg leuchtet in Pink
05.10.2019