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Brandenburg/Havel Optimistische Orgelklänge
Lokales Brandenburg/Havel Optimistische Orgelklänge
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12:24 01.01.2019
Ein Feuerwerk auf der Wagnerorgel schoss beim Silvesterkonzert im Brandenburger Dom am Nachmittag des letzten Tages im Jahr 2018 noch einmal Domkantor Marcell Fladere-Armbrecht ab. Die Besucher kamen so zahlreich das nicht nur die Stühle nicht reichten, sondern auch kaum noch Platz zum stehen war. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

 Marcell Fladerer-Armbrecht ist nicht nur ein Virtuose auf seiner fast 400 Jahre alten Wagner-Orgel, der Domkantor ist auch ein lebenskluger Mann. So hätte er das Programm für sein Konzert am letzten Nachmittag des Jahres 2018 auch nicht besser wählen können: Drei der sechs Orgelsonaten von Felix Mendelssohn-Bartholdy stellte er neben zwei bekannte Stücke von Johann Sebastian Bach: Präludium und Fuge in C-Dur sowie Toccata und Fuge in d-Moll.

Die Brandenburger sind hartgesottene Silvesterkonzert-Besucher. So ein ausgekühlter Dom hält sie nicht ab und glücklicherweise lagen auch genügend Decken bereit.

2018 war für die meisten Menschen nicht rauschend und brausend, aber für viele erfolgreich mit ein paar nachdenklich machenden Tendenzen – der viel zu lange Sommer mit seiner Dürre, die Angst vor einem Auseinanderdriften der Gesellschaft beispielsweise.

So lag der Kirchenmusikdirektor wohl richtig mit seiner Auswahl von teils festlichen, teils lyrischen Stücken. Beginnend mit Bartholdys 3. Sonate, die auf einem Luther-Choral beruht („Aus tiefer Not schrei ich zu dir“, bei der die Orgel noch kühl-blechern klingt, endet es doch versöhnlich in Bachs „Toccata und Fuge“, dem bekanntesten europäischen Orgelwerk, das dem Zuhörer auch beim x-ten Mal noch eine neue Nuance beschert in seinen meist zweistimmigen Harmonien.

Der Romantiker Mendelssohn-Bartholdy war wohl vertraut mit der Orgel, hat er doch deren Spiel in seiner Berliner Zeit (1825-1829) unter anderem bei August Philipp Bach auf der Wagner-Orgel in der Marienkirche erlernt, über die er später einmal schrieb, sie sei „ein starkes Instrument“.

Überraschend dennoch, wie feinsinnig er diesem leise Töne entlockt. So in der Sonate Nummer 4 in B-Dur. Sie beginnt mehr oder weniger als Improvisation, bekommt immer mehr Liedcharakter – die einzeln hörbaren „Instrumente“ werden dezent von der Orgel begleitet. Sehr versöhnlich und harmonisch.

Ist es diese Sehnsucht nach Beständigkeit, der die Brandenburger Jahr um Jahr am Silvesternachmittag in die Domkirche strömen lässt, es es der Wunsch nach diesem versöhnlichen Abschluss fürs Jahr und dem entspannten Ausblick aufs Kommende? Wohl von allem ein bisschen. Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn ist die Kirche schon proppenvoll, das Publikum besteht wahrlich nicht nur aus den Kulturbeflissenen, es sind ganz junge und ganz alte Zuhörer da. Viele von ihnen sind Profis in Sachen Kirchenklima. Entsprechend mit Sitzkissen und Decken ausgestattet erscheinen sie, Hunderte Decken liegen zudem auf einer Bank im Seitenschiff. Doch sie reichen irgendwann genauso wenig wie die Sitzbänke. Irgendwann sind auch die eilends ausgegebenen Klappstühle alle, Glück hat, wer seinen eigenen Anglerstuhl mitbringt. Der Rest muss stehen. Annähernd 700 Menschen verfolgen das einstündige Konzert. Irgendwie verlässt man es erfrischt und gestärkt, sinniert ein Besucher beim Rausgehen. Dann hat doch Marcell Fladerer-Armbrecht alles richtig gemacht.

Von André Wirsing

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