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Brandenburg/Havel Die THB hat jetzt ein Smarthome-Labor
Lokales Brandenburg/Havel Die THB hat jetzt ein Smarthome-Labor
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12:28 08.05.2019
Smartes Licht in verschiedenen Farben kann Reiner Creutzburg im neuen Labor mit seinem Handy für jede Lampe extra einstellen. Dem Professor geht es aber nicht um Spielerei, sondern um Sicherheit und Sicherheitslücken. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Die Informatiker der TH Brandenburg haben vor wenigen Tagen ihr „Smarthome“-Labor eingerichtet und eröffnet. Die mit europäischen Efre-Fördermitteln in Höhe von fast 100.000 Euro geförderte Multimedia-Einrichtung kommt Informatik Studenten und Forschern zugute. Aber nicht nur.

„Wir wollen in die Region wirken und suchen die Kooperation zum Beispiel mit Betrieben, Banken und Krankenhäusern“, sagt Reiner Creutzburg, langjähriger Informatik-Professor an der Technischen Hochschule Brandenburg (THB).

Die Hochschulinformatiker können dabei helfen, die ferngesteuerte Haustechnik in Firmen und Privathäusern sicherer zu machen, sie vor oft leicht möglichen Angriffen von außen zu schützen. Für Kooperationen und gemeinsame Projekte mit Unternehmen und in Einzelfällen auch mit Privatleuten sind sie offen.

Die TH Brandenburg hat seit wenigen Tagen ein Smarthome-Labor. Im Fokus steht die Sicherheit bei der ferngesteuerten Haustechnik – vom smarten Licht bis zum noch smarteren Türschloss. Die Region soll von dem Labor profitieren.

Im neuen Smarthome-Labor lässt sich vieles simulieren, was oft schon für wenige Euro in Geschäften an Smarthome-Anwendungen angeboten wird, um das Leben daheim oder im Unternehmen angenehmer, komfortabler, schicker – eben smarter zu machen.

Das können Glühbirnen mit eingebautem Mikrofon sein, die je nach Musik mit unterschiedlichem Licht auf den Rhythmus reagieren. Das bringt vielleicht Spaß und mehr Licht ins Leben, bedeutet aber auch, dass der Nutzer sich nach außen öffnet.

Die Mikrofone nehmen schließlich nicht nur den Rhythmus auf, sondern auch alles andere, was in den eigenen vier Wänden so geredet wird. Wo die aufgezeichneten Daten landen oder landen können, das wissen die meisten Konsumenten nicht, erklärt der neue Brandenburger Informatik-Professor Ulrich Baum.

Zum Design kommt die Sicherheit

Die Brandenburger Hochschule legt daher viel Wert darauf, ihre Informatik-Studenten so auszubilden, dass sie die Sicherheit im Blick behalten, wenn sie an Funktion und Design arbeiten. „Wir wollen ordentliche Leute für unsere Unternehmen in der Region ausbilden“, sagt Professor Creutzburg.

Creutzburg, Baum und ihre Kollegen verteufeln die neuen technischen Möglichkeiten keineswegs, sehen in vielen Anwendungen sogar sinnvolle Lösungen. Etwa wenn ein Gerät erkennt und mit einem Alarm in dem Moment reagiert, indem ein alter oder gebrechlicher Mensch in der eigenen Wohnung oder in einem Pflegeheim zu Boden stürzt. Solch spezielle Bewegungsmelder-Technik gibt es. Nicht alles ist Spielerei.

30 Milliarden Geräte

Der Markt für Smarthome-Technik wächst an allen Ecken und Enden. Auf neun Milliarden Menschen auf der Welt kommen inzwischen schon 30 Milliarden Geräte, Tendenz stark steigend versichert Creutzburg.

Systeme von Loxone, HomeMatic und einige freie Komponenten steuern Lampen, Heizungen, Fenster, Türen, Jalousien, PCs, Musik, Fernseher, Kühlschränke, Türschlösser und vieles mehr.

Das eigene mobile Gerät und eine App reichen zur Programmierung, zu welchen Zeitpunkten sich die Jalousie automatisch heben und senken, die Türen öffnen oder schließen, der Fernseher sich ein- und ausschalten oder ein Lämpchen beim nächtlichen Toilettengang gedämpftes Licht zur Orientierung spenden soll.

Risiken des erleichterten Alltags

Was den Alltag erleichtert, birgt Risiken, wie Professor Ulrich Baum erklärt. Jede Smart-Home- Komponente stellt einen kleinen, vernetzen Computer dar, der als Ziel für Angreifer so interessant sein kann wie ein Computer, Laptop oder Smartphone.

Die meisten Geräte sind klein und billig. Die Hersteller bieten allerlei Funktionen an, bauen aber selten wirklich gute Sicherheitsvorkehrungen ein. Kaum ein Gerät lässt sich automatisch auf den neuesten Stand bringen, updaten, wie es in der Fachsprache heißt.

Passen die Nutzer nicht auf und läuft alles über das gleiche Netzwerk, können Fremde unbemerkt zum Beispiel über die Jalousie-Steuerung zu den Daten auf dem Rechner oder Smartphone gelangen – oder die Haustür öffnen.

Leichter Zugang für Fremde

Diese Fremden, das können Verbrecher sein, aber auch scheinbar harmlose Dritte. Krankenversicherungen könnte es interessieren, wie ihr krankgeschriebener Versicherter sich in zu Hause verhält. Wie mobil er ist oder wie viel Bier er im Kühlschrank lagert, um es ganz platt auszudrücken.

Das neue Labor ist mit vielerlei gängiger Smarthome-Steuertechnik und Rechnern ausgestattet – vom Amazon Echo bis zu den Systemen von Loxone, HomeMatic, Philips und anderen.

Blick auf die Sicherheitslücken

Alexa von der Firma Amazon ist auch vertreten im neuen Smarthome-Labor der TH Brandenburg und wird dort kritisch unter die Lupe genommen.

Unter dem Leitsatz „Smart Home, aber sicher!?“ können Forscher und Studierende die Funktionsweise und Technik mittels einer neuen Laborausstattung erproben, eventuelle Sicherheitslücken aufspüren und schließen, Chancen und Risiken abschätzen und parallel dazu den immer wichtiger werdenden Bereich des Datenschutzes beleuchten. So erklärt Informatik-Professor Claus Vielhauer die Bedeutung des neuen Labors, den der Europäische Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) mitfinanziert hat.

Die Master-Informatikstudenten nutzen das Labor schon. Alle 18 haben sich für das Wahlpflichtfach „Sicherheit von IoT und Smart Home Systemen“ entschieden.

Die Informatiker der THB haben sogar drei mobile Koffer, mit deren Inhalt sie Smarthome-Steuerungsmöglichkeiten und Sicherheitslücken auch außerhalb des Hochschullabors aufzeigen können. Ihr Wissen und ihre Erfahrung bieten sie für die Region Brandenburg an.

An Kooperation Interessierte können sich an Professor Creutzburg wenden unter der E-Mail-Adresse creutzburg@th-brandenburg.de, oder an das Zentrum für Gründung und Transfer der THB unter zgt@th-brandenburg.de.

Von Jürgen Lauterbach

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