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Brandenburg/Havel So lebte der namenlose Tote vom Schmöllner Weg
Lokales Brandenburg/Havel So lebte der namenlose Tote vom Schmöllner Weg
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18:05 28.06.2019
Der freundliche Obdachlose vom Schmöllner Weg hat in dieser ärmlichen Hütte gehaust. Dort ist er auch gestorben. Woran ist nicht bekannt. Quelle: Jürgen Lauterbach
Brandenburg/H

Mit der Welt abgeschlossen hatte er lange, bevor er sie verlassen hat. Der unbekannte Tote vom Schmöllner Weg hat Spuren hinterlassen, jedoch keine, die zu seinem Namen oder seiner Herkunft führen.

Dabei war der obdachlose Mann zu jedermann freundlich, hatte trotz seiner Einsamkeit lose Kontakte in seiner Umgebung. Er zog aber immer dann die Trennlinie, wenn jemand etwas über ihn und seine Geschichte wissen wollte.

Der einsam gestorbene obdachlose Mann war zu jedermann freundlich. Er hatte lose Kontakte in seiner Umgebung. Er zog aber immer dann die Trennlinie, wenn jemand etwas über ihn und seine Geschichte wissen wollte.

Die Polizei versucht, die Identität des Mannes zu klären, der am 1. Mai am Schmöllner Weg tot in einem verlassenen Bungalow aufgefunden wurde. Bungalow ist allerdings ein großes Wort für die Behausung, die der Fremde aus mehr oder weniger freien Stücken für sich gewählt hatte.

Am Rande eines Feldes

Am Rande eines Feldes zwischen Schmöllner Weg und Ziesarer Landstraße steht tatsächlich ein alter Bungalow aus Holz, dessen Decke eingestürzt ist. Dort hat der mysteriöse Mann aber nicht gewohnt.

Er hauste gleich nebenan: Hinter einem Stacheldrahtzaun in einer Art Nebengelass oder Schuppen, der zu jenem herrenlosen Bungalow gehört haben mag. Umgeben von Dickicht, schwer zugänglich.

Wohnlich ist es dort keineswegs, wenigstens hat es ein Wellblechdach überm Kopf. Im zügigen Wohnzimmer liegt noch eine Art Felldecke auf dem kargen Boden und eine Jeanshose.

Bei den großen Ameisen

„Ja, dort hat er jahrelang gewohnt, wir haben ihn oft mit seinem Fahrrad kommen und gehen gesehen“, berichtet Renate Böhme, die am anderen Ende des Feldes lebt.

Guten Tag und guten Weg habe man sich gewünscht, näher gekannt habe sie den Mann nicht, den die Polizei als etwa 1,80 Meter groß, 50 bis 60 Jahre alt und kräftig beschreibt. Sie geht davon aus, dass er sieben Jahre lang an dem unwirtlichen Ort gelebt hat, an dem die Ameisen größer sind als gewöhnlich und die Dornen stacheliger.

Der rätselhafte Fremde war nicht abweisend, hat aber so gut wie nichts über sich verraten. Eine frühere Familie habe er mal erwähnt, dann aber dichtgemacht, erzählt Mike Reichelt, der auf einem Nachbargrundstück zu Hause ist und mehrere Male mit ihm gesprochen hat.

Kein Alkoholproblem

Den Nachbarn, den es behördlich gar nicht mehr gab, hat er als zurückhaltend und bescheiden erlebt, aber nicht als verwahrlost. Er sei stets sauber und einigermaßen anständig gekleidet gewesen. Und er habe nicht getrunken.

Nachbar Mike Reichelt hatte dem Obdachlosen im Winter den eigenen Wohnwagen angeboten. Doch der wollte nicht. Quelle: Jürgen Lauterbach

 

Im vergangenen Winter hat Mike Reichelt dem Obdachlosen angeboten, dass er die kalten Monate in seinem Wohnwagen verbringen könne. Eine gute Idee, der beschriebene Schuppen ist nach allen Seiten außer von oben offen. Vor Kälte schützende Räume bietet er nicht.

Der Fremde, mit dem ein vernünftiges Gespräch über Oberflächliches immer möglich war, hat das Wohnwagen-Angebot gleichwohl abgelehnt. Er wollte auch nicht ins Haus einer großzügigen Wilhelmsdorferin einziehen, die ihm diesen Vorschlag gemacht hatte.

Mehr Komfort abgelehnt

„Seine absolute Unabhängigkeit war ihm wichtiger als jeder Komfort“, berichtet Mike Reichelt. Einen Ausweis hatte der Mann nicht. Nicht seine Welt.

Die Behörden kennen auch deshalb keinen Namen, weil der Mann weder Hartz IV noch andere staatliche Unterstützungen in Anspruch genommen hat oder haben wollte. Nur im Brandenburger Obdachlosenheim war er laut Polizei gelegentlich.

Nach einem Sturz habe ihn die Polizei einmal von der Straße aufgelesen und ins Krankenhaus bringen lassen, erzählt Mike Reichelt. Offenbar rückte er auch da nicht mit seinem Namen oder sonstigen Details heraus.

Mit Pfandbons bezahlt

Viel Geld hatte der am Ende einsam gestorbene Mann nicht. Er hat Pfandflaschen gesammelt und in Einkaufstüten mit seinem dunklen Herrenrad transportiert.

„Er hat immer mit Pfandbons bezahlt“, erzählt Sandra Olm, Angestellte im nahen Netto-Markt, wo der Unbekannte Kunde war. Alkohol habe er nie gekauft, nur Tee, Kerzen und solche Dinge.

In der Rumpelkammer des Schuppens erinnert noch das alte rostige Fahrrad an den langjährigen Bewohner. Drum herum liegen alte Zeitschriften, Zeitungen und das ein oder andere Buch herum.

Unterstützung von den Nachbarn

Diese Hinterlassenschaften geben einen Hinweis darauf, wie der Mann seine Stunden daheim bei Kerzenlicht verbracht haben könnte.

Schnell könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Welt diesen obdachlosen Menschen vergessen hat und daher auch nicht vermisst. Das wäre ein Trugschluss.

Leute aus der Nachbarschaft haben immer wieder Herz bewiesen, haben ihm besonders im Winter Kleidung und Decken gebracht, die er auch gern entgegengenommen hat.

Sehr netter Mann

Sandra Olm hat den sehr netten Mann mit dem beigen Stoffrucksack zu Festtagen wie Weihnachten oder Ostern „Taschen mit Festlichem“ überreicht. Darüber hat er sich gefreut. Bewohner des Schmöllner Weges brachten Jacken, Decken. Er war dankbar.

Ein Nachbar hat gelegentlich nach ihm geschaut, ob noch alles in Ordnung ist. So auch an dem stürmischen Tag der Arbeit, denn er hatte den Obdachlosen länger nicht zu Gesicht bekommen. An diesem 1. Mai war nichts mehr in Ordnung.

Ein Nachbar fand den Toten

Der Mann mit dem rundlichen Gesicht, den mittellangen, dunkelbraunen Haaren und der kräftigen Statur lag vermutlich schon mehrere Wochen oder sogar Monate tot in seinem erbärmlichen Reich.

Aus der Welt, von der er in Raten Abschied genommen hatte, ist er den letzten Schritt gegangen. Leise, ohne Namen, ohne seine Geschichte.

Bemühungen der Polizei

Woran er gestorben ist, lässt sich nicht sagen. Opfer eines Verbrechens ist er jedenfalls nicht geworden.

Die Brandenburger Polizei versucht, den Toten nachträglich zu identifizieren. In den vergangenen Tagen hat sie zwei Hinweise erhalten, denen sie nun nachgeht.

Wer mehr weiß und Hinweise geben kann, findet unter der Polizei-Telefonnummer 03381/5600 einen Ansprechpartner.

Von Jürgen Lauterbach

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