Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel So schlimm steht es wirklich um die kaputte Brücke „20. Jahrestag“
Lokales Brandenburg/Havel So schlimm steht es wirklich um die kaputte Brücke „20. Jahrestag“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:30 10.12.2019
Die Brücke des „20. Jahrestages“ ist Autofrei seit ihrer Sperrung. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Hoffnungen auf eine (eingeschränkte) Verkehrsfreigabe der Brücke „20. Jahrestag“ bis zu einem Ersatzneubau dürfen getrost begraben werden. So sagt dies keiner laut, doch alle Fakten sprechen dafür. Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) und der städtische Brückenexperte Peter Reck haben über die aktuelle Lage am Montagabend den Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung ausführlich informiert.

Massive Risse im Beton

„Es gibt massive Risse im Beton. Die Veränderungen in der Konstruktion gehen über das gewohnte Maß hinaus“, sagt Scheller. Der für die Baulast der B 1 zuständige Landesbetrieb Straßenwesen LS weigert sich strikt, die Prüfergebnisse vom 5. Dezember – dem Tag der Sperrung – an die Stadtverwaltung herauszugeben. „Das ist unter Kollegen ein unübliches Gebaren“, wundert sich Reck.

Es sieht gespenstisch aus, wo sonst 17.000 Fahrzeuge am Tag rollen, herrscht nun Stille. Bis auf zwei behördliche Prüftrupps und ein paar Fußgänger darf niemand mehr auf die gesperrte Brücke.

Mindestens genauso verwunderlich sei, dass der Verwaltung ein Sperrungsaufschub von nur wenigen Tagen kategorisch verweigert worden ist. „Wir wollten nur ein wenig Vorlauf haben, um Umleitungen einzurichten, Schilder aufzustellen, Ampeln umzuprogrammieren und mit den Verkehrsbetrieben einen Notfahrplan einzurichten“, sagt Reck.

Stadt hatte keinen Vorlauf

Dass dies so barsch verweigert wurde, sagt einiges über den Brückenzustand aus. So bekamen Verwaltung und Verkehrsbetriebe unberechtigterweise den Frust der staugeplagten Brandenburger ab. Nur schrittweise gelingt es, so etwas wie Normalbetrieb auf den Ausweichrouten hinzubekommen. An diesem Dienstagvormittag werden die Ampeln noch einmal umprogrammiert, bislang waren nur die Annäherungssensoren tot gelegt und ein Festzeitenprogramm geschaltet, um wenigstens an den wichtigsten Kreuzungspunkten wie Magdeburger Landstraße/August-Sonntag-Straße sowie Zanderstraße/Spittastraße einigermaßen Abfluss zu ermöglichen.

Reparatur unmöglich

An ein Reparieren der Brücke ist nicht zu denken, auch können nicht einzelne Teile demontiert werden, ohne dass alles zusammenfällt. Das Brückenbauwerk mit seinen 192 Metern Spannweite besteht aus bis zu acht parallelen Spannbeton-Hohlkästen. Der Bewehrungsstahl steht komplett unter Spannung, um Druck- und – wichtiger noch – Zuglasten aufzunehmen. „Der Stahl ist bündelweise längs und quer vorgespannt, eine Demontage ist unmöglich. Zudem sind einige der Kästen nicht begehbar, schon seit den Jahren 2006/07 haben wir die geschlossenen Räume von unten aufgefräst, um sie inspizieren zu können und damit das darin stehende Wasser ablaufen kann“, erläutert Reck.

Auch in der so genannten Europakurve seien Unmengen an Bündelspanngliedern verbaut, die ein teilweises Demontieren unmöglich machen.

Zwei Prüftrupps parallel

Wie wichtig dem Landesstraßenbetrieb der Zustand der Brücke zu sein scheint, beweist auch die Tatsache, dass am Montag der erste Prüftrupp zum Untersuchen der Schäden geschickt wurde, und am Dienstag gleich ein zweiter hinterher.

Die Summe aller Indizien könnte darauf hindeuten, dass in absehbarer Zeit auch die unter der Brücke hindurch führende B 102 zumindest bis zu einer Demontage des Bauwerks gesperrt werden könnte. Die Verwaltungsvertreter können auf die Frage nicht antworten, der Landesbetrieb hüllt sich in Schweigen, bislang auch auf MAZ-Anfrage.

Zeitplan für die nächsten Tage

Wie geht es nun weiter? Am 18. Dezember sollen die Stadtverordneten aller Fraktionen einen von Scheller vorbereiteten Appell an Landes- und Bundesregierung verabschieden unter dem Titel „Brücken bauen BRB“. Am 19. Dezember gibt es einen Krisentermin mit Stadtspitze und Landesbetrieb Straßenwesen bei Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU) in Potsdam, im Januar gibt es mit dem LS die turnusgemäßen Jahresplanungs-Gespräche.

Die Landtagsabgeordnete Britta Kornmesser (SPD) hat bereits in dieser Woche einen Termin bei Beermann, die Freien Wähler haben über ihre Landtagsfraktion eine Kleine Anfrage nur zu den Brandenburger Brücken an die Landesregierung gestellt.

Stadt bereitet Ausbau vor

Die Verwaltung bereitet sich auf alles vor: Scheller und Reck haben bereits angekündigt, die Umleitungsstrecken weiter auszubauen, Abbiegerspuren zu verlängern, grüne Abbiegepfeile zu installieren, wen n die Sperrung zum Dauerzustand wird.Vorsichtshalber sollte sie auch auf weitere Sperrungen vorbereitet sein.

Lesen Sie auch:

Brücke „20. Jahrestag“: So umfahren Sie die Sperrung

Heftige Reaktionen: Die Brandenburger diskutieren über die Brückensperrung

Brücken-Experte will der Stadt helfen

Marode Brücke: Alle haben es gewusst!

Von André Wirsing

In der Jacobstraße schließt eine Praxis. Patienten befürchten, dass sie noch länger auf einen Augenarzttermin warten müssen. Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg sieht keinen Grund zur Sorge.

10.12.2019

Glühweinverkauf im Akkord und Mehrweg-Konzept passen nicht zusammen, behaupten viele Weihnachtsmarkt-Betreiber. Eine bayerische Händlerin beweist ihnen auf dem Neustädtischen Markt in Brandenburg/Havel das Gegenteil.

10.12.2019

Seit Donnerstag ist die Brücke am Altstadt Bahnhof in Brandenburg gesperrt – eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen der Havelstadt. Die Stadtverwaltung appelliert an Autofahrer, den Klingenberg zu meiden.

09.12.2019