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Brandenburg/Havel Sogar das Sexleben wird überwacht
Lokales Brandenburg/Havel Sogar das Sexleben wird überwacht
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00:27 25.01.2015
Yvonne Hofstetter sprach beim Security-Forum der FHB.
Yvonne Hofstetter sprach beim Security-Forum der FHB. Quelle: P. Rißling
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Brandenburg an der Havel

Vor gut hundert Teilnehmern referierte Yvonne Hofstetter als eine von zehn Rednern zur fehlenden Kontrolle des Einzelnen über sein Smartphone, vor allem aber zur unbemerkten Überwachung des Menschen durch die amerikanische Industrie. Deren Maschinen und intelligente Algorithmen machten aus dem Subjekt Mensch und seiner Würde ein Objekt, das seine Grundrechte und seine Privatsphäre einbüßt.

Yvonne Hofstetter ist Chefin des Münchener Unternehmens Teramark Technologies, spezialisiert auf die Auswertung großer Datenmengen mit lernenden Maschinen. Gleichwohl warnt sie vor intelligenten Maschinen, „die uns vereinnahmen werden, weil sie in unser Denken eindringen, Gefühls-, Verhaltens- und Informationskontrolle betreiben werden“. Natürlich könnten Verbraucher mit Smart-Home-Technik zum Beispiel die Luftfeuchtigkeit zu Hause regeln. Doch die gleiche Technik stellt anhand der erhöhten Luftfeuchtigkeit fest, „welche Aktivitäten im Schlafzimmer stattfinden“, sagte sie, ohne das Wort Geschlechtsakt auszusprechen.

Hofstetter brachte das Beispiel eines Deutschen in Amerika, der sich dort krankenversichern wollte. Da er weder bei Facebook noch bei Xing registriert war, verlangte die Versicherung einen um 15 Prozent höheren Tarif. Grund: Ohne Facebook wisse man ja nichts über sein Freizeitverhalten. Die Juristin fürchtet, dass die Grundrechte bald nichts mehr wert sein könnten. Im „transatlantischen Kulturkampf“ vertraut sie eher Europa als Amerika mit seinen auf hemmungsloses Geldvermehren ausgerichteten Geschäftsmodellen. Allerdings sei viel Geld nötig, damit europäische Technologien an die Stelle der amerikanischen treten können .

In welche Fallen Kinder und Jugendliche im Internet unschuldig tappen, welchem sexuellen Missbrauch sie dort ausgesetzt sind, das schilderte Julia von Weiler. Sie führt den Verein „Innocence in Danger“ (Unschuld in Gefahr), ein Netzwerk gegen sexuellen Missbrauch. Ältere Jugendliche und Erwachsene nutzen die Unbedarftheit von Kindern aus, pirschen sich über die sozialen Netzwerke und mit Hilfe von Smartphones an sie heran, gewinnen ihr Vertrauen, um sie am Ende zu Sexfotos und -filmen zu verleiten. Erst ist es vielleicht nur ein Bild, dann fordern die Fremden immer mehr.

Dennis Bohne, Mitorganisator des Forum, freute sich über die Teilnahme von Andrea Voßhoff (CDU), der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit. Die Rathenowerin sieht sich immer wieder Kritik an ihrer Arbeit ausgesetzt. Auch gestern war von einem leidenschaftlichen Kampf für die Rechte in der digitalen Welt bei ihr wenig zu spüren. Nach den Worten der obersten Datenschützerin ist die digitale Sicherheit eine Großbaustelle, die nur mit europäischen Maßstäben und multinational einheitlichem Engagement zu bewältigen ist.

Von Jürgen Lauterbach und Philip Rißling

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