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Brandenburg/Havel Sommerfest in Ziesar unter neuer Flagge
Lokales Brandenburg/Havel Sommerfest in Ziesar unter neuer Flagge
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13:30 23.07.2017
Die Musikgruppe der begrüßte die Besucher des Sommerfestes in der Wohnstätte Albrechtshof.
Die Musikgruppe der begrüßte die Besucher des Sommerfestes in der Wohnstätte Albrechtshof. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Ziesar

Klaus hat seinen großen Auftritt. „Herzilein“ ist sein Lieblingslied, das er immer wieder gern ins Mikrofon schmettert. Dietmar und Beate haben sich für „Weine nicht kleine Eva“ entschieden. Gösta singt das Lied vom Frosch, während Ingo den Sommer lobt. Die Männer und Frauen der Musikgruppe im Albrechtshof waren die Stars beim Sommerfest des Miteinander-Verbundes, der nach Ziesar einlud.

Mit dabei der langjährige Leiter der sanges- und spielfreudigen Bewohner, Joachim von Bienenstamm aus Grüningen. Trotz seiner 83 Jahre hält er der Behinderteneinrichtung die Treue. „An zwei Tagen in der Woche besuche ich die Musikgruppe für gemeinsame Proben. So lange die Gesundheit mitspielt, bleibt das auch so“, bekräftigt von Bienenstamm, der seine Schüler schon seit der Zeit kennt, als die Wohnstätte noch tief im Wald in Friesdorf bei Wollin versteckt lag.

Einrichtungsleiterin Marion Lüdecke begrüßt Bewohner und Gäste zum Sommerfest. Quelle: Frank Bürstenbinder

Vor fünf Jahren zogen die 32 Bewohner mit geistigen und teilweise auch körperlichen Behinderungen mit ihren Betreuern in den Neubau nach Ziesar um. Nicht allen fiel die Umgewöhnung leicht. Doch inzwischen sind die über 20 Jahre in Friesdorf, die mit der Enthospitalisierung nach der Wende begannen, Geschichte. „Zurück möchten wir nicht mehr. In Ziesar wurden die neuen Mitbewohner gut aufgenommen. Es ist eine tolle Einrichtung geworden“, schwärmt Regine Höpfner, Vorsitzende des 1990 gegründeten Elternvereins. Dessen Mitglieder hatten sich nach der Wende für die Einrichtung einer dezentralen Wohnstätte für ihre behinderten Kinder stark gemacht. In Friesdorf fand sich ein ehemaliges Ausbildungscamp der Stasi. Bis 1996 war der Landkreis der Träger, bevor die Miteinander gGmbH die Einrichtung übernahm.

Joachim von Bienenstamm leitet seit vielen Jahren die Musikgruppe der Miteinander-Wohnstätte. Quelle: Frank Bürstenbinder

Das Sommerfest des Verbundes mit seinen Einrichtungen in Ziesar, Benken, Görzke und Bad Belzig stand in diesem Jahr ganz im Zeichen eines neuen Kapitels der Unternehmensgeschichte. Die Miteinander gGmbH arbeitet seit wenigen Monaten unter dem Dach des in Berlin ansässigen Vereins RC Partner für Reintegration und Chancengleichheit. Hinter dem im Raum Brandenburg eher unbekannten Träger stecken neben einer Zentrale mit Fachdiensten mehrere Verbünde, die bislang vor allem bei Berlin und im Landkreis Oberhavel zahlreiche Wohnstätten und ambulante Einrichtungen führen.

Der RC e.V. und seine Töchter betreuen seit der Übernahme der Miteinander-Standorte über 200 Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen sowie Klienten mit erworbenen Hirnschäden. „Wir sind sehr froh über die jetzige Zusammenarbeit mit den neuen Standorten. Alle Einrichtungen sind gut geführt. Die Häuser und Dienste sind eine Bereicherung für den RC, sagte Andrej Marterer von der RC Rehaconsult Berlin gGmbH.

Andrej Marterer von der RC-Geschäftsführung. Quelle: Frank Bürstenbinder

Auch Marion Lüdecke, Leiterin der Einrichtung Albrechtshof, ist davon überzeugt mit dem RC einen starken Partner für die Zukunft zu haben. Sie nahm das Sommerfest, für das Mitarbeiter und der Kultur- und Heimatverein Ziesar ein üppiges Kuchenbuffet beisteuerten, zum Anlass, um langjährigen Kollegen zu ihren Dienstjubiläen zu gratulieren. Außerdem dankte sie den Mädchen und Jungen der Kita für einen Auftritt. Zur Integration des Hauses in das Stadtleben gehören inzwischen regelmäßige und gegenseitige Besuche im Kindergarten und in der Schule. Für Bürgermeister Dieter Sehm ein Beleg, dass die Einrichtung in den fünf Jahren seit dem Umzug längst in der Stadt angekommen ist. Außerdem unterstützt die Kommune Pläne der Betreibergesellschaft zur Erweiterung der Angebote in der Tagesbeschäftigung. Dazu könnte in Zukunft das benachbarte Scheunengebäude samt ehemaliger Kleiderkammer gehören. Das Anwesen wird im Rahmen der Stadterneuerung rekonstruiert. „Die Stadt würde eine nachhaltige Nutzung des Ensembles unterstützen“, so Bürgermeister Sehm. In einem Teil der Scheune ist bereits die Heizzentrale für den Albrechtshof untergebracht.

Einrichtungsleiterin Lüdecke informierte beim Fest über einige Personalien. Nach einer Neuwahl bleibt André Holz Vorsitzender der Bewohnerschaftsrates.

Von Frank Bürstenbinder

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