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Brandenburg/Havel Sorge um Zukunft der Medizinischen Hochschule: Professoren schlagen Alarm
Lokales Brandenburg/Havel Sorge um Zukunft der Medizinischen Hochschule: Professoren schlagen Alarm
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12:12 10.05.2019
Markus Deckert, Dekan der MHB, Maximilian Fichtl, Medizinstudent im 7.Semester, Klinikums-Geschäftsführerin Gabriele Wolter sowie , Chefarzt Stefan Lüth (von rechts) in der Bibliothek der MHB. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Will das Land Brandenburg die Ärzteausbildung erweitern, so geht das nur in Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Brandenburg MHB. Zu dieser Einschätzung gelangen MHB-Leitung, Klinikumsspitze und Stadtführung unisono. Das könnte über eine Lausitz-Außenstelle, eine weitgehende Kooperation oder über ein Einsteigen des Landes als MHB-Gesellschafter geschehen. Letzteres hatte jüngst die Linken-Führung im Land ins Gespräch gebracht.

Die Verantwortlichen reagieren damit auf die vor wenigen Tagen von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gemachte Ankündigung, möglicherweise in Cottbus eine universitäre Medizinerausbildung anzusiedeln und dies aus den Bundesmitteln für den Kohleausstieg zu finanzieren.

Positive Effekte fürs Klinikum

„Um die Diskussion mal positiv anzugehen, möchte ich kurz skizzieren, welche positiven Effekte die MHB bereits für das Klinikum gebracht hat, ohne dass bereits ein Student seine Ausbildung beendet hat“, sagt Klinikums-Geschäftsführerin Gabriele Wolter. „Die MHB-Gründung fiel etwa zeitgleich mit dem Generationswechsel bei den Chefärzten. Mit der Aussicht auf Lehre und Forschung waren wir auch attraktiver für die Bewerber. Entgegen den Prognosen haben wir unsere Fallzahlen auf aktuell 24.000 im Jahr immer weiter gesteigert. Ganz einfach, weil wir nun auch ein viel größeres Leistungsspektrum mit beispielsweise Angiologie, Kardiologie, Neurochirurgie und Dialyse anbieten können.“ Der Fallschwere-Index CMI liege mittlerweile bei 1,12, das reiche an den Standard eines Universitätsklinikums heran. Deshalb erwirtschafte das Klinikum jedes Jahr auch drei Millionen Euro mehr als noch 2012. Die erst im vorigen August eröffnete Dialysestation habe schon mehr als 1000 Patienten und sei komplett ausgelastet.

Forschung bringt Patienten

„Wir Professoren haben verschiedene Forschungsbereiche, mein Kollege Ivo Buschmann beispielsweise mit seinem Lauflabor bringt auch neue Patienten“, sagt der Internist und Chefarzt Stefan Lüth.

„Wir sind die Pioniere des neuen Studienmodells, das wir an der MHB von Beginn an pflegen – weg vom Frontalunterricht, hin zu Kleingruppen und praxisbezogenem Lernen. Dabei lernen wir als Professoren auch ständig dazu.“ Der Onkologe und MHB-Dekan Markus Deckert ergänzt: „Ein Medizinstudiengang in Cottbus, wie er der Landesregierung vorschwebt, wäre wahrscheinlich der unattraktivste in der ganzen Republik.“ Die MHB sei bereits 2014 entstanden als Antwort auf die Fragen, welche die Politik erst jetzt aufwerfe. Bis vor fünf Jahren habe es im ganzen Bundesland keine Medizinerausbildung gegeben. „Wenn ich Modellrechnungen höre, dass für den neu geplanten Studiengang bis zu einer Milliarde Euro aus dem Kohle-Geld gebraucht werden könnten, frage ich, wieso bekommen wir das mit einem Bruchteil des Geldes hin“, sagt Deckert. Wenn jeder Cottbus-Studienplatz mit 250.000 Euro im Jahr finanziert werden soll, komme man an der MHB mit weniger als der Hälfte aus.

Markus Deckert, Dekan der Medizinischen Hochschule Brandenburg . Quelle: Rüdiger Böhme

Als Woidke mit dem ganzen Kabinett in dieser Woche in Neuruppin tagte, gab es am dortigen MHB-Standort Proteste gegen die Landespläne eines konkurrierenden Studiums. Woidke sagte zwar, die MHB werde nicht vergessen, aber weder er noch sein Vize Christian Görke (Linke) gaben konkrete Zusagen. Hinter verschlossenen Türen soll Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) gesagt haben, dass zusätzliche Studienplätze gebraucht würden, dies aber nicht zu Lasten der MHB gehen sollte.

Gemeinsame Sache mit dem Land

„Wir wissen, dass gerade Wahlkampf ist. Gleichwohl werden wir aktiv aufs Land zugehen und unsere Hilfe anbieten. Zudem planen wir gerade, die Zahl unserer Studienplätze spürbar zu erhöhen. Was liegt also näher als mit dem Land gemeinsame Sache zu machen“, sagt Dekan Deckert. Eine neue Fakultät aus dem Boden zu stampfen, dauere fünf bis acht Jahre. Das könne man schneller haben, wenn man auf die MHB-Erfahrungen zurückgreife. Zumal man hier bereits den „Masterplan Medizinstudium 2020“ praktiziere, den alle anderen Hochschulen und Unis ab dem nächsten Jahr umsetzen müssen.

Medizinstudent Maximilian Fichtl. Quelle: Rüdiger Böhme

Maximilian Fichtl (26) stammt aus München und studiert an der MHB im siebten Semester. „Ich bin unglaublich glücklich über meien Entscheidung. Mit Freunden habe ich mich in Vorlesungen in Erlangen, München und Budapest reingemogelt. Der Kontrast zwischen dem Frontalunterricht und dem Studium hier ist gewaltig“, erzählt der angehende Unfallchirurg, der demnächst sein Praxissemester antritt. „Die Ankündigung des Landes hat uns natürlich verunsichert und die Frage aufgeworfen, was wird aus jedem einzelnen.“ Die Leistungen der Studenten seien überdurchschnittlich gut, sagt Stefan Lüth, die MHB beteilige sich freiwillig an einem Vergleichstest von 24 medizinischen Fakultäten europaweit.

Auch Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) liegt die Hochschule am Herzen: „Die MHB und ihre Studenten sind eine große Bereicherung für die Stadt und stärken den Gesundheitsstandort Brandenburg an der Havel.“

 

Von André Wirsing

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