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Brandenburg/Havel Junges Leben in Brandenburg
Lokales Brandenburg/Havel Junges Leben in Brandenburg
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16:46 27.03.2014
Quelle: D. Hänsch
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Brandenburg an der Havel

Die nackte Statistik führt ein in die Lebenswelt von Jungen und Mädchen, deren Eltern jeden Euro umdrehen. Der Bericht lässt mit Angaben zum Wohnungsleerstand und zur Bevölkerungsdichte auch ein Blick schweifen über die Stadtteile, ob sie nun grün wie die Ortsteile sind oder dichter bebaut wie Hohenstücken. Auch das hat Einfluss auf die Lebenswirklichkeit von Kindern. Steht Haus an Haus mit vielen Wohnungen sind Spielkameraden zwar nah, die kindliche Welt aber auch geprägt von Autolärm und weniger natürlicher Freifläche.
Die Zahlen machen eines ganz deutlich: In keinem Stadtteil Brandenburgs ist die Kinderarmut so hoch wie in Hohenstücken, in keinem so niedrig wie in der Innenstadt und den Ortsteilen. 65 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Hohenstücken leben in einem sozialschwachen Haushalt. Es sind rund 2300 Kinder unter 15 Jahren, deren Eltern auf Hartz IV angewiesen sind.
Deutschlandweit liegt ihr Anteil bei 19 Prozent, das sind nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes 2,5 Millionen Kinder, die von Armut bedroht sind. Experten sprechen von einer relativen Armut, gemessen an der Lebenssituation von Kindern etwa in Afrika oder Asien. Es sind die Söhne und Töchter von Eltern, die nur rund 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens in Deutschland beziehen. Das lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2012 bei 1692 Euro und im vorigen Jahr bei 1726 Euro. Armutsgefährdet ist also ein Kind, dessen alleinerziehende Mutter rund 1020 Euro im Monat an Einkommen hat.
Stadtweit gelten rund 30Prozent der Kinder als von Armut bedroht. Ihnen fehlt es häufig an witterungsgemäßer Kleidung und sie leben unter schlechteren Wohnbedingungen. In Kirchmöser sind es 18 Prozent, in der Innenstadt 17 Prozent und auf dem Görden 30 Prozent der dort lebenden Kinder.
Bei der sozialen Bewertung der Lebenssituation der jüngsten Brandenburger fehlt das Thema Jugendarbeitslosigkeit nicht. Sie liegt ebenfalls in Hohenstücken am höchsten. Dort waren nach den jüngsten Zahlen von 2012 mehr als 15 Prozent der Heranwachsenden ohne Lehre und gingen auch nicht mehr zur Schule. Am geringsten ist die Jugendarbeitslosigkeit in Plaue (6,25 Prozent) und der Innenstadt (fast 7 Prozent).
Auch die stadtteilbezogenen Zahlen der Arbeitslosendichte führt der Bericht auf. Damit ist der Anteil der Erwerbslosen an der Gruppe der Männer und Frauen zwischen 25 und 65 gemeint. Er liegt in Hohenstücken bei 22 Prozent, in der Innenstadt bei 8 Prozent, in Kirchmöser und Plaue mit 10 Prozent etwas höher, auf dem Görden bei knapp 13 Prozent, in Nord und in den Gebieten rund um den Zentrumsring bei 14 Prozent, in der Walzwerksiedlung bei 13 und in den Ortsteilen erfreulicherweise nur bei 5 Prozent.
Große Unterschiede bestehen bei den Hartz-IV-Familien in der Stadt Brandenburg, was die Inanspruchnahme von Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket anbelangt. Gerade in Hohenstücken, wo besonders viele Kinder aus sozialschwachen Familien leben, wird dieses Hilfsangebot am seltensten beantragt. Es geht um Zuschüsse zu Klassenfahrten, für den Vereinssport und Schwimmunterricht etwa. Nicht einmal jedes dritte Kind kann in Hohenstücken von diesen Leistungen profitieren, obwohl es einen Anspruch auf sie hätte. Auf dem Görden nehmen 90 Prozent der Hartz-IV-Familien dieses Angebot wahr, in der Innenstadt 80 Prozent. Stadtweit sind es 52 Prozent der sozialschwachen Eltern.
Zahlen legte das Jugendamt auch vor zu den Kindern und Jugendlichen, die nicht mehr bei ihren Eltern, sondern in Wohngruppen und Heimen leben. Die Gründe dafür sind etwa familiäre Spannungen, Überforderung der Eltern, Gewalt in der Familie. Stadtweit sind es 1,43 Prozent aller unter 25-Jährigen. In Hohenstücken liegt ihr Anteil dreimal höher, in der Innenstadt bei einem guten halben Prozent aller Kinder und Jugendlichen.
Am meisten gab die Stadt nach diesen Zahlen für die Jugendarbeit in Hohenstücken, in der Innenstadt und in Kirchmöser aus. Dort lagen je 100 Jugendliche die Ausgaben bei rund 27000 Euro. In Nord fördert die Stadt Jugendarbeit nur mit knapp 7000 Euro je 100 Jugendliche und in den Ortsteilen mit 1800 Euro. Geschuldet ist dies auch dem Umstand, dass die Jugendeinrichtungen mit den meisten Besucherzahlen in eben jenen Stadtteilen liegen.
Als Zahlenmaterial bietet der Bericht auch Angaben über Wohnungsleerstand, Bevölkerungsdichte und Durchschnittsalter. Nicht überraschen dürfte, dass in Nord das durchschnittliche Alter der Bewohner bei fast 55 Jahren liegt. Am jüngsten sind jene, die ihre Wohnung in der Innenstadt gewählt haben mit knapp 43 Jahren. Das Durchschnittsalter lag 2012 in Brandenburg an der Havel bei 47Jahren.
Den höchsten Leerstand muss Hohenstücken verkraften, wo fast jede vierte Wohnung unvermietet ist, gefolgt von gut 17 Prozent in jener Region Brandenburgs, den die Sozialplaner Ring nennen. Er entspricht den Straßenzügen rund um den Zentrumsring.
Am dichtesten leben die Brandenburger in Hohenstücken. Je Quadratkilometer sind dort 6733 Männer, Frauen und Kinder gemeldet. In der Innenstadt leben auf der gleichgroßen Fläche halb so viele Menschen, in Kirchmöser sind es gerade einmal 159, in Plaue 112 und in den Ortsteilen 90.

Von Marion von Imhoff

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