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Brandenburg/Havel 18 Straftaten: Stalker aus Hohenstücken steht vor Gericht
Lokales Brandenburg/Havel 18 Straftaten: Stalker aus Hohenstücken steht vor Gericht
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07:39 26.11.2019
Der Stalker in Hohenstücken belästigte sein Opfer viel offener und direkter als der Mann auf diesem Symbolfoto. Doch auch er kam fast täglich und drang in die Wohnung ein. Quelle: Kai Remmers/dpa
Brandenburg/H

Es war leider nicht Schneewittchen, die im Bett einer in Hohenstücken lebenden Brandenburgerin gelegen hat. Ein ausgewachsener Mann suchte die Wohnung der Frau fast täglich auf.

Immer wieder drückt er die Balkontür der Erdgeschosswohnung auf, dringt ein und fühlt sich wie zu Hause. Gruselig klingt, was die Zeugin vor dem Schöffengericht Brandenburg/Havel über die ungebetenen Besuche berichtet.

Obdachloser bekommt Kontaktverbot

Sie kennt den Mann zwar aus der kurzen Zeit der gemeinsamen Obdachlosigkeit. Doch nach einer heftigen Auseinandersetzung vor mehr als zwei Jahren, als auch sie zugeschlagen hat, gibt es einen klaren richterlichen Beschluss: Cliff B. darf seit Sommer 2017 keinen Kontakt suchen zu seiner Bekannten und deren 14 Jahre alten Tochter.

Der 36 Jahre alte Mann, der wegen anderer Straftaten auf jeden Fall bis Ende 2020 in Sachsen im Gefängnis sitzt, hält sich nicht an die Regel. Durch die von ihm selbst beschädigte Balkontür schafft er es immer wieder, in die Wohnung zu gelangen, selbst wenn die beiden Bewohnerinnen nicht da sind.

Angekleidet im fremden Bett

Dort benimmt sich der Obdachlose, als sei er in den eigenen vier Wänden. Er duscht, bedient sich beim Fisch, verspeist ihn, übergibt sich. Der Eindringling sprüht unverständliche Sprüche an die Wand. Er legt sich sogar ins Bett der Frau, Kleidung und Schuhe behält er an.

„Ich fand das ekelig“, berichtet die Zeugin. Sie erzählt unter Tränen, wie ihr Stalker Cliff B. den Schrank geplündert und Handys und Schlüssel geklaut habe. Später gibt er ein Smartphone zurück, lauert dafür aber der Tochter auf.

Kein Schlaf mehr ohne eingeschaltetes Licht

Andauernd kreuzt er auf. Die so häufig heimgesuchte Brandenburgerin kann ohne eingeschaltetes Licht folglich nicht mehr schlafen. Sie ist völlig fertig.

Das liegt auch daran, dass der Stalker bedrohlich wird. Auf der Suche nach der Frau hebt er sogar das Sofa in der Nachbarwohnung in die Höhe und bedroht den dortigen Mieter.

Bei einer Gelegenheit versucht die gestalkte Frau, den lästigen Kerl mit Pfefferspray loszuwerden. Vergeblich. Er reißt ihr einen Ohrring von ihrem Ohr. Sie will fliehen, scheitert aber.

Pikser mit Messer „nicht böse gemeint“

Vor der Tochter fuchtelt der Eindringling sogar mit einem Messer herum, pikst das Mädchen gar an der Schulter. „Ich habe sie nur angetippt, das war nicht böse gemeint“, lässt er die Richterin wissen.

Das Schöffengericht muss ein Urteil sprechen zu insgesamt 18 vorgeworfenen Straftaten, von denen sich zwar viele, aber nicht alle auf die Frau beziehen, die der Angeklagte behauptet, so sehr zu lieben, dass er ständig auf sie achtgeben müsse.

Lauter Briefe und 50 rote Rosen

Im Brandenburger Obdachlosenheim hatten sich beide vor etwa drei Jahren kennengelernt. Eine Beziehung wurde daraus nie, aber einmal gab es wohl Sex. Die gestalkte Frau machte den Fehler, ihm ihre Adresse zu nennen, als sie eine Wohnung bekommen hatte.

Danach beginnt im Jahr 2017 der ewige Terror, zu dem auch nie gelesene Briefe des Angeklagten gehören und Geschenke wie ein Kugelschreiber in Herzform und 50 Rosen.

Das Stalken, die Verstöße gegen das gerichtliche Kontaktverbot und damit gegen das Gewaltschutzgesetz sind nur eine Facette der Anklage der Staatsanwaltschaft Potsdam. Hinzu kommen andere, ebenfalls erhebliche Delikte.

Alle Polizisten kennen den Mann

Im Jahr 2017 gibt es in Brandenburg/Havel kaum einen Polizeibeamten, der Cliff H. nicht kennt. Einsätze seinetwegen bedeuten, dass die Polizei mit mindestens vier Kräften ausrückt.

Eine andere Frau, nämlich seine Ex-Partnerin, soll Cliff B. der Anklage zufolge zu Boden gestoßen und bedroht haben im Streit um die gemeinsame Tochter. Gegen Polizisten soll er sich wiederholt mit Gewalt gewehrt haben, was er ebenfalls bestreitet. Er habe nur weglaufen wollen.

Mit Cuttermesser bedroht

Auf der langen Liste stehen auch die Bedrohung eines Passanten in der Steinstraße mit einem Cuttermesser und mehrere Diebstähle. Einen davon kündigt er der Verkäuferin im Laden Underground sogar an.

Er nimmt die mehr als 200 Euro teure Ware mit den Worten: „Das ist jetzt meine Jacke, die nehme ich mit.“

Der gebürtige Sachse Cliff B. hat einmal den Beruf des Raumausstatters gelernt. Doch seit etwa zwölf Jahren arbeitet er nicht mehr. Für das Gericht ist noch ein Rätsel, was mit ihm los ist.

Entwurzelt oder wahnsinnig

Begeht der obdachlose Mann seine Straftaten aus seiner sozialen Notlage heraus oder ist er psychisch ernsthaft krank, leidet an einem Wahn, wahnhafter Eifersucht? Ein Hangtäter, der dauerhaft in der Psychiatrie behandelt werden und dort erst einmal leben sollte?

Der beauftragte Gutachter wird den Angeklagten erneut untersuchen und versuchen, sich ein Bild zu machen von dem in großen Teilen geständigen Mann, der sagt: „Die ganze Stadt ist gegen mich.“ Der Prozess wird im Dezember fortgesetzt.

Von Jürgen Lauterbach

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