Stephan Bodens Woche: Der gute Tropfen vom Marienberg
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Brandenburg/Havel Bodens Woche: Der gute Tropfen vom Marienberg
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Stephan Bodens Woche: Der gute Tropfen vom Marienberg

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14:01 29.06.2020
Mit den Jungs an Bord: Hund Günther und Mini-Boden Ivan schippern mit.
Mit den Jungs an Bord: Hund Günther und Mini-Boden Ivan schippern mit. Quelle: Stephan Boden
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Brandenburg/H

Der in Brandenburg an der Havel lebende Autor Stephan Boden führt sein Corona-Tagebuch nun in einer wöchentlichen Kolumne fort. Die MAZ veröffentlicht seine Beobachtungen regelmäßig und exklusiv.

Bodens Woche: Nr. 3, Kalenderwoche 26

Ich war gestern an der Werft, um den 2019er Wein zu kaufen, der am Marienberg, hier mitten in Brandenburg an der Havel, angebaut wird. Da ich Weißwein sehr gern mag und Brandenburg sowieso, war das eine logische Folgerung. 2019 muss bei den vielen Sonnenstunden ja ein guter Jahrgang werden und so fuhr ich am Nachmittag hin und kaufte eine Kiste für uns und noch eine für gute Freunde von uns.

Gegen Acht Uhr, als Ivan schlief, haben wir ihn dann einen kleinen Schluck probiert und ich muss sagen, dass er meine geschmacklichen Erwartungen bei weitem übertrifft. Das Zeug ist gut! Hoch lebe der Marienberg und die Brandenburger Sonne!

Guter Tropfen: das Marienbergwasser Quelle: Stephan Boden

In unserer kleinen Familie bin ich der, der sich ums Kochen kümmert. Anja kocht nicht so wirklich gern und ich liebe es. Also habe ich überlegt, dass ich zu dem Wein mal ein schönes Menü mache. Und nun kommt der Haken an der Geschichte: Die Zutaten. Fleisch ist derzeit ja sehr ins Gerede gekommen, seit erst in Coesfeld, danach in Gütersloh in den Fleischfabriken massive Corona-Ausbrüche zu verzeichnen waren.

Das so etwas in Gütersloh passiert, ist für einen gebürtigen Bielefelder kein Wunder. Gütersloh wird dort traditionell als ziemlich komische Stadt angesehen. Also habe ich weiter überlegt, was ich anstelle eines schönen Stückchen Fleisches kochen sollte und natürlich kommt dann das Thema Geflügel recht schnell auf. So eine leckere Hühnchenbrust oder sowas.

Salat aus Hackepeter

Aber die Nachrichten des Tages ließen mich auch diesen Plan sofort wieder verwerfen, denn bei Wiesenhof ist nun auch das Virus ausgebrochen und Geflügel auch mit den kleinen Coronatierchen verseucht. Was erst recht nicht als Speise auf den Tisch kommt, ist veganes Essen, denn das macht offenbar den Kopf kaputt, seit Attila Hildmann, der durchgeknallte Veganerkönig, noch immer am Verschwörungs-Rad dreht.

Seine Theorien werden immer furchtbarer. Abgesehen von Hildmann ist mir dieses Zeug aber ehrlich gesagt sowieso suspekt. Bouletten aus Buchweizen oder vegane Steaks aus irgendwas mit Pflanzen. Da es vor allem in meiner Berliner und Hamburger Zeit immer wieder Leute gab, die einem erklären, dass „das echt genauso wie Fleisch schmeckt”, habe ich von dem Zeug in der Vergangenheit ein paar Mal probiert und muss gestehen: Nein - es schmeckt überhaupt nicht wie Fleisch. Außerdem ist vegane Hühnerbrust echt schräg. Da könnte ich den Spieß auch umdrehen und Salat aus Hackepeter machen, oder? „Schmeckt genauso wie Ruccola!”

Dann lieber Zander vom Plauer Fischer

Das Leben aber zeigt einem immer die besten Auswege. Und die Beste aller Möglichkeiten, die ich zu dem leckeren Wein kochen kann, ergibt sich aus der Lage unserer Stadt. Sie ist umgeben von Wasser und was liegt da nahe? Fisch! Fisch ist zu Weißwein sowieso immer eine gute Idee und so fahre ich heute mal zum Fischer und kaufe einen Wels oder einen Zander, der letzte Woche noch glücklich die Kanincheninsel umrundet hat und dann im Netz eines Plauer Fischers landete. Am Wochenende übernachten wir mit Günther und Ivan auf unserem Boot und dann grille ich Fisch. Unser Test an Bord mit den „beiden Jungs” klappte wirklich prima, die sind reif fürs Bootsleben.

Stephan Bodens Hund Günther auf dem Boot Quelle: Stephan Boden

In dieser Woche habe ich auch gesehen, dass ich noch etwas Nachhilfe in Sachen Online-Shop-Betreiber brauche. In den letzten Tagen habe ich recht viele der Corona-Tagebücher verkauft und immer wieder hier im Büro sehr nette Menschen getroffen, die sich die signierten Bücher abgeholt haben und Günther streichelten. Seit Anfang der Woche jedoch ist der Verkauf der Bücher wie abgeschnitten und ich habe keine einzige Bestellung mehr erhalten. Es war wie verhext.

Die Auflösung folgte beiläufig in einem Facebook-Chat mit einer Dame aus Brandenburg, die mich fragte, wo sie das Buch kaufen kann. Ich schrieb ihr die verschiedenen Möglichkeiten auf und danach gratulierte sie mir, weil „es bei mir im Shop ja ausverkauft sei. Respekt!” Dummerweise hatte ich vergessen, die Bestände einzutragen und so hat der Shop gedacht, es gäbe keine mehr. Nach einem kurzen Schockmoment habe ich das Problem dann behoben. Vielleicht ist das aber ganz gut so, denn der Einnahmeverlust wird verhindern, dass ich noch mehr von dem Brandenburger Wein kaufe (und trinke).

Bodens Woche (Teil 1-2)

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Von Stephan Boden