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Brandenburg/Havel Hier radelt ein Sexualverbrecher zurück ins Gefängnis
Lokales Brandenburg/Havel Hier radelt ein Sexualverbrecher zurück ins Gefängnis
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20:49 19.04.2019
Einer der beiden Angeklagten (Mitte) radelt nach dem geplatzten Prozess vom Gericht zurück aufs Gefängnisgelände. Er wird sicherheitshalber von Fachpersonal begleitet. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Zu seinem Gerichtsprozess in Brandenburg/Havel ist einer der beiden Angeklagten in dieser Woche mit dem Fahrrad gekommen. Eigentlich bei schönem Wetter nichts Ungewöhnliches.

Nur handelt es sich bei René N. (55) um einen der berüchtigsten Verbrecher im Land. Er ist einer der beiden sogenannten „Störche“, also der Männer, deren Fall vor gut fünf Jahren den linken Justizminister Volkmar Schöneburg zu Fall gebracht hat.

Der Mann gilt als so gefährlich, dass er auch nach Verbüßung seiner langen Haftstrafe hinter Gittern geblieben ist – in der Sicherungsverwahrung auf dem Gördener Gefängnisgelände. Dort werden ihm sogenannte Lockerungen gewährt, kleine Freiheiten.

Begleitetes Radfahren

Mit behördlicher Zustimmung darf er sich, begleitet von Fachpersonal, zeitweise draußen aufhalten. So wie in dieser Woche. Ein Bewacher radelte vorneweg, der andere hinter René N. her.

Weiterlesen: Pogida-Müller suchte Schutz bei Sexverbrechern

Alles ist bei diesem Fahrradausflug vom Görden zum Amtsgerichtsgebäude planmäßig gelaufen. Es gab soweit bekannt keinerlei Fluchtversuch.

Vor Gericht steht aktuell nicht nur René N., sondern auch sein Ehemann Detlef N. (62), der seine lebenslange Haftstrafe räumlich getrennt in Duben absitzt. Angeklagt ist das Ehepaar wegen Nötigung, Hehlerei, versuchten Betrugs und räuberischer Erpressung.

Zum zweiten Mal geplatzt

Die Straftaten, die beide gemeinsam in der JVA Brandenburg begangen haben sollen, reichen allerdings weit zurück ins Jahr 2013. Ob an den Vorwürfen etwas dran ist, hat sich in dieser Woche erneut nicht aufklären lassen.

Schon vor knapp zwei Jahren war der Prozess geplatzt, weil der für das Verfahren zentrale Zeuge nicht erschienen ist. Damals war dessen Adresse nicht bekannt.

Mehr zum Thema: Polizei führt Pogida-Chef ab

Inzwischen weiß das Gericht zwar, wie sie den Mann erreicht. Doch trotz Ladung blieb er erneut fern. Aus Angst vor den Angeklagten, wie die MAZ erfuhr.

So muss der Gerichtstermin neu angesetzt werden. Das Ehepaar N. hatte einige Augenblicke lang die Gelegenheit, sich zu sehen und kurz in den Arm zu nehmen.

Golduhr und Boss-Unterhose

Der jüngere René N. hat seine Haare beinahe zur Glatze rasiert. Nur oben auf dem Kopf hat er einen Streifen Haar gelassen. Er trägt eine halbwegs modisch eingerissene Jeanshose, unter der er gelegentlich seine Hugo-Boss-Unterhose hervorgucken lässt.

Der jüngere Angeklagte ist geschmückt mit einer goldenen Armbanduhr, trägt einen goldenen Ohrring und am Finger eine Art Siegelring. Der ganz in Schwarz gehüllte Ehemann mit dunkler Hornbrille bevorzugt Silber.

Die Eheleute sind vielfach vorbestraft, unter anderem wegen grausamer Gewaltverbrechen wie Mord, Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Geiselnahme.

Die Tortur einer 13-Jährigen

Ihr letztes schweres Verbrechen haben sie gemeinsam im Jahr 1998 in Leipzig verübt. Opfer war ein 13 Jahre altes Mädchen, das zufällig ihren Weg kreuzte und das Martyrium am Ende schwer an Körper und Seele verletzt überlebte.

Das Kind hatte nicht das Glück eines drei Jahre jüngeren Mädchens, das sich die beiden damals in Freiheit lebenden Männer wenige Minuten vorher ausgesucht hatten, um es zu quälen und zu vergewaltigen.

Bei der 10-Jährigen war eine mutige zufällige Passantin misstrauisch geworden und dazwischen gegangen, ehe die Männer die Kleine in ihre Gewalt bringen konnten. Bei der 13-Jährigen hatte sich niemand in der Straßenbahn um das verängstigte Kind bei den beiden Männern geschert.

Tränen gegen die Todesangst

René und Detlef N. nahmen das Kind mit in eine Wohnung, wo es viele Stunden lang in Todesangst schwebte und sich vergeblich mit Weinen und Flehen gegen die Qualen wehrte.

Obwohl Sexualstraftäter wie das spätere Ehepaar unter Mitgefangenen normalerweise einen schweren Stand haben, verschafften sich beide im Gefängnis das, was Detlef N. einem Psychologen gegenüber als „Respekt“ bezeichnet hat. Man könnte auch Angst sagen. Der Verbrecher prahlt gelegentlich mit seinem „Legendenstatus“.

Die Störche und ihre Beziehung

René N. und Detlef N. sind, wie sich aus Vollzugsunterlagen ergibt, seit 35 Jahren ein Paar und seit November 2013 miteinander verheiratet. Etwa genau so lang leben sie aus Sicherheitsgründen voneinander getrennt, der eine in Brandenburg/Havel, der andere in Duben.

Zum Spitznamen „Störche“ gibt es mehrere Erklärungen. Den soll das Paar im Knast verpasst bekommen haben, weil beide angeblich oft Hochwasserhosen getragen haben. Detlef N. führt den Spitznamen auf einen Mitgefangenen zurück, der ein „Vogelfreund“ sei. Der Name passe, weil es Störchen egal sei, ob der Partner ein Weibchen oder Männchen ist.

René N. hat seine Strafen verbüßt haben, wird aber noch als allgemeingefährlich eingeschätzt und lebt daher getrennt vom Strafvollzug komfortabler im Gebäude der Sicherungsverwahrung innerhalb der Gefängnismauern.

Angestrebt und angewandt werden sogenannte Lockerungen, wenn die Leitung der Sicherungsverwahrung mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde verantworten kann zu erproben, dass, wie in dieser Woche, René N. nicht abhaut oder draußen Straftaten begeht.

Lockerungen wie die begleitete Radtour können aus wichtigen Anlässen wie der Teilnahme an gerichtlichen Terminen gewährt werden. Das langfristige Ziel besteht darin, ein Leben in Freiheit schrittweise vorzubereiten.

Aufgrund ihrer weit in die DDR-Zeit zurückreichende Hafterfahrung bauten die „Störche“ innerhalb der Gefängnismauern ihr Geschäftsmodell auf, trieben illegal Handel. Soweit bekannt nicht nur mit Drogen, Alkohol und Schmuck, sondern zeitweise auch mit Versandhausware.

Kriminelles Netzwerk

Dafür schufen sich bei offenkundig ein kriminelles Netzwerk innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern. Sie sollen dabei – ähnlich wie im aktuell angeklagten Fall – mit Druck und Erpressung vorgegangen sein.

Die Verbindung zu Ex-Justizminister Volkmar Schöneburg kam dadurch zustande, dass dieser vor seinem Eintritt in die Landesregierung als Rechtsanwalt die Interessen des Detlef N. vertreten hatte.

Der Linken-Politiker sah sich im Dezember 2013 zum Rücktritt gezwungen. Als Minister der Justiz hatte er im Dezember die Zwangsverlegung von Detlef N. – zunächst nach Cottbus – verhindert.

Anrufe auf dem Ministerhandy

Dabei kam heraus, dass der Schwerverbrecher seinen Ex-Anwalt nach dessen Aufstieg in die Landesregierung noch immer auf seinem Privathandy anrufen konnte.

Inzwischen leben die beiden Eheleute in getrennten Anstalten und sehen sich nur zu festgelegten Besuchszeiten. Oder wie in dieser Woche vor Gericht.

Im Jahr 2013 sollen die „Störche“ übrigens auch den Intensivtäter und Pogida-Chef Christian Müller (35) im Knast unter ihre Fittichen genommen haben, also den Mann, den die Polizei gerade wieder festgenommen hat.

Damals verbüßte Müller eine Haftstrafe und hatte sich abfällig über die Hells-Angels-Rocker geäußert. Prompt bekam er Ärger und benötigte Schutz.

Von Jürgen Lauterbach

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