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Brandenburg/Havel Warnstreik bei Riva: Der Ton wird kämpferischer
Lokales Brandenburg/Havel Warnstreik bei Riva: Der Ton wird kämpferischer
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16:31 16.07.2019
Der Warnstreik vor dem Riva-Stahlwerk hat um 5 Uhr begonnen. Die Arbeitsniederlegung wird begleitet von Kampfgesängen der Gewerkschafter. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Seit diesem Montagmorgen 5 Uhr befinden sich die Mitarbeiter des Brandenburger Elektrostahlwerks in der Woltersdorfer Straße im Warnstreik. Die Arbeit ruht laut IG Metall bis Mitternacht.

Die Riva-Beschäftigten in Brandenburg/Havel, Trier und Horath verfolgen unterschiedliche Ziele, die sie aber gemeinsam erreichen wollen., Eine Abordnung von der Mosel ist an die Havel gekommen.

Den Brandenburger Stahlarbeitern und den Gewerkschaftern der IG Metall wird es offenbar zu bunt mit dem Warten auf bessere Löhne und Gehälter. Vor dem Werktor nehmen die Teilnehmer des 19-stündigen Warnstreiks Aufstellung und sprühen reichlich rote und blaue Farbe in die Luft.

Dazu singt die Mehrheit zu einer bekannten Gospel-Melodie den Text „Keiner schiebt uns weg“ und ruft immer wieder: „Hoch die internationale Solidarität“.

Eine Alarmsirene namens „Gerda“ heult, sie stammt von den Kollegen der Riva-Werke in Trier und Horath, die mit 70 Leuten zur Woltersdorfer Straße gereist sind. Die Beschäftigte dort sind in eigener Sache am 19. Juni in einen unbefristeten Streik getreten.

Hennigsdorfer halten sich fern

„Wir wollen Solidarität zeigen, denn wir sind doch eine Familie“, versichert Melissa Gilbert (25). Die Wirtschaftsfachwirtin ist Mitglied der betrieblichen Streikleitung in Trier und Sprecherin der IG-Metall-Tarifkommission. Sie bedauert, dass ausgerechnet die Kollegen des Hennigsdorfer Riva- Stahlwerks HES keine Solidarität an den Tag legen.

Niemand von dort unterstützt den Arbeitskampf in Brandenburg/Havel, Trier und Horath. Nicht einmal der Hennigsdorfer Betriebsrat. Und das, obwohl die Riva-Betriebe in Rheinland-Pfalz Tochterunternehmen der Hennigsdorfer Riva-Gesellschaft HES sind. Dagegen ist eine Abordnung der ZF-Getriebewerke vors Brandenburger Stahlwerkstor gekommen.

„Streikfront steht“

„Die Streikfront steht und wir werden das Seil straff halten“, versichert gleichwohl IG-Metaller Uwe Teßmer, im Hauptberuf Betriebsratsvorsitzender der Brandenburger Elektrostahlwerke (BES). Er kündigt an, nicht aufzuhören, bis eine Einigung erzielt ist.

Das Ultimatum läuft Teßmer zufolge bis zum 23. Juli. Das ist der Tag, an dem, bezogen auf die Riva-Standorte Trier und Horath das nächste Mal verhandelt werden soll. Der Brandenburger Betriebsratschef hält danach auch eine Urabstimmung und einen unbefristeten Streik in Brandenburg/Havel für denkbar.

Unterschiede an Havel und Mosel

An Havel und Mosel geht es um unterschiedliche Dinge. Die IG-Metall Trier will die Tarifbindung der dortigen Riva-Tochtergesellschaften erstreiken. Der Tarifvertrag würde für die 130 Beschäftigten dort 30 Prozent mehr Geld bedeuten.

Das Werk BES in Brandenburg/Havel zahlt seinen Stahlarbeitern üblicherweise Tariflohn. Doch der jüngste Abschluss „Stahl Ost“ mit einer 3,7-prozentigen Entgeltsteigerung und anderen Verbesserungen wurde noch nicht übernommen.

Zurück zum durchgehenden Schichtmodell

Warum das so ist, erklärt ein Sprecher der Geschäftsführung so: „Die Übernahme des Tarifergebnisses für die B.E.S. GmbH ist derzeit abhängig von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung des Sektors, in dem das Unternehmen agiert und einer Anpassung von Organisationsstrukturen innerhalb des Standortes.“

Seit September 2018 befinde sich die Geschäftsführung in der Planung und in Gesprächen mit den betrieblichen Parteien, um die Produktionszeiten des Stahlwerkes zu erhöhen.

Dazu ist es den Angaben zufolge erforderlich, das Personal zurück in ein durchgehendes Schichtmodell zu bringen. Bisher gilt eine Einsatzzeit von Montag bis Freitag jeweils nur nachts und durchgehend am Wochenende.

Arbeitskräfte eingestellt

Es gehe darum, das erforderliche Vormaterial für das Walzwerk und die Weiterverarbeitung zu produzieren. Laut Geschäftsführung wurden die erforderlichen zusätzlichen Arbeitskräfte bereits eingestellt.

„Doch leider war man bis dato nicht in der Lage, auf betrieblicher Ebene eine einvernehmliche Vereinbarung über die Arbeitsorganisation abzuschließen“, heißt es. Auch die IG Metall habe nicht zur Konfliktlösung beigetragen.

Darauf drängt das Riva-Management, „um die Versorgung der Produktionsbereiche zu sichern, Aufträge bedienen zu können und die zugehörigen Arbeitsplätze zu sichern“.

Geschäftsführung optimistisch

„Die Verhandlungen laufen und wir sind optimistisch, eine gemeinsame Lösung zu finden“, teilt der Unternehmenssprecher einen Tag vor der nächsten Verhandlungsrunde mit. Die Zuversicht speist sich daraus, dass „die Schaffung neuer Arbeitsplätze, verbunden mit einer Steigerung der Produktionskapazitäten, wohl im Interesse aller Verhandlungspartner“ liege.

Die IG Metall sieht das ganz anders, spricht von „Erpressung“ und auch davon, dass sich Trier, Horath und Brandenburg nicht auseinanderdividieren ließen. Gewerkschafter und Beschäftigte von hüben und drüben unterzeichneten am Montag zur Selbstvergewisserung einen „Solidaritätspakt der Riva-Belegschaften“.

Streiken ist anstrengend

Am Tag des Warnstreiks überwiegen ohnehin die kämpferischen Töne, mitunter reduziert auf lautstark im Chor vorgetragene Slogans wie: „Riva, rück die Kohle raus, sonst geh’n hier die Öfen aus“ und „Power durch die Mauer, bis sie bricht“.

„Streiken ist anstrengend“, versichert Christian Schmitz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Trier. Er erzählt: „Nach drei, vier Tagen stellt sich eine Art Lagerkoller ein. Man kann die Buletten dann nicht mehr sehen und freut sich über jeden Apfel.“

Lesen Sie weiter: Ein erster Warnstreik im Riva-Werk am 14. Juni hatte noch nicht zum erwünschten Erfolg geführt und Demonstration vor der Riva-Zentrale in Mailand.

Von Jürgen Lauterbach

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