Hoch und gerade gewachsen, geschmückt mit 300 laufenden Metern Lichterketten: Über die Festtage galt sie bisher als einer der schönsten Weihnachtsbäume in der Mark Brandenburg. Ja, mit ihren 600 Glühlampen sehen Gläubige in ihr ein sichtbares Zeichen der Freude über die Geburt Christi. Heute bietet die Douglasie auf dem Amtshof im Lehniner Kloster einen traurigen Anblick. Stürme und Unwetter haben das einst volle Astwerk des Baumes gehörig gelichtet.
Keine Kommune würde sich solch ein Exemplar mehr auf den Marktplatz stellen. Doch die Lehniner müssen mit ihrer Douglasie leben. Denn die steht dort schon seit genau 65 Jahren und droht trotz zerzaustem Anblick nicht umzustürzen. „Es gibt momentan keine Planungen zu dem Baum“, sagt Alexander Schulz, Pressesprecher vom Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin. Allerdings beobachten Mitarbeiter, was mit ihrem Vorzeigebaum passiert. Äste, die abzubrechen drohen, würden abgeschnitten, berichtet Schulz.
Doch taugt die Douglasie noch als würdiger Mittelpunkt für den alljährlichen Adventsmarkt, wie er am 30. November auf dem Amtshof stattfinden wird? Pressesprecher Schulz gibt sich optimistisch: „Wir hoffen, dass der Baum die Lichterkette noch ein paar Jahre tragen kann. Die Installation sollte trotz fehlender Äste kein Problem sein.“ Ähnlich sieht Frank Wetzel die Sache. Der Prützker ist Vorsitzender des Tourismusvereins „Kloster Lehnin“, der den eintägigen Adventsmarkt gemeinsam mit dem Diakonissenhaus durchführt. „Der Zustand der Douglasie ist bedauerlich. Wir diskutieren schon, wie die Zukunft aussehen könnte. Doch derzeit wird der Baum seinen Zweck noch erfüllen“, ist Wetzel sicher. Wegen des historischen Ambientes rund um den Amtshof ist der Tourismusverein froh, das Gelände für den Adventsmarkt nutzen zu können. „Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern“, sagt Wetzel. Ohnehin hat der Tourismusverein keinen Zugriff auf den Baum, dessen Wurzeln in Klostererde Halt finden.
Guter Ruf in nah und fern
Die Douglasie ist ein immergrüner Baum und kann in Europa bis zu 60 Meter Höhe erreichen. Ihr natürliches Alter hat die vor 65 Jahren gepflanzte Lehniner Amtshof-Douglasie noch längst nicht erreicht. Die Bäume können mehrere hundert Jahre alt werden.
Die Tradition des Lehniner Adventsmarktes reicht 20 Jahre zurück. Wegen seines schönen kulturellen und kulinarischen Angebotes inmitten des historischen Klostergeländes hat er sich inzwischen einen sehr guten Ruf in nah und fern erworben.
Für den Adventsmarkt am 30. November werden Anbieter mit typisch weihnachtlichen Artikeln gesucht. Dazu zählen auch historische Handwerksstände.
Eine kurzfristige Lösung für das Problem gibt es ohnehin nicht. Die Douglasie auf dem Amtshof hat über 40 Jahre gebraucht, bis sie als prächtige Kulisse für den Adventsmarkt taugte, der in diesem Jahr zum 20. Mal stattfindet. An einer Ersatzpflanzung könnte sich wohl deshalb erst die übernächste Generation erfreuen. Die Lehniner Douglasie ist außerdem nicht irgendein Baum. Sie wurde 1949 zu Ehren des ersten Lehniner Stiftspfarrers Paul Blankenburg gepflanzt – zehn Jahre nach seinem Tod.
Es wird nun die Kunst der Elektrofirma Lindhorst aus Werder sein, den Baum Ende November für die Weihnachtszeit trotz aller Widrigkeiten festlich herzurichten. Die Fachleute haben mit Festschmuck Erfahrung. Sie bringen die Stadt Werder in der Weihnachtszeit zum Leuchten, selbst die Bestückung des Christbaums vor dem Berliner Reichstag liegt in ihren Händen. Im Fall der Lehniner Douglasie sieht Firmenchef Kristian Lindhorst noch Klärungsbedarf: „Ganz ohne Tricks wird es wohl kaum mehr gehen. Einen Schönheitspreis gibt es dafür sicher nicht. Man könnte die Lichterketten auch senkrecht zur Spitze spannen. Aber darüber muss man in Ruhe reden.“ Die ausreichend hohe Arbeitsbühne stellt in Lehnin wie jedes Jahr die Firma IKW, die auch Auftraggeber für die Elektroarbeiten ist. Seit Jahren sind beide Firmen ein eingespieltes Team.
Während sich die Experten über die festliche Ausleuchtung des Amtshofes noch den Kopf zerbrechen müssen, laufen beim Tourismusverein „Kloster Lehnin“ die Vorbereitungen für den 20. Adventsmarkt auf Hochtouren. Dieser wird am 30. November um 14 Uhr mit dem Eintreffen des Weihnachtsmannes eröffnet und schließt um 19 Uhr seine Tore. Zwischendurch gibt es Märchenstunde, Puppentheater und Adventskonzert. An diesem 1. Advent ist verkaufsoffener Sonntag. Wer als Gewerbetreibender das Warenangebot bereichern will, kann sich noch beim Tourismusverein bewerben.
Anmeldung: Auf der Internetseite www.klosterlehnin.de
Von Frank Bürstenbinder