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Brandenburg/Havel Sturm auf ein altes Fachwerkhaus
Lokales Brandenburg/Havel Sturm auf ein altes Fachwerkhaus
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15:18 24.06.2018
Zum Tag der Architektur öffnete auch Martin Braunschweig die Tür zu seinem Haus Neustädtischer Markt 27.
Zum Tag der Architektur öffnete auch Martin Braunschweig die Tür zu seinem Haus Neustädtischer Markt 27. Quelle: Rüdiger Böhme
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Brandenburg/H

Alle Türen des aus dem frühen 16. Jahrhundert stammenden Fachwerkhauses am Neustädtischen Markt 17 haben am Sonntag für Besucher weit offen gestanden. Anlässlich des bundesweiten Tages der Architektur nutzen dutzende Brandenburger und Touristen die Gelegenheit, dieses Kleinod an Denkmalbewahrung zu besichtigen. Schon bei der ersten von drei Führungen um 13 Uhr warteten rund 20 Männer und Frauen wissbegierig auf alles, was Architekt Martin Braunschweig über das alte Haus zu erzählen hatte. Genauso spannend wie das museal erhaltende Haus war der Braunschweigs Bericht. Er hat mit Uta Zerjeski dort das Architekturbüro Markplan eingerichtet.

Ein Kleinod des Denkmalerhalts ist das Fachwerkhaus Neustädtischer Markt 27 in Brandenburg an der Havel

„Es ist einfach irre, toll, wie die Menschen früher gebaut haben“, sagte eine Besucherin. Staunen konnten die Gäste über ein einmaliges stilles Örtchen mit einer zwölf Meter hohen Decke. „Brandenburgs höchstes Klo“, sagte dazu Martin Braunschweig. In dem Raum war vor Jahrhunderten die Küche, der Rauchabzug bedingte die Höhe.

Gekauft 2013 und eingezogen drei Jahre später

Gekauft haben die Architekten das Gebäude 2013. Mit der Bewilligung der Städtebaufördermittel über rund 80 000 Euro konnte dann die umfangreiche Sanierung im Frühling 2015 beginnen. Im Spätherbst 2016 konnte Markplan dann in das reine Bürogebäude einziehen. 140 Quadratmeter groß ist das Bauwerk. Moderne Schreibtische und Designerlampen bilden einen spannenden Kontrast zum freigelegten Fachwerk im Inneren, den uralten Holzdielen, die in einem Raum sogar so schief sind, dass empfindlichen Menschen, die daran nicht gewöhnt sind, schnell seekrank werden kann. Nicht nur das Gebäude ist ungewöhnlich, auch die Grundstücksflächen sind besonders für die Stadt Brandenburg: Zu dem Haus gehört nur der Grund und Boden, auf dem es steht.

Dass die Türen und Fenster für heutige Gesichtspunkte schmal und niedrig waren, hatte auch einen Grund: „Türen waren teurer als Wand, Fenster waren teurer als Wand. Glas? Wer hatte Glas. Teuer, Tischler, teuer. Auch deswegen sind die Türen niedrig.

Nur die Eigentümer eines Hauses beteiligen sich am Architekturtag

Früher wurde das Gebäude nur zu Wohnzwecken, teils mit irrwitzig kleinen Wohneinheiten für bis zu zehn Menschen genutzt. Bevor es die Architekten kauften, stand es 20 Jahre leer.

Mit Bedauern nahmen die Architekten zur Kenntnis, dass nicht auch andere architektonisch sehenswerte Häuser in der Havelstadt anlässlich des Denkmaltages zu besichtigen waren.

Info Weitere Führungen sind am Sonntag, 24. Juni, um 15 und um 17 Uhr

Von Marion von Imhoff

24.06.2018
24.06.2018