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Brandenburg/Havel Vermisste Schwimmerin: Polizei sucht weiter nach untergegangener Frau im Riewendsee
Lokales Brandenburg/Havel Vermisste Schwimmerin: Polizei sucht weiter nach untergegangener Frau im Riewendsee
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18:58 28.07.2019
Die Wasserschutzpolizei ist weiterhin vor Ort auf dem Riewendsee. Vier Wasserschutzpolizisten suchen den See ab nach der Verunglückten. Quelle: Marion von Imhoff
Riewend

Die Wasserschutzpolizei hat auch am Sonntag die Suche fortgesetzt auf dem Riewendsee im Landkreis Potsdam-Mittelmark nach der Havelländerin, die seit Freitagmittag vermisst wird. Die 56-Jährige war auf dem See schwimmen, als eine Zeugin sah, wie die Schimmerin um Hilfe rief und unterging. Die Frau alarmierte sofort die Rettungskräfte.

Mit einem Großaufgebot eilten die Freiwilligen Feuerwehren des Amtes Beetzsee, aus Radewege, Päwesin und Riewend herbei. Unterstützt wurden sie auch von der Brandenburger Berufsfeuerwehr. Taucher kamen zum Einsatz.

Auch am Tag nach dem Verschwinden einer Schwimmerin von der Wasseroberfläche im Riewendsee sucht die Polizei nach der Frau. Die Betroffenheit im Ort ist groß .

Bis in den Abend hinein gesucht

Am Montag werde voraussichtlich die Wasserwacht die Wasserschutzpolizei bei der weiteren Suche nach der ertrunkenen Frau fortsetzen, sagte am späten Sonntagnachmittag Dienstgruppenleiter Marko Lange der MAZ.

„Die Suche am Freitag wurde bei Einbruch der Dunkelheit ohne Erfolg beendet und am Samstag wieder aufgenommen“, so Lange. Vor Ort ist derzeit das Schiff der Wasserschutzpolizei und fährt das Gebiet ab, in dem die Frau verschwand.

Gesucht haben die Männer und Frauen nach Angaben Langes bei den hohen Temperaturen bis zur Erschöpfung. „Wenn die Person wirklich untergegangen ist, ist leider klar, dass sie nicht mehr am Leben ist. Sobald neue Erkenntnisse da sind, gehen die Taucher wieder ins Wasser. Auch die Feuerwehr wird dann gegebenenfalls wieder zum Einsatz kommen“, so Lange.

Am Badestrand planschen Kinder

Am Samstagmittag trifft Dienstgruppenleiter Lange vor Ort zur Lagebesprechung ein. Etwas abseits des Badestrandes liegen das Schiff der Wasserschutzpolizei und ein kleineres Motorboot der Polizei. Die Badestelle selbst ist an diesem Samstagnachmittag belebt. Kleine Kinder planschen im Wasser, zwei Männer stehen an dem kleinen Strand, unterhalten sich und blicken auf den See, dorthin, wo 24 Stunden zuvor die Frau ertrunken ist. Eine junge Frau sonnt sich am Rande der Wiese nackt in der Sonne.

Auf einer Bank sitzt Carola Lindig. Die 54-Jährige ist aus Thüringen und macht in der Nähe eine Kur. „Ich wollte eigentlich hier baden gehen“, berichtet sie. Doch als sie von dem Unglück erfuhr, verwarf sie das: „Es ist furchtbar. Baden muss ich jetzt nicht mehr, ich finde makaber, dass die Menschen im See schwimmen als wäre nichts geschehen. Dort ist gestern eine Frau gestorben.“

Oliver Lenz möchte jeden warnen

Etwas oberhalb der Badestelle am Weg zum Strand steht der Imbisswagen, an dem seit drei Jahren Oliver Lenz arbeitet. Er sei noch ganz unter Schock, berichtet der Päwesiner. Für ihn sei Riewend immer ein Ort des Friedens gewesen, „mein Bild ist davon jetzt zerstört. Sollte man den Strand nicht absperren“, überlegt er.

Carola Lindig hatte den jungen Mann am Imbiss nach dem Weg zum Strand gefragt. Oliver Lenz erzählte ihr daraufhin von dem Unglück und sagte ihr, „jeder muss selbst entscheiden, ob er da heute baden gehen möchte“.

Während Oliver Lenz nun erzählt vom Tag der Tragödie und gar nicht mehr aufhören will, so sehr beschäftigt ihn das Geschehen noch, kommen Familien vorbei auf dem Weg zur Badestelle mit kleinen Kindern und Schwimmtieren. Ein heiterer Ferientag, noch dazu Wochenende, 28 Grad, schönstes Badewetter. Licht und Schatten liegen dicht zusammen an diesem Ort an diesem Tag.

„Alarmiert die Feuerwehr! Holt Boote!“

Als die Schwimmerin in Not geraten sei, sei eine Frau vom Strand hochgelaufen zum Imbiss und habe laut gerufen. In der Hand hielt sie ein Handy, telefonierte mit der Rettungsstelle. „Die Frau ist Stammgast hier, aber sie war so durcheinander, dass sie nicht mehr wusste, wo sie war. Ich nahm ihr das Handy ab und sagte der Feuerwehr, dass sie nach Riewend kommen soll.“ Ein Freund von der Riewender Feuerwehr sei in der Nähe gewesen. „Alarmiere die Feuerwehr. Holt Boote“, rief er ihm zu.

Gleichzeitig sollen unten am Strand drei Familienväter mit Luftmatratzen zu der Stelle im See geschwommen sein, wo die Frau zum letzten Mal gesehen wurde. Doch ihre Anstrengung war vergebens. Sie fanden die 56-Jährige nicht mehr. Sie war untergegangen und nicht mehr zu sehen.

Der See ist ein beliebtes Ausflugsziel

Etwa zwei Dutzend Menschen müssen die Tragödie mitangesehen haben. So voll war an jenem heißen Freitagmittag die Riewender Badestelle und die sauber gepflegte Wiese davor. Es ist kein Geheimtipp mehr, sondern ein beliebtes Ausflugsziel, selbst Fahrzeuge mit Berliner Kennzeichen stehen am Strandweg.

„Es ist erschreckend, dass die Menschen heute hier baden gehen. Ich fühle mich eigentlich verpflichtet, die Menschen darauf hinzuweisen, dass hier gestern jemand ertrunken ist und er wird noch gesucht. Aber ich möchte sie auch nicht verunsichern“, sagt Oliver Lenz.

„Es fehlen viele, die oft hier sind, Kinder. Man merkt das ganz doll. Ich würde jetzt auch nicht ins Wasser gehen, nicht mal annähernd.“

Erinnern an ein Unglück vor 54 Jahren

Am Freitag hätte Oliver Lenz am liebsten den Imbiss geschlossen, gerufen, „es gibt heute hier nichts mehr zu essen. Und doch kamen Kunden, bestellten Currywurst und Pommes.“ Als es passierte, hatte er gerade den Imbiss eröffnet, war mitten in den Vorbereitungen.

Und noch etwas geht im durch den Kopf. „Das letzte Unglück hier war vor 54 Jahren. Damals ging hier ein Schwimmpanzer unter mit Kindern. Auch in der Mitte des Sees.“ Sieben Jungen aus einem Ferienlager ertranken damals, als der Schwimmpanzer der NVA im Riewendsee versank. Es war August 1965. Soldaten hatten die Kinder eingeladen, auf den Panzer zu klettern und eine kleine Tour über den See mit ihnen zu machen. Dann nahm damals die Tragödie ihren Lauf.

Zeugin bringt eine Rose

Auf dem See patrouilliert derweil wieder die Wasserschutzpolizei. Die Frau, die bis zuletzt mit der vermissten Schwimmerin Rufkontakt hatte, hat den Polizisten zuvor noch eine Rose auf das Schiff gereicht. Sie bittet die Beamten, die Blume an der Stelle auf der Seemitte abzulegen, an der die Havelländerin verschwand.

„Das ist eine schöne menschliche Geste“, sagt Dienstgruppenleiter Marko Lange. Björn Lilienberg von der Wasserschutzpolizei nimmt die Rose und fährt mit einem Kollegen zu der Stelle im See. Dort ist der See 300 Meter breit.

Schwimmerin war allein gekommen

Die aus der Nähe von Nauen stammende Frau war am Freitag allein zum See gekommen. Sie wolle an das gegenüberliegende Ufer schwimmen, soll sie noch gesagt haben. Warum sie die Kräfte verließen, was genau passierte, „ist reine Spekulation“, sagt Polizeihauptkommissar Marko Lange.

Der Polizeihauptkommissar warnt eindringlich davor, sich beim Schwimmen zu überschätzen. Den Rat eines Schwimmlehrers, nie mit einem Ziel zu schwimmen, weil die Distanz auf dem Wasser oft nicht richtig eingeschätzt werde, könne er nur unterstreichen.

Die Betroffenheit über das Schicksal der Havelländerin sei groß, sagt Lange. „Das ist zu spüren.“ Die Suche der Frau wird auch in den nächsten Tagen fortgesetzt.

Von Marion von Imhoff

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