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Brandenburg/Havel So wollen Techniker aus Brandenburg böse Drohnen abwehren
Lokales Brandenburg/Havel So wollen Techniker aus Brandenburg böse Drohnen abwehren
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15:32 27.11.2019
Feldversuche mit Drohnen: In ihren Tests arbeiten Peter Kloke, Matthias Mehlhose (beide Fraunhofer), Arno Fischer (THB), Andreas Lenz (ESG) und Christoph Ludwig (THB) an einem System, Fluggeräte abzuwehren, mit denen Menschen Böses im Schilde führen. Quelle: Jürgen Lauterbach
Brandenburg/H

Mehrere Männer sitzen an einer Art Regiepult auf einem abgesperrten Gelände auf dem Campus der Technischen Hochschule Brandenburg (THB). Auf den ersten Blick probieren sie nur eine Drohne aus, die vor ihnen durch die Luft segelt. Doch es steckt viel mehr dahinter.

Die Wissenschaftler der THB und ihre Kooperationspartner machen in dieser Woche einen Feldversuch im Rahmen des bis 2020 laufenden Forschungsprojektes „Midras“, das die Bundesregierung in ihrem Programm „Forschung für die zivile Sicherheit“ fördert.

In ihren Tests versuchen Matthias Mehlhose, Peter Kloke (beide Fraunhofer) und Arno Fischer (THB, v.l.) Techniken zu entwickeln, „nicht-kooperative“ Drohen zu erkennen und abzuwehren. Quelle: Jürgen Lauterbach

Denn nicht jede Drohne meint es gut. Im Kern geht es darum, die Bösen unschädlich zu machen. Zum Beispiel solche wie diejenigen, die den Flughafen in London-Gatwick lahmgelegt haben.

„Wir versuchen, nicht-angemeldete Drohnen zu detektieren und zu lokalisieren“, erklärt Arno Fischer. Der Techniker war viele Jahre Professor an der THB und ist an dem Forschungsauftrag beteiligt, den die Professoren Steffen Doerner und Martin Schafföner vonseiten der THB leiten.

2,4 Millionen Euro der Bundesregierung

Das Bundesforschungsministerium erklärt, warum der Bund 2,4 Millionen Euro in die Forschungsarbeit investiert: Der Verkauf von frei am Markt erhältlichen Mikrodrohnen habe sich zu einem boomenden Geschäft entwickelt. Entsprechend groß sind die Einsatzmöglichkeiten dieser Geräte.

Allerdings haben auch kriminelle und terroristische Gruppen die Vorteile kleiner Drohnen erkannt und nutzen diese für ihre Ziele. Obwohl vor diesem Hintergrund Erkennungs- und Abwehrtechnologien von besonderer Bedeutung sind, gibt es derzeit am Markt keine Systeme, die eine vollständige Erkennung und zuverlässige Abwehr von Mikro-Drohnen gewährleisten.

Erfassen will man in bestimmten Gebieten alle Drohnen, die am Himmel schwirren. Dann prüfen die Fachleute, welcher dieser Flugkörper angemeldet worden ist, zum Beispiel bei einer Luftfahrtbehörde. Die nicht-angemeldeten Drohnen sollen dann unschädlich gemacht werden.

Namhafte Partner

An diesem System arbeiten nicht nur Techniker und Informatiker der THB, sondern auch namhafte Partner: Das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI), die Universität Würzburg und die Firma ESG Elektroniksystem- und Logistik.

Dieses Unternehmen besitzt bereits ein Drohnenabwehrsystem, das sich bei Einsätzen während des G7-Gipfels 2015 in Elmau, des Besuchs von US-Präsident Barack Obama auf der Hannover Messe 2016 und des G20-Gipfels in Hamburg im Juli 2017 bewährt hat.

Konventionelle Techniken reichen nicht

Die Aufgaben im Projekt, das Andreas Lenz von der Firma ESG koordiniert, sind klar verteilt. In dem Test an der Brandenburger Hochschule geht es darum, mehrere Detektionstechniken so zusammenzuführen, dass die erwähnten nicht-kooperativen Drohnen keine Chance mehr haben, zu entkommen.

Aufgestellt sind an jeder Seite vier Mikrofone und die vom Fraunhofer HHI entwickelten Massiv-Mimo-Antennen. Sie werden für die räumliche Detektivarbeit gegen Mikro-Drohnen und für deren gezielte Störung eingesetzt.

Nicht jede Drohne meint es gut. Quelle: Jürgen Lauterbach

„Mit konventionellen Technologien sind die kleinen Drohnen kaum zu erfassen“, erklärt Andreas Lenz. Entwickelt wird eine Art Sensoren-Mix, der akustische Signale, elektromagnetische Wellen und optische Erscheinungen von automatisierten Flugobjekten detektiert, identifiziert und klassifiziert.

Der TH Brandenburg entwickelt eine akustische Kamera und einen Sensor für eine aktive akustische Überwachung des Luftraums. Damit soll die Bahn der womöglich feindlichen Drohne vorhergesagt werden.

Akustische Kamera und Drohnenfangnetz

Parallel arbeitet die Universität Würzburg an einem Abfangjäger, besser gesagt an zwei autonomen Drohnen mit einem Drohnenfangnetz. An einem berechneten Abfangpunkt fängt das Midras-System die feindliche Drohne ein und bringt sie aus dem geschützten Bereich heraus.

Für einen Test im Luftraum wie diesen müssen die Forscher einige Regeln beachten. Polizei und Ordnungsamt müssen Bescheid wissen, um Fehlalarme und unnötige Einsätze zu vermeiden.

Sobald Rettungshubschrauber Christoph über Brandenburg kreist, machen alle Testdrohnen eine Pause, wie Arno Fischer erklärt. Er weist auch darauf hin, dass das Bundeskriminalamt und die Piloten-Vereinigung Cockpit zu den assoziierten Partnern des Midras-Projekts gehören.

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Von Jürgen Lauterbach

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