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Brandenburg/Havel Teure Säuberung: Vermüllte Garagen werden endlich abgerissen
Lokales Brandenburg/Havel Teure Säuberung: Vermüllte Garagen werden endlich abgerissen
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08:10 30.08.2019
So sieht es immer noch in einigen Unterständen des Garagenkomplexes Butterlake aus. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/Havel

Das Garagen-Deponie Butterlake, einer der schlimmsten Schandflecke in Brandenburg/Havel, verschwindet, und das wird richtig teuer für die Stadt. Bereits jetzt wurden etwa 100.000 Euro ausgegeben, bevor überhaupt mit dem Abriss der Unterstände begonnen werden konnte.

Kaum Pachteinnahmen

Von den 363 Garagen werden am Ende nur 30 stehen bleiben. Für 243 erzielt die Stadt überhaupt keine Einnahmen mehr, für 112 wird eine geringe Pacht gezahlt und nur für acht eine reguläre Miete.

Seit Ende der 1990er Jahre verschärfte sich das Problem. Im Stadtteil Hohenstücken stand zahlreiche Wohnungen leer, Garagen am Stadtrand waren nicht mehr so gefragt. Also wurden sie zu Müllplätzen. Komplette Büroausstattungen, Elektroschrott, Tausende Müllsäcke, Teppiche, Laub, Karosserieteile, Bio-Abfall landeten in den Unterständen.

Der frühere Verwalter Nickel-Immobilien hatte laut Auskunft der Stadt bis zu 20 mal im Jahr beräumt und versucht zu sichern. Schon damals bekam die Kommune saftige Rechnungen, allein 2016 waren es knapp 20.000 Euro.

Kampf gegen Windmühlen

Nun ist die Wobra seit Anfang 2017 Verwalterin, und sie will das Problem ganz aus der Welt schaffen. „Es ist wie der berühmte Kampf mit den Windmühlenflügeln. Kaum hatten wir wegräumen lassen, kam neuer Abfall hinzu“, sagt Wobra-Geschäftsführer Stephan Falk.

Sebastian Höhne und Holger Ulbricht vom Recyclingpark Brandenburg Quelle: JACQUELINE STEINER

Anfang August hat er den Abriss der ersten 53 Garagen ausgeschrieben. Das sind die Unterstände, die parallel zur Rathenower Landstraße stehen. Die Hoffnung: Wenn diese Bauten weg sind, wird das Gelände von der Straße besser einsehbar, vielleicht erhöht das die Hemmschwelle zu weiterer illegaler Entsorgung. Am 28. Oktober sollen die Abrissarbeiten beginnen, der Wobra-Aufsichtsrat hat bereits Anfang Juni zugestimmt.

Mitarbeiter wurden geimpft

Seit Monaten sind Beschäftigte der Brandenburger Dienstleistungen BDL am Sortieren und Entsorgen. Teilweise nutzen sie schweres Gerät des Entsorgers Mebra nebst Containern und Absetzmulden. „Wir haben unsere Mitarbeiter vor Beginn der Arbeiten vorsorglich gegen Hepatitis impfen lassen, weil sich hier so viele Ratten rumtreiben“, sagt Holger Ulbricht, der Geschäftsführer von BDL und Mebra ist.

„Gemeinsam mit der Wobra-Prokuristin Simone Stresow sind wir alle Garagen abgegangen und haben eine Gefahrenbeurteilung geschrieben. Manche Garagen sind so baufällig, dass die Mitarbeiter nicht hineingehen konnten, sondern nur mit dem überdachten Radlader reingefahren sind.“

„Mehr oder weniger Gewerbemüll“

In Extra-Containern wurden Reifen und Elektroschrott separiert, in andere kam „hausmüllähnlicher Abfall“, der für die Verbrennung vorgesehen ist. „Das meiste stammt wohl aus Haushaltsauflösungen, ist mehr oder weniger Gewerbemüll.“ Ulbricht hat nach eigenen Angaben Freundschaftspreise für die kommunale Gesellschaft Wobra aufgerufen. Dennoch muss die Arbeit ja bezahlt werden.

So sind für das Sortieren und für Fahrzeugpauschalen bislang etwa 20.000 Euro überwiesen, fürs Entsorgen 75.000 Euro, für Bauzäune und Schlosserarbeiten gut 2000 Euro. Das Geld stammt aus dem Haushalt des städtischen Liegenschaftsbetriebs GLM.

In den meisten Garagen im Komplex Butterlake türmt sich der Müll. Quelle: BDL

Die Hoffnungen auf Besserung könnten dennoch trügerisch sein: „Aus verschiedenen Ämtern höre ich, dass es immer wieder illegale Müllablagerungen entlang der B 102 gibt. Anscheinend denken viele Menschen immer noch, so könnten ihren Abfall auf die Deponie Fohrde bringen, die aber geschlossen ist. Dann entsorgen manche ihren Dreck lieber illegal als ihn zum Wertstoffhof zu bringen“, sagt Stephan Falk.

Und selbst, wenn der ganze Komplex Butterlake bis auf die 30 vermieteten Garagen abgeräumt ist, hat die Stadt immer noch ein Problem. Unter der Erde ist noch eine unversiegelte Müllhalde aus DDR-Zeiten. Die steht zwar im Altlastenkataster, muss aber auch irgendwann mal beseitigt werden.

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