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Brandenburg/Havel Teures Buga-Erbe: Umweltschäden am Packhof
Lokales Brandenburg/Havel Teures Buga-Erbe: Umweltschäden am Packhof
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07:57 13.01.2017
Im Vordergrund der Kies auf dem sanierten Bodenschaden, hinter dem Hafenmeisterhäuschen lauert aber schon das nächste Ungemach. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Die im Boden des Packhofes vorhandenen Altlasten werden ein mögliches Bebauen erheblich verteuern. Zu dieser Einschätzung kommt die zuständige Fachgruppenleiterin der Stadt Kirstin Ohme. „Es ist zwar schon einiges an Schäden saniert worden, gerade auf dem Gebiet der ehemaligen Galvanik. Doch wir können nicht sagen, dass die Fläche altlastenfrei ist.“

So gebe es beispielsweise unter der Fläche zwischen dem Hafenmeisterhäuschen hinter dem Stadtwerkegebäude und der Landzunge in die Untere Havel einen größeren Grundwasserschaden, der erst zu untersuchen und dann zu sanieren sei. Vermutet wird, dass tief in der Erde eine alte Schmutzwasserleitung noch entsprechend giftige Einträge ins Grundwasser abgibt.

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Die Untersuchungen werden sich noch bis zum Jahresende hinziehen, weil diese genau wie die Sanierungsmaßnahmen aus einem Bund-Länder-Programm finanziert werden. Gleichzeitig könne aber schon ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. „Wir brauchen aber eine klare Grenzlinie, zwischen dem Umweltschaden und dem Gebiet mit schädlichen Bodenveränderungen“, sagt Kirstin Ohme.

Die Fachleute unterscheiden penibel: So gibt es auf einem großen Teil der Gesamtfläche eine schädliche Bodenveränderung, weil vor annähernd 100 Jahren alter Schutt zum Auffüllen der teilweise morastigen Packhofflächen verwendet wurde, dieser enthält Schwermetalle. Das bedeutet im Klartext: Wenn gebaut wird und es zuvor entsprechenden Bodenaushub gibt, muss alles herausgenommene Material zur Deponie gebracht und kostenpflichtig entsorgt werden. Das macht Bauen nicht eben billiger.

Von Vorteil wäre es auch, wenn der potentielle Investor schon einmal einen B-Plan-Entwurf an die Verwaltung gibt, damit diese schon einmal vorab prüfen kann, welche Gebäude oder Gebäudeteile auf einem vermutlich schwerer belasteten Areal stehen könnten“, sagt Bürgermeister Steffen Scheller (CDU). „Wenn beispielsweise der Seminar- und Tagungstrakt des geplanten Hotels an der Stelle mit dem Grundwasserschaden stehen sollte, können wir beispielsweise die Auflage geben, dass die Bodenplatte mit einer gasdichten Folie ummantelt wird. So haben wir es ja schon beim Stadtwerke-Bürohaus praktiziert.“

Kein Platz für Kreisverkehre

Fortgeschrieben wird derzeit auch die Verkehrsplanung für das Packhofareal.

Die Planer vom Büro Ivas werden zur Februarsitzung des Bauausschusses nochmals Rede und Antwort stehen.

Es bleibt aber bei der Einbahnstraßenregelung – über die Kleine Münzenstraße rein, über die Augustastraße raus.

Kreisverkehre an den Knoten sind nicht möglich, sie brauchen wegen der verkehrenden Gelenkbusse einen Durchmesser von etwa 32 Metern.

Eine komplette Verkehrsführung über die Augustastraße sei nicht möglich, weil auf der Neustädtischen Fischerstraße der Platz für eine separate Linksabbiegerspur fehlt.

Die Kosten für den Investor für Pläne und Gutachten hat die Verwaltung überschlägig ermittelt. Das B-Plan-Verfahren kostet mindestens 60.000, die Gutachten mindestens 183.000 Euro.

Es sollten also beide Seiten mehr Kenntnisse sammeln und Absichten formulieren, resümiert Stadtplanerin Andrea Kutzop im Stadtentwicklungsausschuss und gibt damit gleichzeitig der Stadtverordneten Martina Marx (Grüne) eine Antwort. Diese hatte im Frühjahr 2015 beantragt, dass die Stadt ein B-Plan-Verfahren in Gang setze, aber nicht für den jetzigen Investor, sondern nach dem damals noch aktuellen moderierten Strukturkonzept, dass vorrangig Wohnbebauung und kleine Läden für den Packhof vorsah. Sie habe vom städtischen Planungsspezialisten Wolfgang Görlich aber eine abschlägige Antwort erhalten.

Das seine lediglich Bedenken gewesen, sagt Görlichs Vorgesetzte. „Wir wollen möglichst vorher vieles wissen, um die Risiken klein zu halten. Im Zweifel dauert dann aber das B-Plan-Verfahren länger.“

Scheller hatte bereits vor Monaten angekündigt, dass dieses Planverfahren ohnehin nicht vor dem Jahresende 2017 abgeschlossen würde, also bleiben noch mindestens zwölf Monate Zeit.

Von André Wirsing

12.01.2017
12.01.2017