Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Studenten zeigen Theaterstück zur Sterbehilfe
Lokales Brandenburg/Havel Studenten zeigen Theaterstück zur Sterbehilfe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:38 04.01.2019
Ein Gruppe von Studenten der MHB Neuruppin bringt „Alices Reise in die Schweiz“ auf die Bühne. Es ist das erste Stück der Laiendarsteller. Hier bei den Proben Dorothea Breuer als Margret und David Boten als Arzt. Quelle: Peter Geisler
Brandenburg/H

In Schwarz und Weiß gehalten ist die Bühne. Schwarz die Wände, weiß der Boden sowie Stühle, Ablagen und der Vorhang, hinter dem gerade David Boten (26) alias Doktor Gustav Strom hervorkommt. Er eilt zu seiner lebensmüden Patientin Margret, gespielt von der 27-jährigen Dorothea Breuer, gießt ihr einen Whisky ein, natürlich Attrappe, und redet ihr gut zu.

„Du musst näher zu ihr treten. Sonst siehst du nicht, dass sie nicht an ihr Glas herankommt“, gibt Philina Kahl ihm Anweisung. Mit kritischem Auge steht sie vor der Bühne steht. Die 28-Jährige ist die Regisseurin und leitet die Proben, die hier gerade im Theater der Jugendkunstschule am Rheinsberger Tor in Nuruppin stattfinden.

Zum ersten Mal auf der Bühne

Vor sich hat Kahl jedoch keine ausgebildeten Schauspieler, sondern allesamt Laiendarsteller, die teilweise zum ersten Mal auf der Bühne stehen. Im wirklichen Leben studieren die junge Leute an der Neuruppiner Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane, kurz MHB, Medizin oder Psychologie. Genau darin liegt die Verbindung zum Bühnenstück.

Studenten der MHB führen ein Theaterstück zum Thema Sterbehilfe auf. Ende Februar und Anfang März kommen sie damit für zwei Termine auch nach Brandenburg.

Das studentische Theaterprojekt, wie die Laiengruppe sich nennt, hat ein Projekt zum Thema Sterbehilfe erarbeitet: „Alices Reise in die Schweiz“ nach einem Text des zeitgenössischen Autors Lukas Bärfuss. „In Deutschland ist die gewerbliche Beihilfe laut Paragraph 217 des Strafgesetzbuches verboten, in unserem Nachbarland nicht“, erklärt Regisseurin Philina Kahl.

Auftritte in Neuruppin und Brandenburg an der Havel

Mitte Dezember hat das Stück in Neuruppin Premiere gefeiert – und großen Applaus bekommen, sagt Regisseurin Kahl. „Direkt nach dem Schluss ist das Publikum fast ein bisschen in Stille verfallen. Aber dann haben alle geklatscht. Wir haben tolle Rückmeldungen bekommen“. Seitdem waren fast alle Vorstellungen ausverkauft. Und nun kommt das Stück auch nach Brandenburg. Am 28. Feburuar und am 1. März wird das Stück in der Studiobühne des Thaters aufgeführt.

Alice, gespielt von der Medizin-Studentin Wencke Schürmann (21), lebt dabei im Norden Deutschlands, erzählt Kahl: „Sie ist jung, schön und depressiv. Alice hat sämtliche psychologischen Mühlen durchwandert und merkt, dass sich für sie nichts mehr ändert. Also beschließt sie zu sterben und hört vom Schweizer Arzt Gustav Strom.“

Führt Regie bei „Alices Reise in die Schweiz“: Philina Kahl. Quelle: Peter Geisler

Er soll ihr helfen, ihren Todeswunsch in seinem Land legal erfüllen zu können. „Strom hat einen Hippokratischen Eid geleistet und sieht seine Aufgabe darin, Menschen von ihrem Leid zu erlösen. Er sagt: Die Würde des menschlichen Lebens liegt in der Freiheit, den Zeitpunkt des eigenen Todes wählen zu können.“

Alice und Gustav Strom beginnen, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Währenddessen begegnet der Zuschauer Angehörigen, der Schwester, dem Vermieter, und verschiedenen weiteren Personen mit unterschiedlichen Berührpunkten zum ärztlich assistierten Suizid. Sechs Darsteller und 15 Mitwirkende sind am Theaterstück „Alices Reise in die Schweiz“ beteiligt.

Alles selber auf die Beine gestellt

Das Bühnenbild stammt von Valentin Hähnel (24) und Lou Seidel. Die 21-jährige Berlinerin ist Tischlerin im dritten Lehrjahr und die einzige Externe im Team. „Die Ideen für das Bühnenbild entstanden sowohl in Berlin als auch Neuruppin“, erzählt Seidel. Alle Elemente hätten sie selber hier an Ort und Stelle im Kulturhaus Stadtgarten gesägt und zusammengebaut.

Mit einer Unterbrechung. „Wir waren ursprünglich an einer anderen Spielstätte. Diese hatte aber plötzlich abgesagt, da hielten wir förmlich schon die Säge in der Hand“, erzählt Regisseurin Philina Kahl rückblickend. „Es ist schon viel passiert seit der Gründung unseres Theaterprojekts.“

Ins Leben gerufen hatte die junge Frau die studentischen Theatergruppe dieses Jahr erst. „Ich wollte unbedingt neben dem Studium Theater machen. Etwas passendes gefunden habe ich aber nicht so richtig in Neuruppin“, so Kahl. Also entschied sie sich, selber eine Gruppe aufzubauen. Just for fun, wie sie sagt, aber auch „mit der Motivation aufzutreten.“

Über den Uni-Verteiler Mitstreiter gesucht

Das Stück, das sie umsetzen wollte, sollte zu einer medizinischen Hochschule passen, meint Philina Kahl: „Als mein Opa im letzten Jahr starb, habe ich mich intensiver mit dem Tod beschäftigt. Den Autor Lukas Bärfuss kannte ich schon länger, und so stieß ich auf sein Drama.“

„Alices Reise in die Schweiz“ war als Textbuch in der Form vorhanden gewesen. „Wir haben den Text nur leicht gekürzt.“ Darsteller gefunden hätte sie über den Uni-Verteiler. „Im Frühjahr habe ich eine Mail verschickt und Mitstreiter und Schauspieler gesucht.“ Tischler-Auszubildende Lou Seidel wiederum kannte Kahl aus der freien Theaterszene in Berlin.

Das Theaterprojekt von Studenten der MHB zum Thema Sterbehilfe: Valentin Hähnel, Philina Kahl, Lou Seidel und Clara Maier-Peveling (v. l.). Quelle: Peter Geisler

Seit Juli probt die studentische Laiendarstellertruppe nun. „Einmal wöchentlich treffen wir uns, zwei intensive Übungswochenenden gab es auch. Vor der Premiere jetzt proben wir natürlich täglich“, sagt Regisseurin Kahl, die im vierten Semester an der MHB in Neuruppin Medizin studiert und zuvor als Regieassistentin gearbeitet hatte. Seit ihrer Schulzeit zieht es sie immer wieder auf die Bühne.

Studentin mit Bühnenerfahrung

So übernahm Kahl im Satire-Musical „Sarg niemals nie“, das sogar in Karlsruhe und München zu sehen war, die Spielleitung. Zudem ist sie Mitglied des Ensembles „Kommando: SpitzBube“. Im Tipi am Kanzleramt wiederum war die gebürtige Berlinerin als Regieassistentin tätig.

Dass Kahl etwas vom Bühnenfach versteht, merkt man ihrer Arbeitsweise an. Gekonnt greift sie ein, leitet an, holt aus ihrem studentischen Ensemble alles raus. Im Stück und in ihrer Truppe steckt viel Potenzial. Man nimmt beispielsweise Dorothea Breuer bereits in den Proben ihre Rolle als Margret ab.

Sie zeigt sich gebrechlich und authentisch, wie es die ihr zugeschriebene Figur sein soll. Und wenn sie bei Doktor Strom merkt, nein, betrunken von zuviel Whisky möchte sie nicht sterben und ihren Tod vertagt, spielt sie das so überzeugend, dass es sogar erheiternde Momente im Drama „Alices Reise in die Schweiz“ gibt.

Man darf also gespannt sein, wenn das Stück im Februar auch nach Brandenburg kommt.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

Ein Feuer hat die Weihnachtsruhe in der Wilhem-Weitling-Straße unterbrochen. Am Mittwochmorgen brennt in einem Mehrfamilienhaus eine Küche. Der Bewohner wird leicht verletzt. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor.

27.12.2018

Feuerwehren aus dem Amt Beetzsee waren um die Mittagszeit zwischen Pritzerbe und Gapel im Einsatz. Sie sicherten eine Unfallstelle auf der B 102 ab. Ein Autofahrer musste ärztlich behandelt werden.

26.12.2018
Groß Kreutz Vermisster Husky ist zurück - Frohe Weihnachten für vermissten Husky

Glücklicher Ausgang einer Suchaktion: Der fünfte und letzte nach einem Wohnhausbrand in Jeserig entlaufene Husky ist wieder in menschlicher Obhut. Er ging seinen Rettern buchstäblich in die Falle.

24.12.2018